Erst Geschäft, dann Kneipe und heute Jugendzentrum

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Sind für die offene Jugendarbeit in Kierspe verantwortlich: Susanne Sattler und Christian Schwanke. ▪

KIERSPE ▪ Ursprünglich kauften die Kiersper in dem Flachbau an der Fritz-Linde-Straße mal ihre Fliesen ein, später gab es dort frisch gezapftes Bier in einer Kneipe und auch die Gesamtschule nutzte das Gebäude als Dependance für den Arbeitslehreunterricht, seit 1981 hat das Jugendzentrum in dem Haus seinen festen Platz – also seit genau 30 Jahren.

Die offene Jugendarbeit hatte in Kierspe aber bereits vorher begonnen – damals noch in dem Gebäude am Springerweg, in dem heute die Stadtwerke ihre Sitz haben. Da aber auch andere Gruppen die Räume in dem Haus, das bereits als HJ-Heim, Arbeitsamt und Hauptschule gedient hatte, beanspruchten, wurde nach einem neuen Zentrum für die Jugend der Stadt gesucht – und schließlich an der Fritz-Linde-Straße gefunden. Doch bevor dort das Jugendzentrum im Januar 1981 eröffnet werden konnte, musste das Haus komplett umgebaut werden.

Der Standort wurde bewusst gewählt, galt doch das Gebiet am Felderhof als sozialer Brennpunkt, in dem Menschen aus vielen Nationen dicht beieinander wohnen.

Die Leitung der Einrichtung hat heute Susanne Sattler, die von Christian Schwanke unterstützt wird. Die Leiterin kam bereits 1984 zum erstenmal in Kontakt mit dem Zentrum, damals noch als Praktikantin. Fest angestellt wurde sie dann 1986, wenn auch erst noch mit einer halben Stelle. Die Leitung der Einrichtung hat die gelernte Erzieherin 1988 übernommen.

Bevor Sattler die Leitung übernommen hatte, musste die Stelle mehrfach neu besetzt werden, weil ihre Vorgänger auf andere Positionen wechselten. Die erste Leitung des Zentrum am neuen Standort hatte Angelika Farung. Doch bereits ein Jahr nach dem Umzug wurde sie von Ursula Cordes abgelöst, die allerdings keine zwei Jahre blieb. Unterstützung erhielt diese von Peter Stöckmann, der aufgrund von Differenzen mit der Stadtverwaltung den Posten nach kurzer Zeit schon wieder abgeben musste. Sein Nachfolger wurde Klaus Dieter Janssen, der bis 1984 blieb. Mehr Kontinuität kam mit Heiner Havighorst, der von 1985 bis 1988 im Zentrum blieb. Danach fehlte der männliche Part, weil in diesem Jahr das Jugendzentrum Rönsahl eröffnet und die Stundenzahl aufgeteilt wurde. Für Susanne Sattler bedeutet dies, dass sie von 1986 bis 1996 alleine in dem Zentrum an der Fritz-Linde-Straße arbeitete. Dann kam Ute Selle-Effer mit einer zweiten vollen Stelle dazu. Als sie das Jugendzentrum verließ, wurde die Stelle durch Christian Schwanke ersetzt, der zuvor als Teilzeitkraft im Rönsahler Zentrum gearbeitet hatte.

Dem Jugendzentrum angegliedert sind seit 2003 auch die Streetworker. Als erster hatte Thomas Thieme diese Aufgabe übernommen, der ein Jahr später durch Viktor Klassen abgelöst wurde. Seit 2006 arbeitet Sibylle Wiehle als Streetworkerin in Kierspe.

Mit Susanne Sattler war Ende der 80er Jahre nicht nur Ruhe im Personal-Karussell eingekehrt, es wurde auch an Inhalten gearbeitet, die länger Bestand haben sollten. So gibt es in dem Jugendzentrum bereits seit 1988 eine Computer-AG, in der in den ersten Jahren noch in Basic programmiert wurde. Und sicher gäbe es auch noch die Kanu-AG, wenn der entsprechende Verein, mit dem das Zentrum zusammenarbeitete, noch existieren würde. In diese Zusammenarbeit fielen zahlreiche Wochenendfahrten auf der Lahn und auch eine dreiwöchige Paddeltour in Frankreich.

1988 wurde das Pausencafé ins Leben gerufen. Das bedeutete zusätzliche Öffnungszeiten in der Mittagspause der Gesamtschule. Mittlerweile wurde dieses Angebot von einem Café pro Woche auf vier im Jugendzentrum ausgeweitet, der fünfte Wochentag wird vom Da Capo abgedeckt.

Natürlich spielte Aufklärung zu den unterschiedlichsten Themen immer eine große Rolle. So gab es Aktionswochen zu Bio-Lebensmitteln, Alkohol und Zigaretten. Letztgenannte Aktionswoche hatte auch direkte Auswirkungen auf das Jugendzentrum. Durfte bis 1990 überall und zu jeder Zeit geraucht werden, wurden dann rauchfreie Zeiten eingeführt. So blieb es bis 2008, seit dem herrscht absolutes Rauchverbot im Gebäude und auf dem Gelände.

Neben den pädagogischen Inhalten, stand auch die Freizeitgestaltung immer ganz oben auf dem Programm. So wurde bereits relativ früh Halloween gefeiert, es gab Fahrten in Freizeitparks und Höhlen wurden erkundet. Und mit Christian Schwanke hielt König Fußball Einzug. Der Besuch von Länder- und Bundesligaspielen ist aus dem Jahresablauf nicht mehr wegzudenken.

Beteiligt hat sich das Jugendzentrum an mittlerweile gut 90 Ferienspielaktionen, darunter Rundflüge, Schatzsuche, Fahrradtouren, Fahrten zu Karl-May-Festspielen oder Besuche bei Dreharbeiten zur Lindenstraße.

Gemeinsam mit dem Kreis wird seit 2002 der Stöbertag ausgerichtet. Anfangs mit 75 Kindern, sind es heute rund 180.

Auch wenn der runde Geburtstag des Jugendzentrums in diesem Jahr nicht gefeiert wird, soll es doch einige zusätzliche Aktionen im Geburtstagsjahr geben. ▪ Johannes Becker

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