Erste Kinderfeuerwehr im Kreis gegründet

+
In Kierspe wurde am Donnerstag die erste Kinderfeuerwehr im Märkischen Kreis gegründet. ▪

KIERSPE ▪ Die Resonanz übertraf alle Erwartungen bei weitem: Hatten sich die Initiatoren bei der Gründung der ersten Kinderfeuerwehr im Märkischen Kreis auf vielleicht rund 20 Mädchen und Jungen eingestellt, fanden sich am Donnerstagnachmittag im Rathaus tatsächlich jedoch mehr als 40 ein, so dass draußen bei der Besichtigung der Einsatzwagen die Gruppe sogar geteilt werden musste.

Mitglieder der Jugendfeuerwehr und deren Führung machten die Kinder mit der Ausstattung der Fahrzeuge vertraut und zeigten ihnen die Ausrüstung wie die verschiedenen Schläuche, Strahlrohre, Pumpen, Atemschutz- oder auch Funkgeräte. Weil es draußen in Strömen regnete, fiel die Besichtigung allerdings nicht allzu lange aus, so dass sich später alle wieder im Ratssaal einfanden.

Nach Aussage des Kreisjugendfeuerwehrwartes Jens Hoffmann bei der hochoffiziellen Veranstaltung, an der neben Stadtbrandmeister Georg Würth und Bürgermeister Frank Emde ebenfalls Führungskräfte der Feuerwehr von Kreis und Land, die stellvertretenden Bürgermeister Marie-Luise Linde und Dieter Grafe, die Vertreter der politischen Fraktionen und Mitarbeiter der Verwaltung teilnahmen, hängt die Zukunft der Feuerwehr im Märkischen Kreis davon ab, wie es gelingt, die Nachwuchsförderung weiterzuentwickeln. Er äußerte sich positiv zur Schaffung der neuen Gruppe und lobte die Feuerwehr Kierspe, die schon 1968 bei der Gründung der ersten Jugendfeuerwehr im Märkischen Kreis mit gutem Vorbild vorangegangen sei und nun erneut bei der Kinderfeuerwehr.

Eingangs der Veranstaltung, an der neben den Kindern auch deren Eltern teilnahmen, so dass der Ratssaal so voll war wie seit langem nicht mehr, ergriff Emde das Wort. Er betonte, dass die Kiersper Feuerwehrfamilie mit der Gründung der Kinderfeuerwehr nun wieder ein Stück größer werde. Dabei gebe es seiner Meinung nach kaum etwas, was näher liege als die Gründung einer Kinderfeuerwehr, da praktisch jeder Junge im Kindesalter mit den roten Autos spiele. Auch er selbst habe da keine Ausnahme gebildet. „Hier besteht also ein grundsätzliches Interesse an der Feuerwehr“, befand der Bürgermeister. Außerdem ordnete er die neue Gruppe als sinnvolles Freizeitangebot ein, das einerseits langfristig den Nachwuchs der Wehr sichere, denn auch vor den Brandbekämpfern mache der demografische Wandel mit einer sinkenden Bevölkerungszahl nicht Halt, und andererseits stelle es ein frühes Stadium von bürgerschaftlichem Engagement dar.

Emde dankte Stadtbrandmeister Georg Würth dafür, dass er die Initiative ergriffen hat, und den Mitarbeitern im Leitungsteam der neuen Kinderfeuerwehr, bestehend aus Claudia Grau, Mike Söhl, Michael Wern, Margit Schulenburg und Sarah Grau dafür, dass sie sich dieser Aufgabe stellen. Den „Löschzwergen“, wie sich die Gruppe künftig nennt, wünschte er alle Gute und lobte, dass die Kinder sich dafür interessierten, wie sie anderen Menschen helfen können. „Ich glaube, dass aus euch allen bald richtige Feuerwehrfrauen und -männer werden“, schloss der Bürgermeister.

