Helmut Brockmeier dirigiert die Stadtkapelle

+
Helmut Brockmeier ergriff an seinem Ehrentag gestern den Taktstock und dirigierte die Stadtkapelle, als diese den Marsch „Wien bleibt Wien“ spielte. ▪

KIERSPE ▪ Dass er in seinem Leben gewohnt war, den Takt anzugeben, war zu spüren, als ihm gestern Morgen ein Mitglied der Stadtkapelle den Taktstock in die Hand drückte und er den Marsch „Wien bleibt Wien“ dirigierte: Helmut Brockmeier, der dabei ganz in seinem Element war, drückte wie kein anderer Kierspe seinen Stempel auf: Unter ihm wurde die Verwaltung zentralisiert, neu strukturiert und modernisiert und damit letztlich zukunftsfähig gemacht.

Und das in einer Zeit zu schaffen, in der es um die Kasse der Kommune schon schlecht stand, und dann Kierspe trotzdem finanzwirtschaftlich auch noch aus dem Ausgleichstock herauszuführen und die Fehlbeträge im Haushalt abzubauen, ist vielleicht das besondere Verdienst dieses Stadtdirektors, der gestern im Kreise seiner Familie, Freunden, Weggefährten sowie Vertretern aus Rat und Verwaltung seinen 90. Geburtstag in der Seniorenresidenz an der Montigny-Allee feiern konnte.

Dort lebt er seit dem vergangenen Jahr zusammen mit seiner Frau Marianne gut versorgt, betreut und zufrieden.

Als Stadtdirektor saß Brockmeier von 1974 bis 1987 an verantwortlicher Stelle in der Kiersper Stadtverwaltung, so dass er alle politischen Entwicklungen und auch die Auswirkungen immer wieder neuer Bundes- und Landesgesetze, die von außen auf die Kommune einwirkten, mitbekam.

Als Brockmeier vor einigen Jahren für seine 50-jährige Mitgliedschaft in der SPD geehrt wurde, hat Ex-Bürgermeister Heinz-Willi Potthoff, der während der 13-jährigen Amtszeit Brockmeiers im Rathaus nicht nur politisch sein Wegbegleiter war, über den Jubilar gesagt: „Dein Handeln und Streben diente zu jeder Zeit den Interessen der Bürger. Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und Solidarität sind unbezahlbare Werte und du hast sie praktisch gelebt.“ Außerdem attestierte Potthoff ihm Fachwissen und Kompetenz sowie, dass er sich „um das Zusammenwachsen der beiden Ortsteile Dorf und Bahnhof verdient gemacht“ habe. Auch gestern versäumte Potthoff es natürlich nicht, dem Ex-Stadtdirektor zu gratulieren. Glückwünsche kamen ebenfalls von Bürgermeister Frank Emde und seiner Stellvertreterin Marie-Luise Linde, die es sich gestern nicht nehmen ließen, den Jubilar beide zusammen aufzusuchen, worüber sich Brockmeier, der die Arbeit der Verwaltung als ehemaliger Chef bis heute kritisch verfolgt, sehr freute.

Als eine weitere Leistung Brockmeiers, der seit 1949 bei der Stadt Lüdenscheid tätig war, 1966 Gemeindedirektor in Langerwehe wurde und dann 1974 als Nachfolger von Wolfgang Barthold Stadtdirektor in Kierspe war, sind noch die Fertigstellung der Gesamtschule, die Erweiterung des Gewerbegebietes Wildenkuhlen, der Bau des Awo-Seniorenzentrum und der Awo-Sozialstation zu nennen. Die Zentralisierung der Verwaltung manifestierte dann zusammen mit dem Bau der Sparkassenhauptstelle und der Ansiedlung des Petzmarktes Kierspes neue Stadtmitte. Nach Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren trat er 1987 in den Ruhestand.

„Ich habe die kommunale Neuordnung viermal erlebt“, hat Helmut Brockmeier einmal gesagt: Als Kämmerer in Lüdenscheid musste er sich in dieser Funktion schon im Vorfeld erstmals Gedanken über die finanziellen Auswirkungen der angekündigten Reform machen. Hautnah erlebt hat der frühere Kiersper Verwaltungschef die kommunale Neugliederung dann von 1966 bis 1974 in Langerwehe, als der Regierungsbezirk Aachen aufgelöst wurde. Zudem wurde die Gemeinde Rechtsnachfolger des Amtes Langerwehe. Zum dritten Mal, nun aber aus einer ganz anderen Perspektive, wurde er mit der Reform dann im Raumordnungsausschuss des Städte- und Gemeindebundes konfrontiert, dem er fünf Jahre angehörte. Hier trug er mit dazu bei, die entscheidenden Stellungnahmen für die ministeriellen Planungen zu erarbeiten. Als er dann als Stadtdirektor nach Kierspe kam, trat er das Erbe der Veränderungen des Jahres 1969 an.

Der berufliche Lebensweg von Brockmeier begann bei der damaligen Reichsfinanzverwaltung, wo er in den Bezirken der Finanzämter Arnsberg, Siegen und Hagen im Veranlagungs-, Kassen- und Betriebsprüfungsdienst von 1939 bis 1947 tätig war. Unterbrochen wurde diese Arbeit durch den Wehrdienst, der Brockmeier im Zweiten Weltkrieges als Soldat an die Ostfront führte.

Während seiner Ausbildung absolvierte er erst die Verwaltungs- und Sparkassenschule in Hagen für den gehobenen Dienst und anschließend die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Wuppertal, die er mit dem Kommunaldiplom abschloss. 1947 wechselte Helmut Brockmeier von der Finanzverwaltung zur Amtsverwaltung nach Hemer und 1949 dann zur Stadtverwaltung Lüdenscheid, wo er über 17 Jahre Abteilungsleiter in der Kämmerei und damit auch der Liegenschaftsverwaltung war. Er bekleidete in dieser Zeit verschiedene Funktionen und Nebenämter. Über Langerwehe kam er dann nach Kierspe.

Brockmeier unterhielt stets gute Kontakte in andere Kommunen, zu den Aufischtsbehörden und auch Regierungsstellen, was er geschickt zu nutzen wusste und Kierspe so viele Möglichkeiten erschloss.

Gestern waren auch die beiden Töchter von Brockmeier, Ulrike und Brigitte, dabei und nachmittags kam dann zudem der Rest der Familie, um den Ehrentag Brockmeiers zu feiern. ▪ Rolf Haase

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare