Fichten: Totalschaden für Kierspe

Dem Wald geht‘s denkbar schlecht

Durch den massiven Borkenkäferbefall und die daraus resultierenden Fällungen haben sich neue Blicke eröffnet. So gibt es im Bereich Wienhagen freie Sicht in Richtung Rheinland.
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Durch den massiven Borkenkäferbefall und die daraus resultierenden Fällungen haben sich neue Blicke eröffnet. So gibt es im Bereich Wienhagen freie Sicht in Richtung Rheinland.

Ein kalter Winter, ein feuchtes Frühjahr und ein regnerischer Sommer – eigentlich ideale Bedingungen für eine Erholung des Waldes. Doch diese wird es nicht geben, da ist sich Förster Uwe Treff sicher: „So schlimm, wie derzeit, war es noch nie.“

Kierspe - Viele Borkenkäfer seien zwar in den Stadien Ei, Larve oder Puppe aufgrund des strengeren Winters abgestorben, aber die Hoffnung, dass aufgrund des feuchten Frühjahrs die Altbestände in nennenswertem Umfang „verpilzen“ würden, habe sich nicht erfüllt, sagt Treff. „Als es im Mai wärmer wurde, schwärmten unvorstellbare Mengen an Käfern aus. Ich erwarte für den Bereich Kierspe einen Totalschaden. Jetzt trifft es auch Bestände, deren Bäume in einem Alter zwischen 25 und 30 Jahren sind, die wir bisher als nicht so gefährdet angesehen haben“, so der Forstfachmann.

Unmengen an Käfern

In den vergangenen Jahren fehlte den Bäumen aufgrund der Trockenheit die „Kraft“, genügend Harz zu bilden, um die Käfer abzuwehren. „Den Regen dafür haben wir jetzt, doch bei den gigantischen Mengen an Käfern wird das nichts nützen“, da ist sich Treff sicher. Er kenne nur drei kleine Bestände in seinem Revier, die noch nicht vom Käfer befallen seien. „Wir werden bis Ende des Jahres rund 90 Prozent aller Fichtenbestände verloren haben“, erzählt der Förster.

50 000 Festmeter

Diese Entwicklung hat zur Folge, dass in den Revieren so viel Holz geschlagen wird, wie noch nie. In „normalen“ Jahren wurden in dem Revier von Uwe Treff rund 8000 Festmeter Fichtenholz geschlagen. In diesem Jahr, so der Förster, werden es wohl rund 50 000 Festmeter werden, von denen bereits 30 000 Festmeter geschlagen wurden.

Preisschwankungen

Die großen Mengen, die unterschiedlichen Abnehmer und geopolitische Zusammenhänge haben sich auch beim Preis bemerkbar gemacht. So war es sicher ein Glücksfall für die heimischen Waldbauern, dass aufgrund des schlechten Verhältnisses zwischen dem amerikanischen Präsidenten Trump und der chinesischen Regierung nach neuen Lieferanten für den Bedarf in Asien geschaut wurde. Doch Preise, wie sie noch 2018 gezahlt wurden, sind bei diesen Geschäften nicht zu erzielen. „Wir haben vor drei Jahren das Fichtenholz noch für rund 95 Euro verkauft. Doch dann stiegen die Einschlagmengen durch den Borkenkäferbefall drastisch an, sodass der Preis immer weiter fiel, bis 2020 nur noch rund 30 Euro gezahlt wurden. Danach stieg der Preis wieder, bis er rund 85 Euro erreicht hatte. Seitdem geht es wieder abwärts. Derzeit bekommen wir etwa 70 Euro für den Festmeter. Der Vertrag, auf den sich dieser Preis bezieht, läuft aber Mitte des Monats aus. Ich gehe davon aus, dass der Preis dann weiter fällt“, erklärt Treff, der auch sagt, dass 98 Prozent des in Kierspe eingeschlagenen Holzes nach Asien gehen.

Jeder bekommt Holz

Er widerspricht aber dem Gerücht, dass deshalb der Preis für Schnittholz in Deutschland so hoch sei: „Die heimischen Sägewerker bekommen so viel Holz, wie sie möchten, doch die Betriebe arbeiten bereits an ihren Kapazitätsgrenzen. Nur wird ein Großteil des geschnittenen Holzes nicht auf den heimischen Markt gebracht, sondern nach Übersee verkauft. Vor allem in den USA herrschte große Nachfrage. Dementsprechend hohe Preise wurden dort bezahlt. Allerdings sind die Preise dort in den vergangenen Wochen stark eingebrochen.“

Viel ist nicht vom städtischen Wald im Bereich Wienhagen übrig geblieben.

Es wird in einer nahen Zukunft der Tag kommen, an dem die letzte Sauerländer Fichte durch das Gatter eines chinesischen oder heimischen Sägewerkes gelaufen ist. Das ist den Betreibern der Werke bewusst – und auch den heimischen Waldbesitzern. Doch wie sieht in Zukunft der heimische Wald aus? Darauf kann auch der Kiersper Förster keine Antwort geben. „Ich empfehle, die Flächen in Ruhe zu lassen und der Naturverjüngung eine Chance zu lassen. Es gibt aber auch Gruppen, die möchten, dass schnell wieder aufgeforstet wird. Ich glaube aber, dass die Natur mehr kann, als wir ihr zutrauen“, sagt Treff.

Auch Lärche befallen

In den vergangenen Monaten war immer wieder berichtet worden, dass auch andere Nadelbäume vom Borkenkäfer angegriffen werden. Das bestätigt auch der heimische Förster. „Der Käfer geht auch an Kiefer und Lärche, allerdings nicht so stark, da diese Bäume stärker harzen als die Fichte. Der Kupferstecher geht auch an die Tanne.“ Nach wie vor würden aber gerade Douglasie und Lärche als käfersicher gelten. Dass es auch anders kommen kann, habe er vor einiger Zeit im Bereich Haus Rhade erfahren müssen. Dort sei ein Lärchenbestand, der in unmittelbarer Nähe zu Fichten stand, befallen worden. Treff: „Dort mussten wir auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern Lärchen fällen.“

Waldwege

Aufgrund der großen Einschlagmengen beim Fichtenholz sind viele Waldwege in einem ausgesprochen schlechten Zustand – und werden es auch noch einige Zeit bleiben. Förster Uwe Treff: „Wenn wir mit den Arbeiten im Bereich Wienhagen fertig sind, werden wir die Wege so schnell wie möglich wieder in einen besseren Zustand versetzen. Alleine schon deshalb, weil es sich hier um ein klassisches Naherholungsgebiet handelt.“ Für die Wege, die auf den Grundstücken der Privatwaldbesitzer liegen, will Treff nichts zusagen: „Die Entscheidung, wie mit den Wegen umgegangen wird, liegt in der Hand des Waldbesitzers. Da werden einige wenig Lust haben, Geld für den Wegebau in die Hand zu nehmen. Es kann sein, dass einige der Wege gar nicht mehr instand gesetzt werden.“

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