Ferienspielkinder leisten Schwerstarbeit im Hammer

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Die Ferienspielkinder konnten im Schleiper Hammer arbeiten wie ihre Urgroßeltern und Großeltern. ▪

KIERSPE ▪ Rauch durchzog die Arbeitshalle, das Schmiedefeuer prasselte, Transmissionsriemen surrten, die Hämmer dröhnten, dazwischen aufgeregte Kinderstimmen. Der Schleiper Hammer war früher eine kleine Fabrik zur Produktion sogenannter Breitewaren, also Metallwerkzeugen, die vor allem in der Landwirtschaft Verwendung fanden. Die Arbeit dort war anstrengend, das erlebten elf Kinder im Rahmen der Ferienspiele.

Zwischen sieben und zwölf Jahre alt waren die Jungen und Mädchen, die sich zu der Aktion des Heimatvereins angemeldet hatten. Manche waren auch schon bei anderen Veranstaltungen dabei gewesen, so hatten zwei Kinder am Fahrradturnier des MBC teilgenommen.

Treffpunkt war am Rathaus. Von dort startete die Gruppe unter Leitung von Silvia Baukloh und Christel Hansen zu einer kleinen Wanderung. Über den Börlinghauser Weg, Hammerkamp und am Klärwerk vorbei führte der Weg zum Schleiper Hammer, wo die Kinder schon von weiteren Ehrenamtlichen des Heimatvereins erwartet wurden. Berge von frisch gebackenen Waffeln und kühle Getränke standen für die Kinder bereit, die – ungewöhnlich genug in diesem Sommer – tatsächlich ins Schwitzen gekommen waren.

Nach einer kurzen Pause erläuterte Karl-Heinz Kraus den Kindern die Maschinen: Stanzen, Fall- und Federhämmer, Fräsen und Schraubstock – manche mechanisch, andere elektrisch. Der Strom wird zu einem kleinen Teil mit Hilfe einer Turbine beim nahegelegenen Teich erzeugt. „Ohne Wasser kein Strom“, fasste Kraus die begrenzten Möglichkeiten der Arbeiter vor 100 Jahren zusammen. Und weil es auch keine Autos oder Busse gab, mussten die Schmiede im Schleiper Hammer an ihrem Arbeitsplatz übernachten. Die Kinder reagierten erstaunt, als Kraus auf die Schlafkammern der Arbeiter im Obergeschoss verwies.

Danach teilten sich die Kinder in zwei Gruppen auf, denn jetzt begann die Arbeit: Eine Hälfte folgte Walter Probst die Treppe nach oben, um aus Bakelitgranulat Eierbecher zu pressen. Die anderen versammelten sich um Karl-Heinz Kraus und Manfred Völker. Die beiden Männer hatten eine Aktion vorbereitet, bei der jedes Kind selbst ein kleines Werkzeug schmieden konnte.

Mit einer Eisensäge schnitt jeder ein Stück von einem Vierkanteisen ab, das anschließend im Feuer erhitzt wurde. Mit Hilfe von Maschinen, aber auch manuell mit Hammer und Amboss brachten die Kinder ihr Werkstück in Form. Die meisten wollten ein Messer schmieden, ein Junge plante einen Eisenhelm. Das Ergebnis waren dann eher Nägel oder auch ein Spatel. Viele Kinder waren auch früher schon mal im Schleiper Hammer gewesen, aber selber zu schmieden war auch für sie etwas Besonderes.

Die beiden erwachsenen Helfer hatten alle Hände voll zu tun, denn natürlich brauchten vor allem die jüngeren Kinder Hilfe beim Sägen und Hämmern. Nachdem das fertig geschmiedete Werkstück mit Wasser abgekühlt worden war, kam der letzte Akt. Jetzt wurde es noch einmal in den Schraubstock gespannt und gedreht. Viel Muskelkraft war dazu nötig, aber am Ende konnte jeder stolz ein selbstgefertigtes Werkzeug vorweisen. ▪ bnt

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