Der großen Halle im Hülloch  80 Eimer näher

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Björn Wegen ist auf der Suche nach der großen Halle ganz vorne an der Grabungsstelle im Hülloch im Einsatz. Um sich gegen das kalte Wasser und die Feuchtigkeit im Höhlensystem zu schützen, trägt Wegen einen Neoprenanzug.

Kierspe - Auf der Suche nach der großen Halle im Höhlensystem Hülloch, verbrachten die Mitglieder der Speläo-Gruppe Sauerland und einige Freiwillige jetzt wieder einen Grabungstag unter der Erde. 

Die Sonne strahlt vom blauen Himmel herab und die Temperaturen bewegen sich an diesem Tag bis nahe heran an die 30-Grad-Marke. Ein idealer Tag also, um sich im Wasser ein wenig abzukühlen. Björn Wegen zieht deshalb bereits am frühen Morgen seinen Neoprenanzug an. Ihn zieht es aber nicht zur Listertalsperre oder an den Biggesee. Für den Höhlenforscher der Speläo-Gruppe Sauerland geht es mit seinen Kollegen und einigen freiwilligen Helfern aus Kierspe auf der Suche nach der großen Halle zu Grabungsarbeiten einmal mehr ins Hülloch.

Das gesamte Jahr über acht bis zehn Grad

Im Höhlensystem unter dem Arney am ehemaligen Steinbruch an der Heerstraße kann Wegen den Anzug gut gebrauchen. Dort herrschen das gesamte Jahr über Temperaturen zwischen acht und zehn Grad Celsius, bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent. Hinzu kommt, dass Wegen der vorderste Mann an der Grabungslinie ist. In dem engen, niedrigen Gang kann der Höhenforscher oft nur im Knien oder Liegen arbeiten – und das in mindestens knöcheltiefem Wasser. Um überhaupt an die Grabungsstelle zu kommen, müssen die Höhlenforscher den anfangs komplett unter Wasser stehenden Gang zunächst leerpumpen.

Zwei Kubikmeter Schlamm entfernt

Die mit Schlamm gefüllten Eimer müssen aufwendig von Hand aus dem Höhlensystem hinaus gebracht werden.

Rund zwei Kubikmeter Schlamm entfernte Wegen mit seinem Helferteam an diesem Tag Eimerladung für Eimerladung aus dem Gang und drang so weiter in das Höhleninnere vor. „Der Durchbruch ist aber noch immer nicht gelungen“, sagte Wolfgang Hänisch von der Speläo-Gruppe Sauerland. Ein neuer Versuch gestartet werden soll jetzt beim nächsten Grabungstermin am Samstag, 24. Oktober.

Eine Wegstrecke von 100 Metern

Die Grabungsarbeiten viele Meter unter der Erde im Höhlensystem sind für die Helfer äußerst mühselig und anstrengend. Um den Schlamm in Eimern von der Grabungsstelle aus der Höhle hinaus zu befördern, muss eine Wegstrecke von etwa 100 Metern bewältigt werden – und das zu einem Großteil per Hand.

„Wir sind gut voran gekommen“

„An einem Grabungstag schaffen wir bis zu 80 Eimer. Zuletzt sind wir gut voran gekommen, weil uns viele Helfer aus Kierspe unterstützt haben“, sagte Hänisch. Zu diesen gehörte auch Stephan, der in unmittelbarer Nähe des Hüllochs wohnt und regelmäßig bei den Grabungen dabei ist. „Meine Begeisterung für Höhlen habe ich vor einigen Jahren bei einer Tour in Belgien entdeckt. Da ist es für mich selbstverständlich dabei zu sein, wenn es solch ein Projekt direkt vor der eigenen Haustür gibt“, sagte er.

Als Kiersper in der Pflicht

Auch Oliver ist seit einigen Jahren fast bei jedem Grabungstermin anwesend, weil es ein „schöner Ausgleich zum Job“ ist. Vor allem aber sieht er sich als Kiersper in der Pflicht, bei der Suche nach der weiter verschütteten großen Halle zu helfen: „Für unsere Stadt ist diese Höhle es ganz besonderes, deshalb helfe ich bei den Grabungen gerne mit.“

Keine Probleme mit Enge und Dunkelheit

An vielen Stellen ist es wegen der Enge nur im Sitzen oder Liegen möglich, die Eimer weiterzureichen.

Lisa ist als Mitglied der Speläo-Gruppe Sauerland an diesem Tag erstmals im Hülloch in Kierspe und bezeichnet die Höhle als „sehr matschig“. Mit der Dunkelheit und der teilweisen Enge hat die junge Frau aus Hemer dagegen keine Probleme: „Da sind wir ganz andere Sachen gewohnt. In einigen Höhlen ist es an manchen Stellen so eng, dass man sich kaum drehen kann. Dagegen ist hier richtig viel Platz.“

Angetrieben vom Ehrgeiz

Sie alle graben im Hülloch ehrenamtlich, angetrieben vom Ehrgeiz den Durchbruch in die große Halle nach fast sechsjähriger Grabungszeit zu schaffen. Das Vordringen wäre vor allem für Wissenschaftler wie Biologen, Hydrologen, Geologen oder Mineralogen interessant, weil die Halle nach dem Einsturz von Teilen des Höhlensystems vor rund 150 Jahren, hervorgerufen wohl durch Arbeiten im Steinbruch, nicht mehr betreten wurde und in diesem abgeschlossenen Mikrokosmos viele sehr seltene Tier- und Pflanzenarten existieren könnten. Erste seltene Amphibien-, Krebs- und Wurmarten sind durch die Grabungen bereits nachgewiesen worden.

Zutritt zunächst nur unter Atemschutz

„Falls der Durchbruch geschafft wird, wäre aber erst einmal Vorsicht angesagt“, erklärte Hänisch. Weil die große Halle durch den Einsturz des Ganges von der Außenwelt komplett abgeschnitten ist, könnten sich gefährliche Pilzkulturen entwickelt haben. „Deshalb würden wir die Halle nur unter Atemschutz betreten und zunächst einige Messungen vornehmen“, sagte Hänisch. Bis es dazu aber kommt, müssen noch einige Kubikmeter Schlamm aus dem Hülloch entfernt werden.

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