Fahrradtraining für Flüchtlinge

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Klare Ansagen von Polizeihauptkommissar Thomas Große für die jungen Fahrschüler. So wird auch das Abbiegen nach links geübt

Kierspe - Es ist der lange Arm des Gesetzes, der verhindert, dass der junge Mann aus Eritrea hart auf den Lehrerparkplatz der Gesamtschule aufschlägt.

Der Arm gehört Polizeihauptkommissar Thomas Große, der sich an dem Ferientag Zeit genommen hat, um mit den Flüchtlingen das richtige Fahrverhalten im fließenden Verkehr zu üben.

Verkehrsregelung zählt nicht viel

„Die jungen Männer kommen zum großen Teil aus Ländern, in denen auf die Verkehrsregelung nicht allzu viel Wert gelegt wurde“, erklärt Jörg Schorn, der den Flüchtlingen nicht nur Deutschunterricht erteilt, sondern auch gemeinsam mit Henning Christmann und Siegmund Philipp jeden Donnerstag von 17 bis 19 Uhr in dem Lager des Arbeitskreises Flüchtlinge die Fahrradwerkstatt betreibt. Dort werden gespendete Räder angenommen, repariert und an die Menschen ausgegeben, die sonst kaum mobil wären.

Defizite im fahrerischen Geschick

Der Erfolg dieser Aktion lässt sich nahezu täglich im Stadtbild von Kierspe verfolgen. Allerdings ist den Betreuern des Arbeitskreises auch aufgefallen, dass es beim fahrerischen Geschick noch einige Defizite gibt.

Premiere für Polizist Große

Was lag näher, als einen Profi zu engagieren, sich der Flüchtlinge anzunehmen, um ihnen die Verkehrsregeln näher zu bringen. Dieser wurde in Person von Thomas Große auch schnell gefunden. Der Polizist gehört der Verkehrssicherheitsberatung und Unfallprävention der Kreispolizeibehörde an. Normalerweise unterrichtet er Kindergartenkinder und Grundschüler – doch weil jetzt Ferien sind, war es ihm auch möglich, diese Ausbildung in Kierspe zu übernehmen. Eine Premiere, wie er gegenüber der Meinerzhagener Zeitung berichtete. „Das ist das erste Mal, dass ich Erwachsene unterrichte.“

Flüchtlinge im Deutschunterricht vorbereitet

Mit seinem entschiedenen Eingreifen verhindert Große den Sturz eines jungen Mannes.

Doch die Bedenken auf Seiten der Flüchtlinge dürften ungleich höher gewesen sein, kommen sie doch zum überwiegenden Teil aus Ländern, in den Polizisten Teil des diktatorischen Systems sind. Den Begriff des Freundes und Helfers haben sie in diesem Zusammenhang nie kennengelernt. „Wir haben die jungen Männer im Deutschunterricht auf dieses Training und auf das Zusammentreffen vorbereitet“, erzählt Schorn.

Klare Ansagen beim Training

Diese Vorbereitung muss effektiv gewesen sein, es gab an dem Morgen auf dem Schulgelände keine Vorbehalte auf beiden Seiten. Wobei Große mit seiner freundlichen aber auch bestimmenden Art viel zum Gelingen des ersten Fahrradtrainings beitrug. Klare Ansagen gab es dann aber nicht nur für die Fahrschüler, sondern auch für die Betreuer. Der Beamte stellte klar, in welchen Bereichen weiteres Üben notwendig ist.

Zweites Training in einigen Wochen

Kontrolliert wird das in einem zweiten Fahrradtraining in wenigen Wochen. Bis dahin, so hofft Große, ist dann auch ein tätliches Eingreifen, um einen Sturz zu verhindern, nicht mehr nötig.

Weitere Fahrradspenden erwünscht

Um die erfolgreiche Arbeit der Fahrradwerkstatt fortsetzen zu können, hoffen die Mitarbeiter auf weitere Spenden. Philipp: „Vielen Spendern ist es wichtig zu wissen, ob die Flüchtlinge sorgsam mit den Rädern umgehen. Das kann ich nur bejahen. Natürlich kommt es schon mal bei ungeübten Fahrern zu leichten Unfällen. Dann sind die jungen Männer immer ganz betrübt aber auch glücklich, wenn wir ihnen helfen, ihr geliebtes Rad wieder fit zu machen.“

Kiersper, die ein Rad abgeben möchten, können dieses unter 0 23 59 / 2 99 28 11 oder 0 23 59 / 77 20 anmelden.

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