Fahrradwerkstatt macht Fahrräder für Flüchtlinge wieder flott

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Die Vier von der Fahrradwerkstatt: Seit Monaten reparieren Henning Christmann, Siggi Phillip, Jörg Schorn und Paul Molter Fahrräder für Flüchtlinge.

Kierspe - Kein Wetter zum Fahrradfahren – und eigentlich auch keines, um mit klammen Fingern Räder zu reparieren. Doch Jörg Schorn, Henning Christmann, Siggi Philipp und Paul Molter von der Fahrradwerkstatt machen derzeit genau das. Damit die Räder im Frühjahr an Flüchtlinge gegeben werden können. 

Feuchte Kälte kriecht in das Kellergeschoss der alten Industrieanlage an der Straße Kamperbach. Die Männer nutzten die „Ferien“ der Fahrradwerkstatt, um die Fahrräder zu reparieren. Mehr als 100 gespendete Fahrräder haben die Freiwilligen der Fahrradwerkstatt in den vergangenen Monaten instand gesetzt und an Flüchtlinge ausgegeben.

„Wir haben aber jetzt schon 53 Leute auf einer Liste stehen, die auf ein Fahrrad warten – oft die einzige Möglichkeit, um Entfernungen zu überwinden, denn die Busfahrkarten sind oft zu teuer“, erklärt Christmann.

Der frühere Unternehmer hat in der Werkstatt eine Aufgabe gefunden, die ihn mehr fordert, als er anfangs gedacht hatte. Gleiches gilt auch für den früheren Arzt Jörg Schorn. Bis zu 25 Stunden in der Woche hat er in den vergangenen Wochen mit der Reparatur von Rädern verbracht – zum Teil in der Werkstatt, zum Teil aber auch im Keller des eigenen Hauses.

Die Fachmänner erkennen manchen Mangel auf den ersten Blick

Paul Molter hat sich eines Hinterrades angenommen. Bis zum März haben sich die ehrenamtlichen Helfer einiges vorgenommen, um möglichst viele Flüchtlinge mit Rädern versorgen zu können.

„Das muss jetzt aber langsam weniger werden“, so Schorn. Doch er weiß auch, wie wichtig die Räder für die Schutzsuchenden sind. Darüber hinaus hat er sich Fachwissen angeeignet, auf dass das Werkstattteam nicht mehr verzichten kann. 60 Reifentypen kennt er mittlerweile, kann 15 Schaltungssysteme unterscheiden und reparieren und sieht manchem Rad schon seinen Mangel an, bevor er in Händen hält. „Die Zeiten, in denen wir in erster Linie Räder gespendet bekamen, die mit ganz geringem Aufwand wieder auf die Straße gebracht werden konnten, scheinen vorbei. Jetzt müssen wir schon deutlich länger an jedem Rad schrauben“, erzählt Philipp. Doch auch er hofft, dass die Kiersper auch weiterhin Räder zur Verfügung stellen, damit die Geflüchteten weiterhin Räder bekommen können.

Werkzeugkiste vor der Tür soll zu selbstständiger Reparatur einladen

Doch das Werkstattteam hofft nicht nur auf Radspenden, sondern auch auf Werkzeug. Schorn: „Wir würden gerne während der Öffnungszeiten eine Kiste mit Werkzeug vor die Tür stellen, damit die Flüchtlinge kleine Einstellarbeiten und Reparaturen selbst erledigen können. Denn wenn wir hier öffnen, dann kommen nicht nur Besucher, um sich ein Rad abzuholen, viele, die bereits eines haben, hoffen auf kleinere Reparaturen. Das ist dann oft kaum zu leisten. Viele ,Kunden’ sind aber handwerklich begabt und könnten das selbst erledigen.“

Jetzt, wo die Werkstatt bis Ende Februar geschlossen bleibt, können sich die „Mechaniker“ erst mal den „Härtefällen“ in der Werkstatt widmen – Räder, die nicht in den üblichen zwei bis zehn Stunden wieder hergerichtet werden könnten.

Die Helfer hoffen, im März zumindest all jenen, die auf der Warteliste stehen, ein Rad geben zu können. Wohl wissend, dass dann auch neue „Anwärter“ kommen, die jetzt erst in Kierspe ankommen oder in den nächsten Monaten noch ankommen werden. Wer die Arbeit des Werkstattteams mit Fahrrad- oder Werkzeugspenden unterstützen möchte, kann sich an Jörg Schorn, 0 23 59/77 20 oder 01 75/5 41 49 07, und an henning Christmann, 0 23 59/2 99 28 11, wenden. Die Räder können abgeholt werden.

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