Krisenstimmung in Transportbranche

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Jürgen Hornbruch macht sich Sorgen, aber weniger um die Maut als viel mehr um die Konkurrenz aus Osteuropa. ▪

KIERSPE ▪ Seit Mittwoch muss mehr gezahlt werden: Sofort entfachte ein heftiger Finanzierungsstreit. Die Ausweitung der Lkw-Maut auf vierspurige Bundesstraßen bereitet nicht nur den Transportunternehmern Sorge, sondern auch den heimischen Industrieunternehmern. Denn für die Transporteure ist klar: „Die Kosten werden wir an unsere Kunden weiter geben.“

Die Unternehmer warten erst einmal ab, was da auf sie zukommen wird: „Bisher haben wir noch keine Preiserhöhungen angekündigt bekommen – allerdings bekommen wir die Rechnungen der Spediteure erst Mitte des Monats“, erklärt Andrea Bornträger, Geschäftsführerin der Firma „Plastica Orth und Wächter“. Jedoch sei klar, dass sie die erhöhten Transportkosten abfangen wird. Langjährige Preisabsprachen würden eine Weitergabe an die Kunden verhindern. „Natürlich werden wir mit unseren Transportunternehmern verhandeln. Aber ich bleibe erst einmal gelassen, wir haben ja auch Verträge.“

Bei der Firma Becker Umformtechnik sei bereits ein erster Brief mit Ankündigung einer Preiserhöhung eingegangen. „Viel schlimmer als die zwei oder drei Prozent mehr Maut trifft uns der Dieselfloater. Er soll die schwankenden Preise ausgleichen“, erklärt die stellvertretende Geschäftsführerin Karin Becker-Steinert.

„Die Maut ist gar nicht unser Hauptproblem, wir fürchten uns eher vor der Konkurrenz aus Osteuropa“ , erklärt Jürgen Hornbruch, Geschäftsführer der Kiersper Firma Hornbruch Transportlogistik. Die Maut würde sich vermutlich nur um zwei oder drei Prozent erhöhen, natürlich würde man versuchen, dass an die Kunden weiterzugeben: „Wir haben zum Glück nicht so viele Jahresverträge, sodass wir auf so etwas spontan reagieren können“, erklärt Hornbruch.

Deutlicherere Kritik äußert der Unternehmer an der EU: „Langsam geht nichts mehr, die Konkurrenten aus Polen, Rumänien oder Bulgarien nehmen uns die Frachten weg. Mit den Preisen können wir unmöglich konkurrieren.“ Früher sei es so gewesen, dass die ausländischen Spediteure Waren von ihrem Land nach Deutschland brachten, neu laden durften und das Land wieder verlassen mussten – diese Regel wurde aufgehoben, nun können die ausländischen Transporteure in Deutschland bleiben. „Wie soll das gehen? Hier ist alles teurer, Diesel, Werkstatt, die Fahrzeuge an sich und ein Fahrer aus Polen verdient gerade einmal ein Viertel dessen, was ein Deutscher verdient“, beschwert sich Hornbruch. Lediglich große Unternehmen könnten da noch mithalten. Die würden dann eine Niederlassung in Osteuropa aufmachen und ausländische Fahrer engagieren. Für kleine Unternehmen sei das jedoch undenkbar. „Die EU-Kommission schlägt uns immer wieder mit einem Knüppel zwischen die Beine. Über kurz oder lang werden wir hier kein Bein mehr an die Erde bekommen. Die nehmen uns die Butter vom Brot und wir können nur zuschauen“, beklagt sich der Unternehmer.

Außerdem glaubt Hornbruch fest daran, dass weitere Maut-Modelle folgen werden. In Frankreich und Österreichen seien bereits Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen und nicht wie in Deutschland ab 12 Tonnen mautpflichtig. „Das ist nur eine Frage der Zeit, dann kommt das hier auch.“ ▪ Lydia Machelett

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