Feuerwehren gehen gemeinsam durch die Tür

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Mit dem Hooligan-Tool versucht diese Feuerwehrleute die massive Stahltür zu öffnen.

Kierspe - Mit der richtigen Technik und Spezialwerkzeug widersteht auch eine hochgesicherte Tür nur Minuten. Das richtige Werkzeug haben die Wehrleute schon seit Jahren, nun verfügen sie auch über die Technik, um dieses mit maximaler Wirkung einzusetzen.

Die zunehmende Zahl der Wohnungseinbrüche sorgt dafür, dass immer stabilere Türen, möglichst mit Sperrriegeln, eingebaut werden. Auf der anderen Seite leben immer mehr – gerade ältere –Menschen allein. Bekommen diese gesundheitliche Probleme, stehen die Helfer vor der gesicherten Tür und der Patient in der Wohnung kann sie nicht mehr öffnen. Bereits vor Jahren hat sich die Feuerwehr Kierspe auf diese Situation eingestellt und eigene Spezialisten für die Türöffnung ausbilden lassen. „Bei einem innen angebrachten Querriegel, modernen Haustüren oder Mehrfachverriegelungen funktioniert aber weder das Eintreten der Tür noch das Ziehen des Zylinders“, erklärt Wehrleiter Georg Würth.

Außergewöhnlicher Name, große Wirkung

Sehen sich die Wehrleute in Zukunft einer solchen Situation gegenüber, werden sie wohl zu dem sogenannten Hooligan-Tool greifen. Dieses hat nicht nur einen außergewöhnlichen Namen, sondern auch eine große Wirkung. Vorne Brecheisen und hinten eine Kombination aus Klinke und Dorn – so lässt sich das aus einem Stück geschmiedete Multifunktionswerkzeug noch am besten beschreiben. Erfunden hat es der amerikanische Feuerwehrmann Hugh Halligan vor rund 80 Jahren. Firmen, die das Werkzeug nachbauten, aber Streit um Namensrechte vermeiden wollten, verkauften es schließlich unter dem Begriff Hooligan-Tool.

50 Ehrenamtliche geschult

Die richtige Handhabung des Multifunktionswerkezeuges wurde von Rösler immer wieder während der Schulung gezeigt.

Bereits seit Jahren verfügt die Kiersper Wehr über diese Geräte. Eingesetzt wurden sie bislang vor allem, um verklemmte Fahrzeugtüren aufzustemmen. Dass sie in Zukunft auch bei Wohnungstüren zum Einsatz kommen, liegt daran, dass es dem Kiersper Wehrleiter gelungen ist, die einzige massive Übungstür, die es in Deutschland gibt, für wenige Tage nach Kierspe zu holen. Insgesamt 50 Ehrenamtliche der Feuerwehren aus Kierspe, Meinerzhagen, Marienheide und Wipperfürth wurden in den vergangenen drei Tagen an dem Werkzeug geschult – unter anderem von Frank Rösler, der Ausbilder im Bereich Technische Hilfe bei der Feuerwehr Wipperfürth ist.

Bis zu 600 Kilogramm Kraft wirken auf die Tür

Auf dem Vorplatz stand dann die massive Stahltür, die mit ihrem nicht minder massiven Rahmen 400 Kilogramm wiegt – auf der Rückseite mit massiven Brettern gesichert, die die Riegel simulieren. Rösler bringt den Wehrleuten, die sich in einige übersichtlich große Gruppen über die verschiedenen Tage aufteilten, innerhalb von drei Stunden bei, dass beim korrekten Einsatz des Multifuktionswerkzeuges auch die stabilste Tür nur Minuten widerstehen kann. Bis zu 600 Kilogramm Kraft wirken auf diese – nahezu unabhängig von der Kraft des Wehrmannes beziehungsweise der Wehrfrau.

Selbst gestandene Wehrleute über Wirkung erstaunt

Die Arbeiten mit dem Tool wurden zum Teil mit einem zweiten Helfer, der mit einer speziellen Axt ausgerüstet war, unterstützt. Damit ließen sich die Angriffe auf die Tür noch wirkungsvoller ausführen. Zum Schluss der jeweiligen Übungseinheit waren auch gestandene Wehrleute erstaunt, wie effektiv sich das Multifuktionswerkzeug einsetzen lässt.

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