TSV kritisiert Fitness-Abos

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Bärbel Weber leitet beim TSV Kierspe verschiedene Breitensportangebote, so zum Beispiel einen Rehakurs.

Kierspe - Individuell trainieren statt in der Gemeinschaft: Auch wenn die Sportvereine in NRW 2017 im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Mitgliederzuwachs verzeichnen konnten, haben es die heimischen Vereine dennoch manchmal schwer, ihre Sportler zu halten oder gar neue dazuzugewinnen. Die Zukunftsaussichten betrachtet so mancher kritisch.

„Wenn die Zahl unserer Kursteilnehmer weiterhin sinkt, werden wir irgendwann möglicherweise Kurse streichen müssen. Dem Verein könnten damit finanzielle Schwierigkeiten drohen“, zeichnet Bärbel Weber ein negatives Szenario für die Vereinsentwicklung beim TSV Kierspe. 

Sie leitet verschiedene Breitensportkurse beim TSV, unter anderem Kinderturnen, Rehasport, Walken und Aerobic. „In letzter Zeit haben sich leider gleich mehrere Mitglieder von den Kursen abgemeldet“, bedauert Weber. 

Doch bei der Breitensportabteilung des TSV Kierspe herrscht nicht nur Sportler- sondern auch Funktionärsknappheit. „Uns fehlen schlichtweg jüngere Kursleiterinnen. Natürlich fühlt sich möglicherweise eine 21-Jährige auch in einem meiner Kurse wohl. Aber ich denke, dass es für junge Frauen durchaus schöner sein könnte, wenn ihr Kurs von einer Gleichaltrigen geleitet würde“, vermutet Weber. 

In drei Fällen gaben die abgewanderten Sportler Begründungen für ihre Abmeldung an, eine davon bereitete Weber besonders Kopfschmerzen: „Es gibt Firmen, die ihren Mitarbeitern anstelle einer Gehaltserhöhung ein Abo im Fitnessstudio bezahlen. Diese bieten ja teilweise ähnliche Kurse an wie wir“, erklärt Weber und fügt hinzu: „Ich kann und will natürlich keinem vorschreiben, was er in seinem Betrieb macht. Darüber hinaus finde ich es auch grundsätzlich gut, wenn die Menschen sich dazu entscheiden, Sport zu treiben“. Allerdings würden Abteilungen wie Handball, Schwimmen oder Basketball den Verein in erster Linie Geld kosten, während er durch Breitensport vor allem Geld einnehme. 

Es gehe ihr nicht um Kritik an Fitnessstudios oder den Firmen. Sie wolle lediglich darauf aufmerksam machen, wie sich der TSV entwickeln könnte, wenn die Situation sich verschärfe. Eine Möglichkeit zur Lösung des Problems sieht die Breitensportlerin aber bisher nicht. 

Sie kann allenfalls darauf aufmerksam machen, welche Vorteile der Vereinssport mit sich bringt. „Ich schätze einfach die gemeinschaftliche Komponente im Verein“, erklärt Anette Jäger. Sie nimmt regelmäßig am Rehakurs des TSV teil und würde sich in einem Fitnessstudio oder einer Praxis für Physiotherapie eher weniger wohl fühlen. Sie schätzt außerdem die Kompetenz von Bärbel Weber.

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