Die Auftragsbücher füllen sich und die Kunden bleiben treu

Firma Goletz ist zurück

Freuen sich, dass es am Standort Kierspe mit einer eigenständigen Firma weitergeht: die Goletz-Eigentümer Michael Vedder und Dr. Rolf Danzebrink, Volksbank-Vorstand Stephan Böhse, Volksbank-Prokurist Clemens Wieland und Volksbank-Vorstand Stephan Baldschun (von links).
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Freuen sich, dass es am Standort Kierspe mit einer eigenständigen Firma weitergeht: die Goletz-Eigentümer Michael Vedder und Dr. Rolf Danzebrink, Volksbank-Vorstand Stephan Böhse, Volksbank-Prokurist Clemens Wieland und Volksbank-Vorstand Stephan Baldschun (von links).

Auf dem Dach zeigen sechs Buchstaben an, dass sich etwas grundsätzliches verändert hat – GOLETZ steht dort, wo vor kurzem noch Nanogate stand. Ein paar Meter weiter, gleich neben dem Eingang verweist der Schriftzug noch auf den alten Eigentümer. Ein Problem haben die neuen Chefs damit nicht – will man doch auch in Zukunft noch mit der alten Konzernmutter zusammenarbeiten: als Partner.

Kierspe - „Ich weiß nicht, ob es eine Vorahnung war, auf jeden Fall war es mir wichtig, den alten Schriftzug zu retten und sicher einzulagern“, sagt Michael Vedder, der alter und neuer Miteigentümer des Unternehmens im Gewerbegebiet „Am Funkenhof“ ist.

Fünf Jahre ist es her, dass die beiden damaligen Eigentümer Michael Vedder und Martin Werner das Unternehmen an den die Aktiengesellschaft Nanogate verkauften, erst 75 Prozent der Anteile und einige Jahre später auch den Rest. Eigentümer der Immobilie, die erst 2008 bezogen worden war, blieben die beiden Kiersper Familien.

Bewusst hatte man sich damals für Nanogate als deutschen Konzern entschieden und keine Partner aus Asien in Betracht gezogen, auch um die Arbeitsplätze am heimischen Standort zu sichern. Und derer gab es damals genauso viele wie heute. Rund 130 Mitarbeiter sind bei dem Unternehmen angestellt, und aufgrund der guten Auftragslage sind derzeit noch weitere 30 Leiharbeiter bei Goletz beschäftigt.

„Wir mussten keinen Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen und hatten auch zu keiner Zeit Probleme an unserem Standort“, sagt Vedder. Man sei aber aufgrund der Zugehörigkeit zu Nanogate mit in die Insolvenz hineingeraten.

„Unser Ziel war es von Anfang an, die Arbeitsplätze zu retten und den Standort eigenständig weiterzuführen“, erklärt Dr. Rolf Danzebrink, der nicht nur bereits seit 2017 am Kiersper Standort arbeitet und Mitglied der Geschäftsführung bei Nanogate ist, sondern nun auch der zweite Miteigentümer von Goletz.
Der Saarländer wird in naher Zukunft nur noch für sein Unternehmen in Kierspe arbeiten. Er ist es auch, der erklärt, warum man sich bei Nanogate letztlich von dem Kiersper Standort getrennt habe: „Der Konzern ist auf die Veredelung vollständiger Kunststoffkomponenten spezialisiert. Da passte Goletz mit seinem Angebot als Spritzgussspezialist letztlich nicht 100-prozentig rein.“ Nun wolle man sich wieder auf die jeweiligen Kernkompetenzen konzentrieren.

Wobei sich diese Kompetenzen bei Goletz in den Konzernjahren auch verändert haben. Waren es vor fünf Jahren meist kleinere Einzelteile, die man in Kierspe fertigte, werden nun auch ganze Baugruppen wie etwa Mittelkonsolen angeboten. „Das wird auch so bleiben“, sagt Vedder, der sich auch freut, dass man gerade bei den Oberflächen in den Nanogate-Jahren weitergekommen sei. Das sieht auch Danzebrink so: „Wir können bei unseren Produkten heute eine ganz andere Qualität bei den Oberflächen anbieten, als das noch vor einigen Jahren der Fall war. Außerdem können wir jetzt Großprojekte mit einer hohen Wertschöpfungskette umsetzen.“
Sicher auch ein Grund, warum Goletz gut durch das Pandemie-Jahr 2020 gekommen ist. „Natürlich brach die Nachfrage auch bei uns in den ersten drei Quartalen ein, doch dann hatten wir ein gutes viertes Quartal. Und auch jetzt sind wir vor unserem Plan, die Auftragsbücher füllen sich und unsere Kunden haben weitere Aufträge angekündigt“, sagt Vedder, der auch weiter ausführt, dass es nicht zuletzt die Kunden gewesen seien, die auf einen Kauf von Goletz durch neue Eigentümer gedrängt hätten.

Auf dem Firmengebäude im Gewerbegebiet Am Funkenhof steht nun wieder Goletz. Das Unternehmen wurde von Nanogate verkauft und befindet sich nun im Besitz von Michael Vedder und Rolf Danzebrink.

„Jetzt sind wir froh, dass das geklappt hat und wir mit Nanogate weiter freundschaftlich verbunden sind. Auch, weil der Konzern in Zukunft zu unseren Kunden zählen wird“, so Danzebrink.
Trotz der guten Auftragslage, der treuen Kunden und des streitlosen Ausscheidens aus dem Konzern musste das Unternehmen eine Bank finden, die es bei dem Weg in die Eigenständigkeit begleitete und ihm auch jetzt zur Seite steht.

Letztlich war und ist der Weg zu dieser Bank nicht weit. Luftlinie sind es sogar nur einige hundert Meter. Danzebrink: „Die Volksbank Kierspe hatte uns bereits in der Insolvenz des Konzerns signalisiert, uns beizustehen. Das lief alles sehr schnell und unkompliziert.“

So sieht das auch Clemens Wieland von der Volksbank Kierspe, der den neuen Kunden betreut. „Das war schon bemerkenswert, mit welcher Offenheit alle Beteiligten miteinander umgegangen sind.“

Für die heimische Bank kommt das Geschäft auch gerade zur rechten Zeit. „Wir sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen und konnten unser Eigenkapital deutlich steigern, was auch den Kreditsummen zugutekommt. Vor zehn Jahren wäre so ein Geschäft für uns sicher nicht so einfach gewesen, doch jetzt sieht das ganz anders aus“, freut sich Stephan Böhse, Vorstand der Kiersper Volksbank.
Vor allem, so Böhse, hätten alle davon profitiert, dass nicht nur der Weg zum Kunden kurz sei, sondern auch die Wege in der Bank. „Dadurch können wir schnell und ohne Umwege entscheiden. Denn der Weg zu meinem Vorstandskollegen Stephan Baldschun ist mit wenigen Metern extrem kurz“, so Böhse.

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