In Geborgenheit und Würde älter werden

Auch der Heimbeirat des Seniorenzentrums, hier mit Einrichtungsleitung Kristin Aubert (links hinten), war vertreten.

KIERSPE ▪ Zu einer Feierstunde anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Awo-Seniorenzentrums begrüßte der Vorsitzende des Awo-Bezirks Westliches Westfalen, Michael Scheffler, am Sonntagmorgen viele geladene Gäste am Haunerbusch.

In seinem kurzen Rückblick auf langwierige Verhandlungen, die dem Bau der stationären Altenhilfeeinrichtung vor Ort vorausgegangen waren, hob Scheffler besonders hervor, dass sich die Stadt, neben der Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück, auch mit einem Betrag von 1,2 Millionen Mark am Projekt beteiligt habe.

„1982 besaß das Awo-Seniorenzentrum mit seiner Unterteilung in Appartements und Pflegewohnbereiche ein optimales Raumprogramm. Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen aber rapide verändert“, erklärte der Bezirksvorsitzende.

Nach der Devise ambulant vor stationär zögen die Menschen immer später in ein Pflegeheim, seien multimorbide und zunehmend auch demenziell verändert. Diesen Herausforderungen müsse sich die stationäre Pflege heute stellen, in dem sie eine beschützende Umgebung mit Wohlfühlcharakter schaffe, die demenziell veränderten Menschen ein Leben in Geborgenheit und Würde ermögliche. „Mit Tagesstrukturierung nach einem teilsegregativen Betreuungskonzept werden im Awo-Seniorenzentrum Menschen mit Demenz von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen begleitet, um ihnen mehr Lebensfreude und Lebensqualität zu ermöglichen“, berichtete Scheffler.

Um stationäre Pflegeleistungen auch weiterhin finanzierbar zu halten, plädiere die Arbeiterwohlfahrt für eine Bürgerversicherung und einen Mindestlohn, der Altersarmut reduziere, so der Bezirksvorsitzende.

An einem Zitat von Papst Johannes Paul II orientierte Bürgermeister Frank Emde sein Grußwort: „Senioren sind eine notwendige Ergänzung in einer Welt, die sich für Jugendliche und die Kraft der so genannten besten Jahre begeistert. Ihr erinnert die Welt daran, dass sie auf dem Fleiß derer aufbaut, die früher jung und kraftvoll waren und dass auch sie eines Tages ihr Werk in jüngere Hände legen werden.“ Daraus leitete der Bürgermeister den Anspruch ab, dass Senioren das Recht haben, weiter im Mittelpunkt stehen und in Würde alt werden zu dürfen. „Auch wenn die meisten Menschen das zuhause tun möchten, ist es nicht immer möglich, und stationäre Pflegeinrichtungen sind in unserer Gesellschaft eine notwendige Ergänzung. Mit ihrer Arbeit verwirklicht die komplette Mitarbeiterschaft des Awo-Seniorenzentrums gelebte Solidarität mit älteren Menschen“, so Frank Emde.

Als Mann der ersten Stunde, der die Planungen vor Ort mit begleitete, erinnerte der Ortsvereinsvorsitzende Erich Mürmann daran, dass vor 30 Jahren das Awo-Seniorenzentrum als „Attraktion im Herzen der Stadt“ und „städtebauliches Glanzlicht“ gefeiert wurde. „Dieses Haus ist viel mehr als eine Wohnstätte, es ist ein Ort der Begegnung“, hob er hervor. Wie sehr sich die Kiersper Bevölkerung mit ihrem Seniorenzentrum identifiziere, zeige die große Zahl der Ehrenamtlichen und die gute Unterstützung seitens der heimischen Vereine beim jährlichen Hühnerfest.

„Ideen wie die Gründung eines Bürgerbusvereins oder der Service von Essen auf Rädern sind mit in diesem Haus geschmiedet worden“, erklärte der Ortsvereinsvorsitzende nicht ohne Stolz. Des Weiteren mahnte er die Politik zu sozialpolitischer und gesellschaftlicher Verantwortung im Hinblick auf die Schaffung weiterer stationärer Pflegeplätze an, um einen Überhang zu vermeiden. Denn schließlich habe jeder alte Mensch das Recht, bis zu seinem Lebensende in seinen eigenen vier Wänden zu bleiben, so Mürmann.

Ein großes Dankeschön ging von Einrichtungsleiterin Kristin Aubert an alle Mitarbeiter und Ehrenamtlichen des Hauses. „Auch wenn die Arbeit meist hart ist, so gibt es doch viele beglückende Momente“, sagte sie.Um die Qualität der geleisteten Aufgaben zu bewerten, seien die Prüfnoten des Medizinischen Dienstes der Pflegekassen zwar nicht das geeignete Instrument aber dennoch unabdingbar.

„Wir werden daran arbeiten, Pflege mit Herz und Sachverstand in die Waage zu bringen mit unseren Dokumentationsaufgaben“, hob Aubert hervor. An die Politik gewandt lautete ihre deutliche Forderung: „Nicht jeder Mensch kann pflegen und ist in diesem Arbeitsfeld richtig. Dazu gehören gute Sprachkenntnisse, Ideen, Enthusiasmus und vor allem Liebe zum alten Menschen.“

Im Anschluss an ihre Rede eröffnete die Einrichtungsleiterin das reichhaltige Buffet. Musikalisch untermalt von Cora Büschs melodiösen Harfenklängen unterhielten sich die Gäste angeregt. ▪ msh

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