Euro Lawyers spannen Netzwerk in Europa

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Der Kiersper Anwalt Christoph Gebauer ist Geschäftsführer des internationalen Vereins Euro Lawyers.

Kierspe - Die Deutschen reisen gerne ins Ausland, erwerben dort Grundbesitz und pflegen internationale Geschäftsbeziehungen. Normalerweise geht das gut und ist millionenfach erprobt.

Doch wenn etwas schief geht, dann kann guter Rat teuer werden und ist vor allem selten in der Muttersprache zu bekommen. Für Mandanten, deren Anwalt in der Vereinigung Euro Lawyers aktiv ist, muss das nicht so sein. Der Geschäftsführer des internationalen Vereins ist Christoph Gebauer – ein Anwalt aus Kierspe.

„Das spanische Erbschaftsrecht unterscheidet sich grundlegend von dem deutschen. In Zeiten, in denen die Besitzer von Ferienhäusern immer älter werden, spielt das auch in Deutschland eine immer entscheidendere Rolle“, nennt Gebauer nur einen Aspekt, in dem die Zusammenarbeit mit einem spanischen Anwalt sinnvoll sein kann. Aber der Kiersper war auch froh, als er einen italienischen Kollegen kontaktieren konnte, als einer seiner Mandanten in einen schweren Verkehrsunfall jenseits der Alpen verwickelt war.

„Oft geht es gar nicht um die Übertragung des Mandats in das Land, sondern nur um eine Auskunft zwischen Kollegen“, so Gebauer, der es sehr begrüßt, sich bei diesen Beratungen mit einem deutschsprachigen Kollegen austauschen zu können. „Das kommt auch den Mandanten entgegen, wenn aufgrund rechtlicher Vorschriften das Mandat in das jeweilige Land übertragen werden muss.

Gegründet wurde Euro Lawyers im Jahr 1995. Damals mit dem Wunsch deutscher Anwälte aus kleinen oder mittelgroßen Kanzleien ihren Mandanten einen Service zu bieten, den sonst nur große Kanzleien mit internationalen Dependance oder Partnerschaften im Angebot haben. Mittlerweile gehören der Vereinigung 26 Kanzleien an 30 Standorten in neun Staaten an.

Als Gebauer die Geschäftsführung vor drei Jahren übernahm, tat er dies mit der Absicht, den Verein und damit den „Mehrwert“ für die eigenen Mandanten deutlich auszuweiten. Und dies mit Erfolg. Allein seit 2011 sind elf Kanzleien dazugekommen, davon sechs im Ausland. Partner gibt es mittlerweile in Österreich, Belgien, Dänemark, Italien, Spanien, Schweiz, Türkei und Griechenland. „Derzeit verhandeln wir mit einer Kollegin in Slowenien und dringend suchen wir einen Partner in den Niederlanden, aber auch in Frankreich und England“, so Gebauer.

Innerhalb des Vereins soll der Kontakt aber nicht auf beratende Telefongespräche beschränkt bleiben. Deshalb gibt es einmal im Jahr eine Tagung – immer in einem anderen Land. Dann hält der „einladende“ Anwalt auch einen Fachvortrag, um die Kollegen auf die Besonderheiten des eigenen Rechtssystems aufmerksam zu machen. Gebauer: „Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich Rechtsauffassungen unterscheiden können und wie unterschiedlich beispielsweise die Vergütung geregelt ist. So bekommt ein Anwalt in Italien erst dann sein Geld, wenn der Fall abgeschlossen ist. Da aber auch dort die Gerichte überlastet sind, kann es Jahre dauern, bevor er sein Geld bekommt.“

Natürlich soll der Verein keine Einbahnstraße sein. Auch die ausländischen Partner können auf die Hilfe ihrer deutschen Kollegen hoffen. „Doch der größte Vorteil für die Kollegen in den jeweiligen Ländern ist, dass sie deutlich mehr Mandate aus Deutschland bekommen.“ Denn während es in den meisten Ländern nur einen, höchstens aber drei Partner (Italien) gibt, gehören in Deutschland 19 Anwälte dem Verein an. Diese sind von Lübeck bis München übers ganze Land verteilt. Aber auch dort sieht Gebauer noch Möglichkeiten der Mitgliedergewinnung: „Im Osten des Landes sind wir noch gar nicht vertreten, das soll sich aber ändern.“

Johannes Becker

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