Feuerwehr im Einsatz bei Bränden und Unfällen

Frauen sind in der Feuerwehr Kierspe auf dem Vormarsch. Ihr Anteil macht aktuell schon 14 Prozent aus – Tendenz steigend.

KIERSPE ▪ Auch in 2011 hatte die Feuerwehr wieder eine Menge Arbeit, wenn es, wie Stadtbrandmeister Georg Würth informiert, neben mehreren größeren Bränden und schweren Unfällen ansonsten auch nur „jede Menge Kleinkram“ wie brennende Mülltonnen und Autos sowie Kaminbrände gab. Der Wehrchef gibt im MZ-Gespräch einen Überblick über das, was sich in den vergangenen zwölf Monaten ereignet hat, zeigt zudem die aktuellen Arbeitsschwerpunkte auf und sagt auch etwas zu den Perspektiven für die Feuerwehr Kierspe.

Am 13. März kam es nach Einbruch und Brandstiftung bei der Firma Plastika Ort & Wächter an der Osemundstraße zu einem Großeinsatz für die Wehr: 100 Feuerwehrmänner und -frauen aus allen Löschzügen waren zehn Stunden im Einsatz. Die größten Herausforderungen für die Einsatzkräfte waren, wie Würth berichtet, einerseits, in dem Betrieb die Produktion und Lieferbereitschaft weitgehend aufrechtzuerhalten, und andererseits, in der Wasserschutzzone der Kerspetalsperre möglichst zu verhindern, dass kontaminiertes Löschwasser in die Kerspe gelangte. „Wir haben Kontakt mit den Wuppertaler Stadtwerken aufgenommen und gehört, dass es keine Probleme gegeben hat“, so Würth.

Zu einem weiteren Großereignis kam es am 21. April nach Dachdeckerarbeiten an der Scheune eines Bauernhofs in Mittelheukelbach: Auch hier waren alle Einheiten der Feuerwehr elf Stunden lang gefordert, konnten aber den Fasttotalschaden an dem Objekt nicht verhindern. Der Dachstuhl brannte vollständig ab, lediglich die Grundmauern und der Stall konnten erhalten werden.

Außerdem hielt eine Brandserie im Bereich Büscherberg im Juni die Feuerwehr in Atem, es brannte mehrmals im Kirchenwäldchen, auf dem Friedhof und auch am Rand des Wohngebietes auf dem Feld. Insgesamt wurde die Wehr innerhalb von drei Wochen achtmal alarmiert. Auch hier war Brandstiftung eindeutig die Ursache.

Im Bereich der technischen Hilfeleistung musste im April ausgerückt werden, als in Ohl ein Auto gegen mehrere Bäume krachte. Die Löschzüge 3 und 1 waren vor Ort, um eine eingeklemmte Person aus dem Wrack herauszuschneiden. Darum ging es ebenfalls bei einem Unfall auf der B 54 in Bollwerk am 13. Mai: Der Wagen war vor dem Bahnübergang von der Fahrbahn abgekommen, eine Böschung herunter gerast und im Graben liegengeblieben. Hier wurden die Löschzüge 1 und 4 zum Einsatz gerufen. Im September kam es zudem an der Waldheimstraße zu einem schweren Unfall, als ein Paketdienst ein Auto rammte, das aus der Waldheimstraße auf die B 237 eingebogen war. Der Löschzug 1 war gefordert.

Auch am 27. Dezember war die Einheit von der Wehestraße nochmals vor Ort, als auf der B 54 bei In den Erlen ein Auto mit fünf Insassen möglicherweise aufgrund einer Ölspur aus einer Rechtskurve getragen wurde und auf der anderen Fahrbahnseite frontal mit dem Gegenverkehr kollidierte. An beiden Fahrzeugen entstand Totalschaden. Alle Insassen wurden verletzt, zwei sehr schwer. Die Feuerwehr musste den 20-jährigen Fahrer aus dem Wrack herausschneiden, er wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik transportiert.

Beschäftigt hat auch die Feuerwehr im zu Ende gehenden Jahr der demografische Wandel, das sogar in zweifacher Hinsicht: „So hatten wir 500 Prozent mehr Einsätze aufgrund hilfloser Personen. Das reichte von Türöffnungen bei pflegebedürftigen Menschen für den Rettungsdienst oder auch den Pflegedienst sowie ebenfalls nach Hilferufen. Diese Einsätze haben stark zugenommen, weil es heute viele ältere und alleinlebende Menschen, oft auch noch mit Demenz, gibt. Außerdem mussten wir den Rettungsdienst unterstützen, um schwergewichtige Personen aus der Wohnung zu bringen oder auch, weil Wohnungen und Treppenhäuser so eng konzipiert sind, dass zwei Sanitäter eine Trage mit einem Menschen nicht allein hinaus bekommen“, berichtet Georg Würth. Teilweise kam die Drehleiter aus Meinerzhagen zum Einsatz, teilweise aber auch eine Schleifkorbtrage mit acht Handgriffen, so dass das Tragen von mehr Helfern übernommen werden kann. Allein im November waren die Feuerwehrkräfte fünfmal wegen solcher Fälle unterwegs.

