25 Naturschutzgebiete in Kierspe

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Der Teich im Naturschutz- und FFH-Gebiet Wienhagen hat keinen klassischen Zufluss. Das Wasser, das in den Teich fließt, läuft unterhalb der Erdoberfläche in der Moorlandschaft.

Kierspe - Das kleinste ist gerade einmal so groß wie ein Fußballplatz, das größte gleich 82 mal so groß: insgesamt gibt es 25 Naturschutzgebiete (NSG) in Kierspe.

Landschaftliche Schönheit, Einzigartigkeit oder der Schutz seltener Tierarten sind Gründe, aus denen Landschaftsbereiche unter besonderen Schutz gestellt werden. Grund genug, sich drei der 25 Kiersper Naturschutzgebiete genauer anzuschauen.

An manchen Stellen besteht die Gefahr, dass der Wagen aufsetzen könnte. Doch Hermann Reyher kennt die Wege durch die Naturschutzgebiete seiner Heimatstadt Kierspe. Und als Landschaftswächter ist er auch einer der wenigen, die dort motorisiert unterwegs sein dürfen – obwohl er seine Kontrollfahrten lieber mit dem Mountainbike erledigt.

An diesem Morgen allerdings ist das Fahrzeug mit der etwas größeren Bodenfreiheit das Mittel der Wahl. Liegen doch das kleinste, das größte und das „wertvollste“ Naturschutzgebiet auf Kiersper Grund weit auseinander. Die Tour führt von Höhlen über Wienhagen bis an die Autobahn heran.

Naturschutzgebiet Höhlen

Die ersten Boten einer intakten Natur finden sich bereits Hunderte Meter vor dem Erreichen des Naturschutzgebietes Höhlen. Denn kurz bevor der Ort erreicht wird, wird ein Straßenschild passiert – darauf, mit aufmerksamen Blick, ein Bussard. Ein zweiter zieht knapp über einem Feld seine Bahnen. Ob die beiden Bewohner des Raubvogelhauses sind, das von Naturschützern gleich am Eingang des NSG Höhlen aufgestellt wurde, kann nicht geklärt werden. Doch offensichtlich fühlen sich Vögel in der ländlichen Umgebung wohl.

Gleich am Anfang des Ortes geht es links zu einem Wanderparkplatz – und der liegt zwar eigentlich mitten im Naturschutzgebiet, ist aber auch ausgenommen. Anders wäre das auch nicht möglich, denn die NSG unterliegen einem besonderen Schutz, der den Besuchern ein besonderes Verhalten beim Besuch abverlangt. Dazu muss dieser allerdings erst einmal wissen, dass er sich in einem solchen besonders schutzwürdigen Gebiet befindet. Doch das ist nicht immer leicht zu erkennen. Ausgesprochen sparsam ist der Kreis mit den Schildern umgegangen, die auf die Gebiete hinweisen – und einige sind auch so zugewachsen, dass es schon besonderer Aufmerksamkeit bedarf, diese zu erkennen.

Wenig Wasser führt die Jubach im Naturschutzgebiet Fernhagener Bach und Jubachtal.

Neben den allgemeinen Verhaltensregeln gibt es in jedem Gebiet auch besondere Verbote und Gebote, die sich am Schutzzweck orientieren. Das gerade einmal 0,68 Hektar kleine Naturschutzgebiet Höhlen soll in erster Linie der Erhaltung und Optimierung des naturnahen Bachlaufs (Oberlauf Lingese) dienen. Geschützt werden sollen auch die Ufergehölze, das Feuchtgrünland und die verbuschte Teichanlage, die Lebensraum standorttypischer und zum Teil gefährdeter Pflanzen- und Tierarten ist.

Um diesen Schutz zu gewährleisten, gibt es besondere Verbote, die eine Beweidung des NSG-Grünlandes verbieten. Außerdem ist das Aussetzen von Wildtieren verboten und es dürfen keine Hegemaßnahmen durch Jäger ergriffen werden. Das bedeutet, dass in dem NSG keine Wildäsungsflächen angelegt werden dürfen. Außerdem darf dort keine Wildfütterung stattfinden. Das Aufstellen von Hochsitzen ist ebenfalls nicht gestattet, lediglich Ansitzleitern dürfen genutzt werden.

Doch wo es Verbote gibt, sind Gebote nicht weit: So soll das Grünland bei Bedarf geschnitten und das Mähgut entfernt werden. Eine Aufgabe, die von Landwirten, die als „Partner im Naturschutz“ tätig sind, erledigt wird. Nach Maßgabe durch den Märkischen Kreis ist auch eine naturnahe Pflege der Teichanlage gewünscht.

Naturschutzgebiet Wienhagen

Über den Wanderparkplatz Dürener Haus und die angrenzenden Wirtschaftswege geht es unterhalb des Wienhagener Turms in das Naturschutzgebiet Wienhagen. Mit 10,69 Hektar ist dieses zwar auch nicht riesig, aber als sogenanntes FFH-Gebiet ist es für die Naturschützer sehr wertvoll. Mitten in dem Gebiet liegt ein Teich, der offensichtlich keinen Zufluss hat. Das bräunliche Wasser deutet auf ein nahes Moor. Und tatsächlich ist ein Moor die Ursache für den kleinen Teich. Unterirdisch fließt das Wasser gen Tal und speist den Tümpel. Doch nicht nur dieser Teich soll geschützt werden, sondern vor allem wertvolle Nasswälder, die sich in dem Gebiet befinden.

