Erste Ausschusssitzung nach Corona-Pause

Klima, Herkulesstaude & Co.: Ausschuss hat nach Corona-Pause viel zu bereden

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Der Ausschuss für Umwelt und Bauen fand im PZ der Gesamtschule unter Corona-Bedingungen und viel mit Abstand statt.

Kierspe – An einem neuen Ort und unter ungewöhnlichen Bedingungen tagte der Ausschuss für Umwelt und Bauen als erster nach einer Unterbrechung, die der Corona-Pandemie und dem daraus resultierenden Versammlungsverbot geschuldet war.

Nur mit Mund-Nase-Schutz und nach Desinfizieren der Hände ging es ins PZ, Besucher mussten auch noch eine Karte mit ihren Kontaktdaten ausfüllen. An den Tischen, die weit auseinanderstanden, konnte die Maske dann abgelegt werden.

Inhaltlich hatten der Ausschussvorsitzende Christian Reppel und die Verwaltung nicht allzu viel auf die Tagesordnung geschrieben, doch letztlich reichten die beiden Punkte, um die Mitglieder des Ausschusses fast drei Stunden in dem Raum zu halten.

Spür- und sichtbar war nicht nur die Corona-, sondern auch die Klimakrise, denn diese war das Thema von Raumplanungsingenieur Andreas Hübner von der Essener Planungs- und Ingenieurgesellschaft Gertec. Er nutzte den Ausschuss, um das Klimaschutzkonzept der Stadt Kierspe vorzustellen – besser gesagt ein Grobkonzept dessen, was das Klimakonzept einmal sein könnte.

Dabei stellte Hübner vor allem das Maßnahmenprogramm des Konzepts vor. Dieses gliedert sich auf in „Strukturen für den Klimaschutz“, „Kommunale Liegenschaften und Anlagen“, „Energieeffizienz, Energieversorgung und erneuerbare Energie“, „Umweltfreundliche Mobilität“, „Umweltbildung und Konsum“ und „Anpassung an die Folgen des Klimawandels“.

Bereits jetzt leiden die Bemühungen der Essener Firma unter den Beschränkungen durch die Corona-Pandemie. So sei die geplante Bürgerbeteiligung nur sehr eingeschränkt möglich gewesen, das sogenannte Klima-Café ganz ausgefallen. Deshalb sei man dazu übergegangen, die Ideen online zu sammeln. Unter anderem mit der Ideenkarte, die aber von Anfang Bestandteil war. Da sich nicht nur Kierspe mit dem Gedanken an ein Klimakonzept trägt, sondern insgesamt sieben Kommunen des Märkischen Kreises, sei ein ansehnlicher Ideenpool auf der Karte zusammengekommen. Nun wird jede dieser Maßnahmen ausführlich mit einem Projektbrief beschrieben, aus dem konkrete Handlungsanweisungen hervorgehen.

Damit diese auch strukturiert umgesetzt werden können, riet Hübner der Stadt zu einem Klimabeauftragten, bei dem dann die Schutzmaßnahmen gebündelt behandelt würden. Für die Stadt selbst würden sich die Kosten in Grenzen halten, da eine solche Stelle zu 90 Prozent bis zu fünf Jahre lang gefördert werde.

An einigen Stellen wurde der Redner sehr konkret und riet dazu, bei der Umsetzung des Konzepts auf Einzelmaßnahmen zu setzen. „Nehmen sie sich ein älteres Baugebiet vor und schlagen sie mit einem Fensterbauer ein Sanierungsprogramm vor“, nannte Hübner ein Beispiel. Eine weitere Möglichkeit sei die Nutzung der Gebäude – auch der Wohnhäuser – für Fotovoltaikanlagen: „Dächer sind nicht nur dafür da, den Regen abzuhalten. Sie können noch viel mehr.“

Nach einer längeren Aussprache, bei der beispielsweise Armin Jung (FDP) die fehlenden Radwege in Kierspe anmahnte, Bernd Stubenrauch (CDU) sein Missfallen über Mountainbiker im Wald, die „mit 50 oder 60 Kilometern pro Stunde über die Wege rasen“, zum Ausdruck brachte und Hermann Reyher (Grüne) seine Freude über Plätze, die nicht mehr zur illegalen Müllentsorgung verwendet werden, gab Hübner noch einen kleinen Ausblick auf die weiteren Möglichkeiten und schloss mit einem Verweis auf ein Kommunikationskonzept am Ende des Weges.

