Der goldene Boden ist manchmal aus Stahl

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Tobias Gerth muss als Metallbauer das Schweißen perfekt beherrschen, da wird jede Gelegenheit zum Üben genutzt.

Kierspe - Zu vermitteln, dass es jenseits des Werkzeugmachers und der Industriekauffrau attraktive Berufe gibt, war Nadine Franz vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur ein Anliegen. Im Rahmen der Woche der Ausbildung hatte die Agentur in das Stahl- und Metallbauunternehmen Pfitzner eingeladen, um über den Ausbildungsmarkt zu sprechen.

Von Johannes Becker

Dass sich der Ausbildungsmarkt dramatisch verändert hat, machte Nadine Franz gleich zu Anfang klar. Erstmals gibt es im Märkischen Kreis mehr offene Ausbildungsstellen (2612) als Bewerber (2491). In Kierspe und Meinerzhagen stellt sich die Situation für die Bewerber aber nicht so entspannt dar. Dort gibt es 160 Ausbildungsstellen, denen 195 Ausbildungssuchende gegenüberstehen. „Trotzdem haben manche Betriebe Probleme einen geeigneten Auszubildenden zu finden“, so Franz.

„Wenn wir einen Bewerber haben, bei dem es passt, dann schlagen wir sofort zu“, bestätigt Annegret Pfitzner die Aussagen der Agentur-Mitarbeiterin. Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik, werden seit Jahren in dem 20-Mann-Betrieb in Kierspe ausgebildet – und das mit Erfolg. Gehören doch zu den Gesellen, die heute bei Pfitzner arbeiten, auch sechs „Eigengewächse“.

„Mit der Ausbildung ist es aber nicht getan. Die Mitarbeiter müssen die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen mitbringen“, erklärt Peter Wilm Pfitzner, der das Unternehmen 1992 gründete, nachdem er etliche Jahre als Meister in einer Schlosserei gearbeitet hatte. Seine Firma, in der hauptsächlich für die Industrie gefertigt wird – vom Stahlfundament für schwerste Maschinen bis hin zu freitragenden Hallen, wie beispielsweise die, die SUK errichten ließ – verfügt über die Berechtigung nahezu alle Schweißklassen bedienen zu können. Doch nicht nur in diesem Bereich ist die Bereitschaft zur Weiterbildung gefragt. Auch der Maschinenpark ist auf dem neusten Stand. Aus der eigenen Konstruktion laufen die Pläne gleich zu den Bearbeitungszentren. Da ist es mit einfachen handwerklichen Fähigkeiten nicht mehr getan. Pfitzner: „Deshalb benötigen wir auch Fachkräfte, mit angelernten Arbeitern kommen wir nicht weit.“

Viel geschmiedet wird heute nicht mehr im Betrieb. Doch bei dieser Arbeit lernt Tobias Kinas das Material am besten kennen.

Da die Werkstücke und Hallen auch von den eigenen Mitarbeitern montiert werden, ist auch im Außendienst profundes Wissen und Können gefragt.

Mit dem Lernen ist auch eine entsprechende Vergütung verbunden. Unternehmen wie Pfitzner sind weit entfernt von Mindestlöhnen oder schlecht bezahlten Handwerkslöhnen. Das zeigt schon ein Blick auf den Mitarbeiterparkplatz – da wird deutlich: Hier arbeitet der Mittelstand. Doch der arbeitet eben auch. Termintreue und Zeitdruck beim Kunden erfordern auch schon mal einen Einsatz, der über acht Stunden hinausgeht.

Wie wichtig solche Unternehmen für eine Stadt sind, macht Bürgermeister Frank Emde nicht nur durch seine Anwesenheit klar: „Wir brauchen solche Unternehmen, die dazu beitragen, dass Südwestfalen die industriell drittstärkste Region in Deutschland bleibt. Und bei Pfitzner zeigt sich deutlich, dass sich die Investition in die eigene Ausbildung lohnt. Denn mit einer Lehre wird hier der Grundstein in die eigene Zukunft gelegt – auf beiden Seiten. Und für die Stadt sind ausbildende Betriebe unverzichtbar, denn damit können Menschen vor Ort gehalten werden.“

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