Im Einzelnen handelt es sich dabei um Bach-Erlen-Eschenwald, einen Erlen-Sumpfwald (Moorwald) und einen Birken-Bruchwald. Auch in diesem NSG gibt es besondere Verbote: So ist außer der Entnahme der Fichten, die dort noch stehen, keine forstliche Nutzung erlaubt – und natürlich keine Wideraufforstung mit Nadelbäumen. Kahlhiebe mit einer Fläche von mehr als 0,3 Hektar sind ebenfalls verboten, genau wie Bodenkalkungen aufgrund des Moorgebietes. Das Besetzen des Teichs mit Fischen ist ebenfalls nicht gestattet. Verboten ist auch die Wildfütterung und die Nutzung von Hochsitzen. Auch dürfen in dem Gebiet keine Jagdhunde ausgebildet werden.

Und auch im NSG Wienhagen gibt es besondere Gebote: So soll eine „Umstockung“ stattfinden, damit anstelle der Fichten dort Laubhölzer wachsen. Das Totholz soll in den zum Teil 120 Jahre alten Laubholzbeständen belassen werden. Auf Veranlassung der Unteren Landschaftsbehörde ist ein Mähen der Adlerfarn-Flächen bei Bedarf gewünscht.

Naturschutzgebiet Fernhagener Bach und Jubachtal

Das größte Kiersper Naturschutzgebiet (56,88 Hektar) zieht sich von der Jubachtalsperre, die auf einer Höhe von 344 Metern liegt, bis zum Parkplatz oberhalb von Fernhagen an der A45, der auf einer Höhe von 506 Metern liegt. Mit dem Namen „Fernhagener Bach und Jubachtal“ ist auch schon beschrieben, wo sich das Gebiet genau befindet, denn letztlich zieht es sich an den beiden Bachläufen entlang.

Gleich unten, noch bevor das NSG betreten werden kann, befand sich früher einmal ein Rennofen, ein Paar Meter weiter und damit bereits im Schutzgebiet der Jubacher Hammer. Von beiden Stätten der Eisenverarbeitung und Gewinnung ist heute nichts mehr zu sehen. Unter dem besonderen Schutzzweck ist vermerkt, dass es um die Erhaltung und Entwicklung bewaldeter Quellbereiche und Bachtäler mit ihren Nasswäldern (Buchen, Erlen, Eschen und Moorbirken) geht. Denn diese sind Lebensraum gefährdeter Pflanzen- und Tiergemeinschaften.

Auf Naturverjüngung setzen die Naturschützer im Naturschutzgebiet Wienhagen.


In dem gesamten Gebiet gilt eine restriktive forstliche Nutzung, die keine Kahlschläge erlaubt. Auch ist das Anpflanzen von Nadelhölzern verboten. Darüber hinaus ist das Holzrücken mit Fahrzeugen nicht gestattet, genauso wie die Kalkung des Bodens. Doch auch die Jagd erfährt ziemliche Beschränkungen: So sind in dem Naturschutzgebiet keine Such-, Drück- und Treibjagden erlaubt, das Jagen mit Fallen und in Tierbauten ist ebenfalls unzulässig, genau wie die Wildfütterung. Lediglich in absoluten Notzeiten ist eine Fütterung erlaubt. Letztlich soll damit eine unnatürliche hohe Wildpopulation verhindert werden, die zu Baumverbissen, Trittschäden und dem Eintrag von Exkrementen in den Bachläufen führen würde.

In waldbaulicher Hinsicht sollen auch in diesem NSG die Nadelgehölze „umgestockt“ werden, sodass nur noch heimische Laubbäume zu finden sind. Allerdings möchte man die Laubbäume auch nicht überall haben, so müssen alle aufkommenden Gehölze im Bereich der Moorhänge entfernt werden. Der Wildacker am Lünscheider Quellsiepen ist der pflanzlichen Naturverjüngung zu überlassen.

In Naturschutzgebieten gibt es viele Verbote

In einem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung oder zu einer erheblichen oder nachhaltigen Störung führen können. Insbesondere ist es verboten: - Pflanzen und Pilze oder einzelne Teile von ihnen abzuschneiden, abzupflücken, aus- oder abzureißen, auszugraben, zu entfernen oder sonst zu beschädigen; - wild lebenden Tieren nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder sie durch sonstige Handlungen zu stören oder ihre Eier, Larven, Puppen oder sonstige Entwicklungsformen oder Nester wegzunehmen, zu zerstören oder zu beschädigen; - Pflanzen oder Tiere anzusiedeln oder auszusetzen; - das Gebiet außerhalb dafür bestimmter Wege zu betreten; - das Gebiet außerhalb dafür bestimmter Wege mit Fahrzeugen aller Art zu befahren sowie diese oder Anhänger dort abzustellen; - außerhalb dafür bestimmter Wege zu reiten oder Pferde mitzuführen; - Hunde oder Katzen auf andere Weise als an einer kurzen Leine mitzuführen - die Gewässer mit Fahrzeugen aller Art zu befahren; - in den Gewässern zu baden oder zu tauchen; - Drachen, Ballone, Raketen jeglicher Art, Modellflugkörper mit Eigenantrieb oder Flugmodelle im Gebiet steigen zu lassen; - brennende oder glimmende Gegenstände oder Glas wegzuwerfen oder zurückzulassen oder Feuer zu machen; - zu zelten oder zu lagern; - die Ruhe der Natur durch Lärmen oder auf andere Weise zu stören; - das Gelände durch Abfälle, Abwässer oder auf sonstige Weise zu verunreinigen; - bauliche Anlagen, auch wenn sie keiner Genehmigung nach der Landesbauordnung bedürfen, zu errichten oder wesentlich zu verändern. - Auf Hinweise zu gesonderten Verboten in den einzelnen Gebieten (zum Beispiel Verbot des Fahrradfahrens oder Verbot des Mitführens von Hunden) ist zu achten.

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