Fast vergessene Quelle mit Heilkraft

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Etwa an dieser Stelle könnte auf der Nott eine Kapelle gestanden haben. In unmittelbarer Nachbarschaft nämlich sind noch heute die Spuren der uralten Heerstraße deutlich nachzuweisen. ▪

RÖNSAHL ▪ Es gibt Dinge in der Orts- und Heimatkunde, die wohl nie ganz geklärt werden können – zum einen, weil sie ohnehin weitestgehend bereits in Vergessenheit geraten sind, und zum anderen, weil die Erinnerung daran nur noch in Fragmenten und vom Hörensagen vorhanden ist. Dazu gehört in gewissem Maße auch das, was der Volksmund über die eigentlich nur noch den älteren Mitbürgern vom Namen her bekannte Mehlbornquelle zu berichten weiß.

Die Mehlbornquelle liegt im stillen und vom vorbeiflutenden Verkehr auf der nahen Bundesstraße kaum berührten Wiesental zwischen Nott, Grünerweg und dem Gehöft Dörscheln und ist in unseren Tagen so gut wie in Vergessenheit geraten, weil sie für die Belange von Mensch und Tier nicht mehr von Bedeutung ist. Unscheinbar und nur noch den unmittelbaren Anliegern überhaupt bekannt, weist eine vor etlichen Jahren dort angebrachte feste Einfassung auf die ehedem für die Wasserversorgung der umliegenden Gehöfte und Bauernschaften wichtige Quelle auf deren Existenz hin. Spätestens jedoch, seitdem diese Quelle ihre diesbezügliche wirtschaftliche Bedeutung verloren hat, geriet der Mehlborn allmählich in Vergessenheit.

Dabei scheint es so zu sein, dass der Mehlborn und seine Quelle sowie das Areal auf der Nott zu den heimatgeschichtlich besonders interessanten Kleinodien gezählt werden können. Blättert man ein wenig in alten Aufzeichnungen, so ist dort nämlich verschiedentlich vom Mehlborn und wohl auch von einer Kapelle auf der Nott die Rede, die möglicherweise – wenn nicht in unmittelbarer, so doch in der Nähe zur Mehlbornquelle – gestanden haben soll.

So macht sich beispielsweise Wilhelm Lienenkämper, Naturschutzbeauftragter im Sauerländischen Gebirgs- Verein und als Heimatkenner mit profundem Wissen bekannt, in einem Artikel im „Sauerländischen Gebirgsboten“ aus Juli/August 1952 Gedanken zu eben dieser Mehlbornquelle. Dort heißt es auszugsweise: „Besuch an einsamer Quelle: Es hat nämlich seine Bewandtnis mit dieser Quelle. Im Winter friert sie niemals zu. Im Sommer labt sie die Menschen mit manchem kühlen Trunke. In Krankheitsfällen, besonders bei Beschwerden des Magens, versagt das Wasser nicht seine heilende Wirkung..“ Ergänzend zu diesen Ausführungen wusste auch Heimatfreund und Bauer Josef Moddemann einmal zu berichten: „Auch wir liefen früher von unserer Wiese zu dem etwa 50 Meter entfernten Mehlborn, um uns bei der Heuarbeit zu erfrischen. Eine Tasse zum Schöpfen des Wassers lag dort immer bereit. Anders als bei den von Lienenkämper beschriebenen Magenheilungen haben wir in erhitztem Zustand das eiskalte Wasser getrunken, wahrscheinlich auch zu schnell getrunken, und damit genau das Gegenteil erreicht, nämlich Magenverstimmungen.“

Zurück zu Lienenkämper: Der Heimatexperte fragt in seinem Artikel weiter: „Ob vor tausend Jahren Menschen am Mehlborn gewohnt haben. „Die Leute erzählen davon, aber niemand weiß es bestimmt. Vater Frettlöh von der Nott fand eines Tages unweit des Wassers eine altersgraue, halb verwitterte Feuerstätte.“

In einer späteren Verlautbarung wird festgestellt: „Wenn Lienenkämper fragt, ob dort schon in frühester Zeit Menschen gewohnt haben, so hat er mit seiner Vermutung recht. Denn in alten Hypothekenbüchern steht zum Beispiel unter dem Jahr 1753: „Johann Christian Helmich auf‘m Mehlborn verkauft sein Haus mit Land an Joh. W. Schultz für den Kaufpreis von 300 Reichsthalern.“

Ein weiterer Anhaltspunkt dafür, dass Quelle und Brunnen (Born) vor Zeiten durchaus ihre Bedeutung gehabt haben müssen, mag darin gesehen werden, dass auch die uralte Heerstraße als Vorläufer der nach 1815 durch das Bergische Land und unsere Gegend neu errichteten „Chaussee von Elberfeld nach Frankfurth“, der heutigen B 237, unmittelbar am Mehlborn vorbeiführte. Die Spuren der alten Straße sind dort heute noch deutlich nachweisbar, wie Anwohner zu berichten wissen.

Gedanken zum Thema Mehlborn machte sich seinerzeit auch Heimatforscher Fritz Gogarten, dem die Geschichte seines Heimatdorfes Rönsahl stets besonders am Herzen gelegen hatte. Gogarten bemerkt in seinen Studien, dass die Kirchen in alter Zeit vornehmlich an vorchristlichen Weihestätten und – vielleicht wie im Falle Mehlborn (friert im Winter nicht zu, Wasser soll heilende Wirkung haben, eine Stätte, die nicht „normal“ ist) –, dazu prädestiniert ist, eine Kapelle als Standort zu haben. Er stützt sich dabei auf Aussagen des westfälischen Heimatforschers vom Steinen, der in seiner „Westfälischen Geschichte“ bemerkt, dass „zur Nott eine Kapelle gestanden habe, was auch in Landkarten des Mittelalters vermerkt sei.“

Doch zurück zur Gegenwart: Fußend auf diesen alten Berichten und Mutmaßungen lassen Geschichte und Geschichten um den Mehlborn und sein Umfeld auch in unseren Tagen reichlich Spielraum für Spekulationen, bieten Gelegenheit zum Nachdenken und zum Forschen und lassen die Hoffnung keimen, dass irgendwer dann irgendwann etwas finden wird, was ein wenig Licht in das Geheimnis um den Mehlborn bringen kann. ▪ cr

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