Der demografische Wandel schlägt aber auch in der Feuerwehr selbst zu: So konnte die Zahl der Aktiven zwar von Anfang 2011 142 auf aktuell 153 gesteigert werden, doch hatte die Feuerwehr vor zehn Jahren noch mehr als 170 Mitglieder. Außerdem kam es zu der Erhöhung in diesem Jahr vor allem in zwei Einheiten. „Wir haben leider keinen gleichmäßigen Zuwachs, sondern dieser konzentriert sich auf die Löschgruppe Neuenhaus, die sich stark verjüngt hat, und auf den Löschzug Stadtmitte, in den mehrere Angehörige der Jugendfeuerwehr übergewechselt sind und der sich zudem noch durch dazugestoßene Seiteneinsteiger vergrößert hat“, macht der Stadtbrandmeister aufmerksam. Er glaubt, dass gerade Stadtmitte auch davon profitiert, dass die Einheit im Mittelpunkt der Wohnbebauung liegt.

Die Jugendfeuerwehr ist mittlerweile eine Selbstläufer und erfreut sich regen Zulaufs mit aktuell um die 40 Mitgliedern. „Wir sind beinahe am Limit der Aufnahmekapazität“, sagt Würth, ist aber froh, dass es heute diese gute Möglichkeit der Nachwuchsförderung gibt. Positiv findet er weiterhin, dass es immer mehr Frauen in der Kiersper Wehr gibt. „Wir liegen derzeit bei 14 Prozent, während der Landesdurchschnitt nur 2 Prozent beträgt. Mein Ziel wären 50 Prozent, so dass sich in der Feuerwehr ungefähr das Verhältnis in der Bevölkerung widerspiegelt.“ Frauen könnten die gleiche Arbeit leisten wie ihre männlichen Kollegen. Am stärksten vertreten sei das weibliche Geschlecht im Löschzug Stadtmitte mit 11 Frauen, gefolgt vom Löschzug Vollme-Neuenhaus mit 7 Frauen und dem Löschzug 1 von der Wehestraße mit 3 Frauen. In Rönsahl gebe es derzeit leider keine Frau, bedauert der Wehrchef.

In der Feuerwehr wird derzeit intensiv darüber nachgedacht, wie sich die Kiersper Feuerwehr der Zukunft aufstellen muss: Da spielen auch die Planungen für den Bau eines großen, modernen Gerätehauses für die geplante Fusion der Löschzüge 1 und 2, die den neuen „Innenstadt-Löschzug“ oder „Löschzug Zentrum“, so schon erste Wortspiele, bilden sollen, eine zentrale Rolle. Dadurch wird die zahlenmäßig mit 80 Einsatzkräften mit Abstand stärkste Einheit in der Feuerwehr Kierspe entstehen.

Georg Würth schwebt derzeit eine Unterteilung dieser neuen Einheit in zwei Aufgabenbereiche vor, wie dies auch derzeit bei den Einzellöschzügen schon der Fall ist. „Eine Gruppe wird für den Brandschutz zuständig sein und die andere für die technische Hilfeleistungen bei Unfällen oder auch Gefahrenguteinsätzen“, skizziert er seine Überlegungen. Jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau könne sich dann entsprechend der individuellen Interessen seinen Schwerpunkt aussuchen. Der Stadtbrandmeister denkt an einen Löschzugführer mit überwiegend verwaltenden Aufgaben und zwei Stellvertreter, die an der Spitze der beiden Gruppen stehen.

Für das neue Feuerwehrgerätehaus verhandelt die Stadt, wie Bürgermeister Frank Emde jetzt informierte über zwei Standorte. Und auch die Bremicker-Wiese als 1a-Standort ist da noch nicht außen vor. Laut Brandschutzbedarfsplan soll das Projekt 2014 oder 2015 umgesetzt werden.

Außerdem beschäftigt die Wehrführung seit diesem Jahr intensiv die Standortsicherung für den Löschzug 4. So gibt es im Gerätehaus in Neuenhaus keinen Platz für die neue Fahrzeuggeneration und auch nicht für die Einsatzkleidung. „Hier muss dringend für Abhilfe gesorgt werden“, so Würth. Zudem arbeiteten die wenigsten Löschzugmitglieder noch im Brandschutzgebiet, was riesige Probleme bei den Ausrückzeiten bedinge. Und auch die Organisationsstruktur der Einheit steht auf dem Prüfstand. Es gibt Überlegungen in verschiedene Richtungen, weitere Gespräche sollen demnächst mit dem Kommando geführt werden.

Rolf Haase

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