Demenz-Selbsthilfegruppe: „Das Feld ist bereitet“

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Die Auftaktveranstaltung des Projekts zur Stärkung der Demenz-Selbsthilfe und Gründung einer Gruppe in Kierspe stieß vor allem bei den Profis auf Interesse.

Kierspe - Hilfe zur Selbsthilfe will das Projekt „Aufbau und Stärkung der Demenzselbsthilfe in NRW“ geben, initiiert vom Landesverband der Alzheimer-Gesellschaften NRW und mit Landesmitteln gefördert. Zu einer Auftaktveranstaltung hatten die Stadt und die Verantwortlichen in den Ratssaal gebeten, gekommen waren vor allem Fachvertreter.

Aber auch die sind mitunter persönlich betroffen, wie Reiner Bracht berichtete. Er war durch die Demenz-Erkrankung seiner Mutter auf die Alzheimer-Gesellschaft aufmerksam geworden und vertrat bei der Veranstaltung den Landesverband der Alzheimer-Gesellschaften. Dieser versteht sich als Interessenvertretung der Demenzerkrankten und ihrer Angehörigen. Die Lobbyarbeit sei „ein mühsames Geschäft“, konstatierte er, die Krankheit sei immer noch ein Tabu.

Das bestätigte eine Zuhörerin in der anschließenden Diskussion. Sie hatte versucht in Kierspe eine Selbsthilfegruppe zu gründen, ihr Anliegen war aber im Sande verlaufen. Dabei müsste der Bedarf eigentlich vorhanden sein: Knapp 1,6 Millionen Menschen seien in Deutschland von Demenz betroffen, erläuterte Julia Manz. Die Gerontologin begleitet das Projekt federführend und will damit genau das erreichen, womit die Kiersperin gescheitert war - die Gründung einer Selbsthilfegruppe. Solche Gruppen funktionieren auf der Basis von gegenseitigem Austausch und Verständnis füreinander und sind als Ergänzung zu professioneller Hilfe gedacht. Reiner Bracht hatte den Wert von persönlichem Austausch, der Weitergabe von Informationen, Tipps und Tricks in seiner Heimatstadt Hilden erlebt: „Dieses Miteinander in einem Gesprächskreis können Sie gar nicht hoch genug veranschlagen.“

Allerdings ging es den Betroffenen nicht ausschließlich um Informationen. „Ich wünsche mir mehr Spaß,“ brachte eine Zuhörerin ihre Bedürfnisse auf den Punkt. Verständnis und Unterstützung für ihr Anliegen fand sie bei den Fachleuten. Ulrich Goldmann von der Awo berichteten von konkreten Freizeitangeboten, Brigitte Wiesner-Ganz vom Märkischen Kreis von anderen Selbsthilfegruppen. Nicht jeder wolle ständig über die Krankheit sprechen. Ablenkung sei mitunter wichtiger als Informationsgespräche, denn „ohne Spaß geht auch schnell die Kraft weg.“

Die Mitglieder einer Gruppe müssten sich deshalb zu Beginn über ihre Wünsche und Bedürfnisse verständigen. Dabei will Julia Manz Hilfestellung leisten. Ein erstes Treffen hat sie bereits vorbereitet, es wird am Mittwoch, 21. Juni, ab 17 Uhr im Kreativzentrum stattfinden. Dabei soll auch Organisatorisches geklärt, Termine und Inhalte abgesteckt werden. Eine Anmeldung dazu ist nicht erforderlich. Das Feld sei damit bereitet, meinte Bürgermeister Frank Emde in seinem Schlusswort. „Es liegt an den Betroffenen, ob sie sich zur Teilnahme entschließen.“

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