Beratung für Banksteuerung durch Basel III wichtig

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Stephan Böhse und Stephan Baldschun von der Volksbank und Michael Schlechter und Mario Guzowski, Berater bei Geno Guide, trafen sich jetzt in der Volksbank-Hauptstelle zur ersten Gesellschafterversammlung der neuen gemeinsamen Beraterfirma. ▪

KIERSPE ▪ Die Anforderungen im Bereich der Banksteuerung sind schon seit Basel II, den aktuell geltenden Eigenkapitalvorschriften des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht so komplex, dass die Umsetzung die Vorstände von Banken heute immer mehr vor Probleme stellt.

So ist eine zunehmende Akademisierung feststellbar und es werden IT-gestützte Systeme mit aufwändiger Parametrisierung eingesetzt. Um die Risikomodelle zudem sachgerecht einsetzen zu können, ist ein umfangreiches theoretisches und wirtschaftswissenschaftliches Wissen unverzichtbar. Fast zwingend muss das damit befasste Personal über eine Hochschulausbildung verfügen. Und Basel III ist bereits angekündigt. Aus diesem Grund wird sich die Volksbank Kierspe jetzt für den Bereich der Banksteuerung auch einer Beraterfirma bedienen.

Bankenregulierung heißt seit Beginn der großen Finanzmarktkrise im Jahr 2008 die Lösung, welche verhindern soll, dass das weltweite Bankensystem zukünftig noch einmal die Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs bringt. Es wurde erkannt: Nicht händelbare Konzentrationen, insbesondere von Risiken, die sich in der Regel außerhalb des originären Kundengeschäfts einer Bank befinden, gehören eingedämmt und reguliert. „Die auf dieser Erkenntnis basierenden vielfältigen Regelungen, die auf internationaler Ebene enstanden sind, sind mittlerweile in nationales Recht umgesetzt und von jeder Bank anzuwenden. Stellvertretend dafür kann insbesondere das komplexe Regelwerk Basel III genannt werden, dessen Umsetzung ab dem Jahr 2018 für die Volksbank derzeit eine große Herausforderung darstellt“, informieren die beiden Volksbankdirektoren Stephan Böhse und Stephan Baldschun, als sie sich am Donnerstag mit Michael Schlechter und Mario Guzowski zur ersten Gesellschafterversammlung der neuen Firma Geno Guide, die auf die Banksteuerung für Kreditgenossenschaften spezialisiert ist, trafen. Die Versammlung fand in den Räumen der Volksbankhauptstelle statt, denn die Bankführung ist zu zehn Prozent Mitgesellschafter. Sitz von Geno Guide ist Bergisch-Gladbach. Nach der Gründung bereits im Februar wurde jetzt zum 1. Juli die Geschäftstätigkeit offiziell aufgenommen.

Schlechter ist Diplomkaufmann und bereits seit mehr als zehn Jahren beratend auf dem genossenschaftlichen Sektor tätig. So wirkte er auch an der Entwicklung von VR-Control mit. Kollege Guzowski ist als Diplombankbetriebswirt von Hause aus Banker und blickt auf eine mehrjährige Bereichsleiterfunktion in einer mittelgroßen Genossenschaftsbank zurück. Er ist seit fünf Jahren beratend auf dem genossenschaftlichen Sektor tätig. Die Arbeitsschwerpunkte der beiden sind die strategische Gesamtbank- und Risikosteuerung sowie das Aufsichtsrecht.

Eine Vorgabe von Basel III wird sein, dass eine Bank inklusive Ergänzungskapital Eigenmittel in Höhe von mindestens 8 Prozent der Risikooptionen haben muss. Das heißt, dass 100 Euro mindestens mit acht Euro Eigenkapital hinterlegt sein müssen. Wird diese Grenze unterschritten, muss die Bankenaufsicht handeln, um Gefahren zum Schutz der Sparer und Anleger sowie zur Sicherung der Finanzmarktstabilität abzuwenden. „Durch ihre Grundsätzlichkeit führen diese Regelwerke vor allem zu deutlich komplexeren Anforderungen an die internen Arbeitsabläufe und Organisationsstrukturen einer jeden Bank. Dabei hat sich aber gerade bei den kleineren Ortsbanken gezeigt, dass hier durch die Fokussierung auf die heimische Region und den Kunden vor Ort keinerlei zusätzliche Risiken im Rahmen der Finanzmarktkrise entstanden sind. Dennoch gelten auch für diese Banken zunehmende komplexe aufsichtsrechtliche Anforderungen. Zu denken ist hier beispielsweise an die häufig zitierten Stresstests, mit denen die Krisenanfälligkeit von Banken gemessen werden sollten“, machen Stephan Böhse und Stephan Baldschun zusammen mit Michael Schlechter und Mario Guzowski aufmerksam.

Eine mögliche Folge sei, dass der Bankensektor zu Fusionen gezwungen werde, um die Kapazitäten für die einzuhaltenden Anforderungen erfüllen und weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu können, ohne die Kosten dieses Bürokratieaufbaus auf den Bankkunden abzuwälzen. „Es handelt sich um Kapazitäten, die nicht direkt dem Bankkunden zu Gute kommen, sondern die notwendig sind, um allgemeine Regulierungsanforderung darstellen zu können. Damit sind wesentliche Prinzipien der genossenschaftlichen Ortsbank ad absurdum geführt“, stellen die vier fest.

Für die beiden Vorstände der Volksbank Kierspe steht allerdings die Sicherung ihrer Eigenständigkeit als oberstes Ziel, um sich in ihrem Handeln vollständig auf ihre Kunden und ihre Region konzentrieren zu können. Dennoch müssen auch sie sich zunehmend mit Anforderungen auseinandersetzen, die einen Ausbau interner Kapazitäten und damit eine Erhöhung der Kosten erfordern.

Um dauerhaft Zugang zu wichtigem Management-Know-How zu bekommen, hat der Vorstand der Volksbank gemeinsam mit den zwei Unternehmensberatern aus dem genossenschaftlichen Umfeld, aus diesem Grund das neue Unternehmen zur Unterstützung der Banksteuerung speziell für Kreditgenossenschaften gegründet. Die Geno Guide soll sicherstellen, dass die Volksbank Kierspe, aber natürlich ebenfalls andere Banken auch zukünftig in der Lage ist, neue aufsichtsrechtliche Anforderungen an die Banksteuerung schnell und auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt umzusetzen und die zunehmend komplexer werdenden Risikomodelle angemessen einsetzen zu können. Ebenso werden so die stark geforderten eigenen Kapazitäten im Bereich der Banksteuerung deutlich entlastet. Zudem kann ein möglicher Ausfall der eigenen Mitarbeiter über Vertretungsregelungen kurzfristig aufgefangen werden.

Zunächst ist Geno Guide überwiegend für einen Stamm kleinerer und mittlerer Volksbanken und Raiffeisenbanken tätig. Die beiden Vorstände der Volksbank Kierspe sind sich sicher, mit der Beteiligung an Geno Guide einen aktiven, zukunftsfähigen Weg beschritten zu haben, um sich im Sinne ihrer Kunden wieder auf das besinnen zu können, was die Volksbank ausmacht: „Die Konzentration auf die finanziellen Belange der Kunden in der Region und die Menschen vor Ort“, so Stephan Böhse und Stephan Baldschun am Donnerstag.

Rolf Haase

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