Anschließend stellte sich Claudia Grau als Leiterin der Gruppe vor: Sie habe drei eigene Kinder und noch zwei Stiefkinder. Ihr Mann, Mike Söhl, sei selbst aktiv in der Feuerwehr. Sie habe bereits begonnen, sich fortzubilden, und in diesem Jahr stünde die Teilnahme an noch weiteren Maßnahmen an. „Unser Team möchte der Gruppe spielerisch und mit Spaß die Brandschutzerziehung nahebringen sowie durch kleine Experimente, Basteln, Malen, Ausflüge und vielem mehr den sozialen Kontakt und die Teamfähigkeit unter den Kindern stärken“, erklärte sie.

Dann überreichte Grau den Mädchen und Jungen die neuen roten T-Shirts mit der Aufschrift „Löschzwerge“, von denen angesichts des Andrangs am Donnerstag aber leider zu wenig vorrätig waren, so dass bis zum ersten Gruppentreffen am Mittwoch, 25. Januar, um 17 Uhr im neuen Domizil der Kinderfeuerwehr, dem Gerätehaus Stadtmitte an der Friedrich-Ebert-Straße, ausreichend nachgeordert werden müssen. Das gilt genauso für die kleinen Feuerwehrhelme, die Bernd Schneider, Vorsitzender des Verbandes der Feuerwehren NRW, mitgebracht hatte. Auch mit diesen wird jedes Mitglied der Kinderfeuerwehr ausgerüstet.

Schneider bedauerte, dass Nordrhein-Westfalen im Bundesvergleich die rote Laterne bei der Gründung der Kinderfeuerwehren habe und es bislang gerade mal 25 im gesamten Land gebe. Aus seiner Sicht ist die Kiersper Initiative daher unbedingt nachahmenswert. Ziel müsse es sein, auch die rechtlichen Hemmnisse auszuräumen und das Aufnahmealter in der Feuerwehr auf sechs Jahre herabzusetzen. Damit sei dann ebenfalls der Versicherungsschutz kein Problem mehr, der in Kierspe nur durch eine Sonderregelung zusammen mit der Provinzial-Versicherung geregelt werden konnte. Schneider freute sich über die Begeisterung der Kleinen für die Feuerwehr sowie dafür, sich für das Gemeinwohl zu engagieren.

Bezirksbrandmeister Hartmut Zirbs, zugleich stellvertretender Bundesvorsitzender des Feuerwehrverbandes, überbrachte die Grüße der Bezirksregierung Arnsberg und stellte es als schlüssigen und richtigen Weg dar, verstärkt Kinderfeuerwehren zu gründen. „Es gilt, junge Menschen frühzeitig für die Feuerwehr zu begeistern, denn sie sind unsere Zukunft“, betonte er. Auch im Hinblick auf die wichtige Brandschutzerziehung sei dies gut und insofern eine ganz sinnvolle Form der Jugendarbeit. Kreisbrandmeister Rainer Blumenrath bemühte einen Vergleich aus dem botanischen Bereich: „In Kierspe wächst die Pflanze Jugendfeuerwehr, sprießt und geht auf, in anderen Städten im Kreis beginnen die Wurzeln sich gerade erst zu bewegen“, deutete er aber zugleich an, dass ebenfalls andere Orte inzwischen über eine Bambini-Feuerwehr, wie diese auch gerne genannt wird, nachdenken.

Stadtbrandmeister Georg Würth informierte über die Hintergründe und den Weg bis zur Gründung jetzt. So verfolge er das Ziel seit mehreren Jahren nicht ohne Grund: Denn derzeit funktioniere die Feuerwehr zwar, aber das solle auch 2022 noch so sein. In Kierspe gebe es ab sofort mit der Kinderfeuerwehr, der Jugendfeuerwehr und der Feuerwehr-Arbeitsgemeinschaft in der Gesamtschule drei Säulen zur Nachwuchssicherung, womit die Stadt optimal aufgestellt sei, so dass auch in zehn Jahren diese wichtige ehrenamtliche Arbeit noch sichergestellt werden könne.

Rolf Haase

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare