Kierspe für die Abschaffung der Todesstrafe

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Erstmals reihte sich Kierspe in die lange Liste der Unterstützer von „Cities for Life – Städte für das Leben“ ein.

Kierspe - Mit einem Film- und Diskussionsabend im Rahmen der Aktion „Cities for Life – Städte für das Leben“ im Kreativzentrum reihte sich erstmals auch die Stadt Kierspe am Mittwochabend ein in die lange Liste der Unterstützer.

Inzwischen engagieren sich rund 200 deutsche Kommunen, viele Tausend Städte in Europa und mehr als 100 Länder weltweit an diesem Tag, um gemeinsam mit vielfältigen Aktionen gegen die Todesstrafe zu protestieren. Der 30. November gilt als internationaler Tag gegen die Todesstrafe. Bereits am Dienstag hatte der Rat der Stadt eine entsprechende Resolution beschlossen, diese Aktion auch weiter zu unterstützen.

Zum Einstieg in den von Stadt und christlichen Gemeinden organisierten Abend ging Pfarrer Martin Ahlhaus vom Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung in der Evangelischen Kirche von Westfalen auf den Inhalt des Films ein. Der US-amerikanische Spielfilm von 1995, der nach einer wahren Geschichte die Beziehung zwischen einer katholischen Ordensschwester und einem zum Tode verurteilten Schwerverbrecher erzählt, spricht die tiefgründige Thematik menschlicher Schicksale an und wirft Fragen auf, die sich im Zusammenhang mit der Todesstrafe ergeben.

Den drohenden Vollzug vor Augen, wendet sich der Verurteilte an die als Sozialarbeiterin tätige Schwester, und die nimmt – trotz vieler Einwände von außen und Zweifel von innen – Kontakt zu ihm auf, lässt sich auf seine Lebens- und die Leidensgeschichte seiner Opfer ein. Es ist eine schmerzhafte Suche nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Recht und Gerechtigkeit. Und immer wieder stellt sich die Frage: Ist ein Todesurteil gerecht?

Im Anschluss an die Filmvorführung im Kreativzentrum bestand Gelegenheit zur Diskussion.

Diese Frage stand im Raum, auch als die Handlung des Filmes den erwarteten Verlauf nahm, die Vollstreckung des Urteils für Betroffenheit einerseits sorgt und ebenso dazu ermutigt, Kampagnen gegen die Todesstrafe zumindest ideell zu unterstützen.

Ahlhaus in diesem Zusammenhang: „Nachrichten aus der aktuellen Tagespolitik lassen es auch für uns hier im scheinbar so aufgeklärten Europa ratsam erscheinen, über den Tellerrand zu schauen. Wir wollen ja schließlich alle in einer globalisierten Welt zuhause sein und sehen mit Erschrecken, dass in Ländern wie Weißrussland, Afghanistan oder Ägypten, in Kuba, Palästina und Nordkorea, in Singapur, ja selbst in den Vereinigten Staaten von Amerika die Todesstrafe noch längst nicht ad acta gelegt worden ist und in einem erschreckend hohen Ausmaß praktiziert wird.“

Mehr als 1600 Hinrichtungen im vergangenen Jahr

Zwar hätten in den vergangenen 40 Jahren mehr als zwei Drittel aller Staaten die Todesstrafe faktisch abgeschafft oder zumindest dauerhaft ausgesetzt, doch berichte Amnesty International gerade aus 2015 von mindestens 1634 Hinrichtungen und damit von einer drastischen Zunahme um 54 Prozent, informiert der Pfarrer die Teilnehmer.

„Neben China, wo vermutlich die meisten Hinrichtungen stattfinden, die genauen Daten hierüber aber unter das Staatsgeheimnis fallen, wird im Iran, in Pakistan und Saudi-Arabien die Todesstrafe am häufigsten ausübt.“ Gerade auch in den Krisengebieten des Nahen Ostens würden im Zusammenhang mit dem Terrorismus steigende Vollstreckungszahlen registriert, und selbst im Nato-Mitgliedsstaat Türkei werde die Wiedereinführung der längst aufgehobenen Todesstrafe erwogen, so Ahlhaus weiter.

Die Teilnehmer erkannten im Rahmen der sich anschließenden Diskussion, dass die Bedeutung des Einsatzes für eine Kultur des Lebens bestehen und dringend erforderlich bleibe.

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