Ohne Übung keine Sicherheit bei Zugunfällen im Volmetal

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Im Oktober des vergangenen Jahres übte die Kiersper Wehr gemeinsam mit dem DRK einen Bahnunfall – nicht zu früh, denn nicht einmal drei Monate später ereignete sich tatsächlich ein Unfall auf der Strecke.

Kierspe - Die Wahrscheinlichkeit eines schweren Unfalls mit der Bahn auf Kiersper Stadtgebiet ist derzeit gering – auch aufgrund der minimalen Geschwindigkeit.

Trotzdem hat es Anfang Januar einen Zusammenstoß zwischen dem Zug und einem Auto gegeben. Die Kiersper Feuerwehr will sich aber nicht von einem – wenn auch noch so unwahrscheinlichen – Notfall in Zusammenhang mit der Bahn überraschen lassen. Das macht Wehrleiter Georg Würth im Gespräch mit der MZ klar. 

„Als wir uns auf einen Notfall im Zusammenhang mit der Bahn mit einer Übung vorbereitet haben, wurde viel gelacht. Nach dem Unfall im Januar tat das aber keiner mehr“, erzählt Georg Würth, Leiter der Kiersper Feuerwehr. Der Leiter der Löschgruppe Volme Karsten Gembruch hatte im vergangenen Jahr angeregt, sich mit der Bahn, die nach Jahrzehnten den regelmäßigen Verkehr im oberen Volmetal wieder aufgenommen hat, auseinanderzusetzen. „80 Prozent der Wehrleute, vor allem die jungen und mittelalten, wissen gar nicht, was es für die Wehr bedeutet, wenn wieder eine Bahn fährt“, sagt Georg Würth. Er stimmte damals zu und organisierte gemeinsam mit seiner Wehrleitung und der Deutschen Bahn eine Übung im Volmetal. 

Nicht ein Massenunfall mit zahlreichen Verletzten wurden als Szenario zugrunde gelegt, sondern der Zusammenstoß des Zuges mit einem umgestürzten Baum bei Dunkelheit. Angenommen wurde damals, dass der Zug mit 25 Menschen besetzt ist, von denen einer bei dem Unfall schwer und einige andere leicht verletzt wurde. 

Bahnunfall in Kierspe an unbeschranktem Bahnübergang

Die Jugendfeuerwehr stellte damals die Zuginsassen dar – und neben der Kiersper Wehr beteiligten sich das Kiersper DRK und Teile des Roten Kreuzes aus Meinerzhagen an der Übung. Unterstützung bekamen die Helfer durch Notfallmanager der Bahn. Würth: „Wir wollten vor allem wissen, ob unser Alarmierungskonzept funktioniert. Wir haben aber auch erfahren, wie schwierig das Arbeiten bei einem Unfall auf freier Strecke ist. Der Weg durchs Schotterbett ist ermüdend – selbst, wenn nicht noch ein Verletzter getragen werden muss. Dann müssen die Wehrleute nicht nur in den Zug gelangen, sondern auch die Höhe zum Einstieg überwinden. Das gesamte Gerät muss unter Umständen zu Fuß über mehrere Hundert Meter getragen werden – und auf alles, was vergessen wurde, muss dann lange gewartet werden.“ So sei es entscheidend, genau zu wissen, mit welchem Feuerlöscher sich ein Antriebsmotor löschen lässt und das es eben sinnvoll ist, eine Leiter dabeizuhaben, um den Weg zwischen dem Boden und dem Einstieg zu überwinden – oder auch an die Fenster zu gelangen, wenn die Notentriegelung nicht funktioniert. 

Als sich 1998 das schwere Zugunglück in Eschede ereignete, kamen die Wehrleute kaum in die Waggons, weil das Material den Trennschneidern so viel Widerstand bot, dass den Helfern der Weg lange versperrt blieb. Diese Befürchtung hat Würth bei den eingesetzten Regionalzügen nicht. „Mit der neusten Generation Spreizer lassen sich die Türen öffnen. Allerdinge ist mit einem 15 Jahre alten Spreizer nicht mehr viel auszurichten“, erklärt der Wehrleiter. 

Und was wurde sonst noch aus der Übung gelernt? „Vor allem, wie ermüdend ein solcher Einsatz für die Helfer ist. So ist klar, dass für den Transport eines Verletzten acht Träger gebraucht werden. Klar ist auch, dass die Beleuchtung, über die wir verfügen, nicht ausreicht. Da kann aber die LED-Technik helfen, da wir dann mit Akkus auskommen und nicht noch Kabel verlegen müssen. Außerdem wurde klar, dass im Volmetal der Funk an seine Grenzen kommt, aber auch da kann zusätzliche Technik Abhilfe schaffen“, sagt Würth. Klar ist aber auch, dass die Kiersper Wehr einen solchen Einsatz nicht alleine bewältigen muss. 

Das wurde deutlich, als es Anfang Januar zu einem Zusammenstoß zwischen dem Zug und einem Auto am Bahnübergang Sankel kam. Damals wurde der „Massenanfall von Verletzten“ (MANV) ausgelöst – und damit eine große Menge an Helfern und Material in Bewegung gesetzt. Neben drei Kiersper Löschzügen eilten auch Teile der Lüdenscheider Wehr zur Unfallstelle. Diese führen einen speziellen Abrollcontainer mit Material für solche Einsätze mit sich, außerdem haben alle hauptamtlichen Wehrleute auch eine Ausbildung zum Rettungsassistenten. Die gleiche Abordnung machte sich dann auch noch einmal aus Iserlohn auf den Weg. Zusätzlich wurden zwei Sanitätseinheiten alarmiert – und der Rettungsbus des Märkischen Kreises fuhr in Richtung Kierspe. 

Würth: „Wichtig war, dass wir dann Bereitstellungsräume schaffen, um Fahrzeuge und Material zu parken, damit die B 54 für den Transport von Verletzten frei bleibt.“ Insgesamt waren an diesem Abend des 2. Januar, an dem es glücklicherweise nur einen Leichtverletzten gab, rund 200 Helfer im Volmetal im Einsatz.

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