Enorme Nachfrage

Corona-Krise bleibt für Fahrradgeschäft X-Bike bislang ohne negative Folgen

Fahrradhändler Ulrich Berg, hier auf dem Hof seines Geschäftes X-Bike, bietet auch einen Reparatur- und Inspektions-Service an.
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Fahrradhändler Ulrich Berg, hier auf dem Hof seines Geschäftes X-Bike, bietet auch einen Reparatur- und Inspektions-Service an.

In zahlreichen Branchen sorgte und sorgt die nunmehr bereits seit einem Jahr andauernde Corona-Krise für ein gravierendes Umsatz-Minus. Dass es jedoch einige erfreuliche Ausnahmen gibt, zeigt beispielsweise der Fahrradhandel – auch im oberen Volmetal.

Kierspe – So kam Ulrich Berg, der in Kierspe das Geschäft X-Bike an der Friedrich-Ebert-Straße betreibt, ohne Einbußen durch das vergangene Jahr – im Gegenteil sogar.

Lieferprobleme

Der Drolshagener konnte 2020 den doppelten Umsatz im Vergleich zu anderen Jahren verzeichnen. Ob es 2021 ähnlich gut laufen kann, ist allerdings noch völlig unklar. Denn Ulrich Berg hat Corona-bedingt mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen: Lieferprobleme und entsprechend lange Wartezeiten.

Aber der Reihe nach: Vom ersten Lockdown, der vor ziemlich genau einem Jahr begann, wurde auch Ulrich Berg zunächst kalt erwischt. „Die Fahrradsaison läuft ungefähr von März bis Oktober. Daher öffne ich mein Geschäft üblicherweise von März bis Oktober ganztags und von November bis Februar nur nachmittags“, erklärt der Fahrradhändler. „Aber genau dann, als ich im März 2020 wieder ganztags öffnen wollte, begann der Lockdown. Da war auch ich erst einmal am Boden zerstört. Hinzu kam die Ungewissheit, wann und wie es weitergeht.“

Enorme Nachfrage

Für fünf Wochen musste Ulrich Berg sein Geschäft geschlossen halten. Ende April konnte er wieder öffnen – natürlich unter Einhaltung der gängigen Corona-Regelungen wie Maskenpflicht, Abstand halten und begrenzter Kundenzahl im Verkaufsraum. Was folgte, ließ die Ungewissheit schnell großer Erleichterung weichen. „Die Nachfrage nach Fahrrädern war enorm“, betont Ulrich Berg. Ganz besonders beliebt seien Elektroräder gewesen. „Zu 95 Prozent habe ich E-Bikes verkauft“, berichtet der Händler. Ansonsten seien aber auch Trekkingbikes, Mountainbikes und Standard-Fahrräder gefragt gewesen.

Entsprechend lief die Zeit von Ende April bis Oktober für X-Bike wirtschaftlich überaus gut. „Der Umsatz hat sich verdoppelt im Vergleich zu anderen Jahren“, freut sich Ulrich Berg. Rückblickend liegt der Grund für das deutliche Plus nahe. „Die Freizeit-Aktivitäten wurden infolge der Corona-Krise umgelenkt. Urlaub, ein Besuch im Freizeitpark oder im Freibad, zum Essen ins Restaurant – das alles war ja nicht mehr möglich. Stattdessen wurde Fahrrad gefahren oder man ging wandern oder spazieren“, sagt Ulrich Berg. „Urlaube wurden storniert. Stattdessen wurden von dem Geld Fahrräder gekauft und Touren unternommen.“

Viele Modelle ausverkauft

Dann kam allerdings der zweite Lockdown. „Seit Dezember muss ich mein Geschäft nun wieder geschlossen halten“, berichtet der Drolshagener. Aber: „Das stellt kein allzu großes Problem dar, da die Fahrradsaison ohnehin erst jetzt im März wieder anläuft.“

Sorgen machen Ulrich Berg hingegen ganz andere Schwierigkeiten, die bereits im vergangenen Jahr vereinzelt auftraten und nun zur neuen Saison in verstärktem Maße drohen: Denn auf dem Fahrradmarkt bestehen gravierende Lieferprobleme, die zu entsprechend lange Wartezeiten führen – ebenfalls eine Folge der globalen Corona-Krise. „Bereits im Mai waren erste Modelle nicht mehr lieferbar. Mittlerweile sind 80 bis 90 Prozent der Modelle ausverkauft. Die Lieferzeiten für Fahrräder liegen inzwischen im Schnitt bei etwa sechs Monaten“, berichtet Ulrich Berg. Auf Ersatzteile und Zubehör müsse man sogar zum Teil bis zu neun Monate warten, fügt er hinzu.

Click and meet

Viel Geduld ist also gefragt. Denn in der Corona-Krise sind nicht nur die Lieferwege, sondern insbesondere auch die Lieferzeiten von der Produktion in den Großhandel bis zum Einzelhandel und schließlich zum Endverbraucher lang. Ulrich Berg nennt ein Beispiel, dass das Problem verdeutlich: „Weltweit gibt es nur zwei Rahmen-Schweißereien, beide sind in Taiwan.“

Immerhin: Gemäß der neuesten geltenden Corona-Verordnung konnte Ulrich Berg in Form des sogenannten „Click and meet“ nun wieder mit dem Verkauf beginnen. Bestand und Auswahl an verschiedenen Fahrradmodellen in seinem Geschäft sind derzeit auch ausreichend groß – noch. „Sollten die Lieferprobleme aber weiter andauern oder sich sogar noch verstärken, dann wird es ab Juni eng“, befürchtet er. Und dann werden Kunden bei der Bestellung ihres Wunschmodells noch mehr Geduld haben müssen.

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