Letztlich entschlossen sich die Ausschussmitglieder, diesen Weg weiterzugehen und beauftragten die Verwaltung, das Grobkonzept weiterzuentwickeln, um dann im Herbst über die Fortführung des Klimaschutzkonzeptes zu entscheiden. Lediglich Peter Christian Schröder (Freie Wähler) enthielt sich der Stimme, da er für deren Abgabe zu wenig Informationen habe.

Anschließend kamen die Ausschussmitglieder zu einem Dauerbrenner oder auch Evergreen. Denn mit der Bekämpfung der Herkulesstaude beschäftigt sich Kierspe schon seit Jahren – und kommt ebenso lange nicht voran. So waren es auch gestern wieder die gleichen Vorschläge, die schon seit Jahren diskutiert werden. Zum einen die Schafherde, die in der Lage sei, bei regelmäßiger Beweidung der Flächen, der eingeschleppten Pflanze den Garaus zu machen. Zum anderen wurde erneut angeregt, die Anlieger der Volme aufzufordern, entschieden gegen den Eindringling vorzugehen. Dass beides nicht so einfach ist, machte Oliver Knuf, Leiter des Sachgebiets Ordnung, klar. So habe man sich schon mehrfach – aber vergebens – um einen Schäfer samt Herde bemüht. Bei Gesprächen mit den Eigentümern der Grundstücke, auf denen die Staude vor allem am Volmeufer wachse, komme man nicht so recht voran, da diese – aufgrund der Unzugänglichkeit der Grundstücke – kein großes Interesse an der aufwendigen Beseitigung der Pflanze hätten.

„Wir haben es da immerhin mit rund 500 Grundstücksbesitzern zu tun, denen auf Kiersper Gebiet die 785 Grundstücke gehören, auf denen an der Volme ein Problem mit der Pflanze besteht“, erklärte Knuf.

Klar stellte die Verwaltung auch, dass es aus Kostengründen nicht möglich sei, die Pflanze mit städtischen Mitarbeitern auszurotten – vorausgesetzt, diesen würde überhaupt das Wirken auf Privatgelände gestattet. Nach Aussprache einigte man sich schließlich auf einen Vorschlag der Freien Wähler, der anregt, gemeinsam mit Halver, Meinerzhagen, Lüdenscheid und Schalksmühle einen Arbeitskreis „Neophyten“ zu gründen, um gemeinsam gegen die Staude und andere eingewanderte Pflanzen vorzugehen.

Außerdem soll geprüft werden, ob nicht doch eine Schafherde „besorgt“ werden kann, um diese auf den Flächen weiden zu lassen.

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Das war er also, der erste Ausschuss nach langer Zeit und unter ganz neuen Bedingungen. Doch so ganz waren diese noch nicht verinnerlicht. Zwar hielten sich alle Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Bauen an die Maskenpflicht beim Betreten des PZ. Doch schon beim Aufhalten der Tür siegte Höflichkeit über Vorsicht. Und während Konzertveranstalter darüber nachdenken, wie lange ihre Veranstaltungen noch dauern dürfen, um die Aerosol-Belastung im Raum so gering wie möglich zu halten, wurde die Ausschusssitzung auf knapp unter drei Stunden ausgedehnt – bei letztlich zwei Tagesordnungspunkten, den wiederkehrenden Punkten und dem nichtöffentlichen Teil, der aber nur einen Tagesordnungspunkt enthielt. Wie soll das dann erst bei Sitzungen werden, die mehr Punkte enthalten? Im Raum selber wurde von einem Ausschussmitglied dann auch noch Unmut geäußert über die Zugluft, die von der einzigen geöffneten Außentür verursacht wurde – und nach deren Schließen war ihm dann die Lüftungsanlage zu laut. Da muss sich noch einiges ändern, denn das Virus wird nicht bereit sein, Kompromisse zu machen – höchstens Sommerpause. - jobek

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