"Der Herr der Ringe"

Stöbertag auch bei Firma Goseberg: So werden Schlüsselringe produziert

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Nach 17 Jahren kehrt Alexander Fitz an seine alte Stöberstelle in der Firma Goseberg zurück. Interessiert schauen sich Firmenchef Ralf Goseberg und Jugendzentrumsleiterin Susanne Sattler das Wiegen der Ringe an.

Kierspe - Wenn Ralf Goseberg über sein Unternehmen spricht, geht es immer gleich um Millionen – nicht Millionen Euro, sondern Schlüsselringe, die dann auch eher in Centbeträgen abgerechnet werden. Beim Stöbertag, in dessen Rahmen Kiersper Grundschüler Unternehmen besuchen, steht die Herstellung der Ringe am Dienstag einmal mehr im Fokus.

Das Kiersper Unternehmen Goseberg atmet aus allen Poren Tradition. Das wird im Gebäude deutlich, bei den Maschinen, den langjährigen Geschäftsbeziehungen – und auch am Stöbertag sichtbar.

So recht kann sich weder die Leiterin des Kiersper Jugendzentrums Susanne Sattler noch Ralf Goseberg erinnern, seit wann das Unternehmen beim Stöbertag dabei ist. „Ich denke, von Anfang an“, sagt Sattler und Goseberg nickt. Wie sinnstiftend dieser Tag sein kann, wird deutlich, wenn man Alexander Fitz zuhört.

Der 27-jährige Fitz war 2002 Stöberkind bei Goseberg, kann sich noch gut an die Arbeit erinnern, die er damals erledigen durfte. Einlegearbeiten, das Verpacken von Schlüsselringen und Bedrucken warteten damals und warten auch jetzt auf die Stöberkinder. Für den 27-Jährigen war jedenfalls seit dem Besuch bei Goseberg klar, dass er einmal in der Metallindustrie arbeiten wollte. Hat ja auch geklappt, heute arbeitet Fitz bei einem Unternehmen in Halver als Maschinenanlagenführer.

Wenn am Dienstag die 148 Stöberkinder der Kiersper Grundschulen ausschwärmen, um in heimischen Unternehmen die Welt der Erwachsenen zu erkunden, werden drei von ihnen auch wieder zu Goseberg gehen. „Viel Arbeit ist das für uns nicht. Außerdem spricht sich unter den Schülern herum, wie es bei uns war. Deshalb haben wir auch nie Probleme, ältere Schüler für Ferienarbeit zu gewinnen“, erzählt Goseberg.

Der Draht kommt aus Altena.

Sowohl die Stöberkinder als auch die Ferienarbeiter werden eine Firma kennenlernen, wie es sie nicht mehr oft gibt. Auf Maschinen, die ruhig historisch genannt werden können und zum Teil ihren 60. Geburtstag schon hinter sich haben, werden die Schlüsselringe in unterschiedlicher Größe, Stärke und Materialzusammensetzung hergestellt – mit Draht aus Altena.

Angefangen hat alles 1924. Damals fertigte die Metallwarenfabrik vor allem Biegeteile, Dachpappennägel und Pressteile. Und auch heute, 95 Jahre später, gilt ein Augenmerk des Unternehmens immer noch der Metallverarbeitung. Ralf Goseberg, der das Unternehmen mit seinen elf Mitarbeitern in vierter Generation leitet und seinen Sohn Max hinter sich weiß, ist in seinem Element, wenn er von den Schlüsselringen spricht. „Gut ein Viertel unseres Umsatzes machen wir damit noch“, erzählt Goseberg und macht gleich auf die Feinheiten seiner Ringe aufmerksam. Denn diese sind, wie auch die anderen Ringe aus deutscher Produktion an einem kleinen Knick zu erkennen, der die Ringe nicht nur elegant aussehen lässt, sondern auch ein zufälliges Verhaken fast vollständig verhindert.

Jeder einzelne Ring, egal, ob nur wenig Millimeter im Durchmesser messend oder gleich sieben Zentimeter, wird von der Drahthaspel abgerollt, in einer Maschine gewickelt – zum Schluss gibt‘s dann mit hohem Druck den charakteristischen Knick. Seit einigen Jahren werden die Ringe auch aus nichtrostendem Material hergestellt. Und auch, wenn alle diese Produkte Schlüsselringe heißen, nur an den wenigsten werden auch wirklich Schlüssel befestigt. So würden, erzählt Goseberg, die kleinsten Ringe von Anglern aufgrund ihrer großen Belastungsfähigkeit geschätzt. Aber auch in Bereichen der industriellen Fertigung kommen die Ringe zum Einsatz.

Die Maschinen sind alt, aber sehr zuverlässig.

Dass es nicht bei den Ringen geblieben ist, verdankt das Unternehmen der Anregung eines Kunden. Denn dieser fertigte Bad-Armaturen und dabei unter anderem Waschbecken- und Badewannenstöpsel. Dabei wurden die Kunststoffteile, die das Becken abdichten, mit einem Ring aus der Goseberg-Fertigung an einer Kette befestigt. „Der Kunde regte damals an, dass wir doch die gesamte Fertigung übernehmen könnten. So sind wir auch zum Kunststoffbearbeiter geworden“, erzählt der Firmenchef.

Dem Armaturenbereich sind sich die Kiersper treu geblieben. Heute sind es Teile von gas- und wasserführenden Armaturen, die das Werk verlassen. Alleine 150.000 Handräder, die auf den Pressluftflaschen sitzen, die Feuerwehrleute als Atemschutzgerät tragen, wurden vergangenes Jahr hergestellt. Doch auch, wenn Deutschland groß ist, so viele Flaschen brauchen die deutschen Wehrleute nicht. Da trifft es sich gut, dass der Auftraggeber, der die Atemschutzgeräte herstellt und vertreibt, Kunden auf der ganzen Welt hat.

Millionen Schlüsselringe in unterschiedlichen Größen verlassen jedes Jahr das Unternehmen.

Goseberg kann nicht nur von Ringen schwärmen, sondern auch von diesen Handrädern. Er erklärt im Detail, was diese so besonders machen. Denn spezielle Oberflächen erlauben eine Bedienung mit schweren Einsatzhandschuhen, verhindern aber gleichzeitig, dass die Flasche sich von alleine schließt, wenn diese an einer Wand entlang streift. Doch egal, ob Armaturen gespritzt oder Schlüsselringe gebogen und gepresst werden, die Werkzeuge dafür kommen aus dem eigenen Werkzeugbau. Und während in der Ringfertigung, die schon erwähnten alten Produktionsanlagen, die ursprünglich als Münzprägemaschinen im Siegerland gebaut wurden, ihren Dienst tun, stehen im Werkzeugbau moderne CNC-Bearbeitungszentren. Gleiches gilt auch für die 2-K-Spritzgießmaschinen.

In den kommenden Jahren wird das Gebäude einen Teil seines Charmes als Zeugnis des frühen 20. Jahrhundert verlieren. Denn Ralf Goseberg will umbauen. Dazu wird in Richtung der Volmestraße angebaut und das bestehende Gebäude aufgestockt. Damit soll die Zukunft gesichert werden, damit noch lange der „Herr der Ringe“, der dann wohl Unternehmersohn Max sein wird, an der Volme seinen Platz hat.

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