Eröffnung der neuen Märkischen Werkstätten

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Symbolische Schlüsselübergabe: (von links) Architekt Mario Schurbohm, Johanneswerk-Regionalgeschäftsführer Christoph Pasch, Werkstattratsmitglied Gerald Knieriem, Werksleiter Wolfgang Lill und Johanneswerk-Vorstand Dr. Ingo Habenicht.

Kierspe - Bei Eröffnungsfeiern der meisten Unternehmen wäre diese Satz wohl kaum vorstellbar gewesen. Doch Dr. Klaus Hillringhaus, Leiter des Pastoralen Dienstes im Johanneswerk, sprach ihn gestern bei der festlichen Einweihung der „neuen“ Märkischen Werkstätten in Kiersperhagen ganz bewusst aus: „Das Allerbeste wäre doch , wenn wir solch eine Werkstatt gar nicht mehr bräuchten!“

Von Frank Zacharias

Denn erst dann wäre die Inklusion tatsächlich vollzogen: Behinderte würden wie selbstverständlich mit Nichtbehinderten zusammenarbeiten, Einrichtungen wie die Märkischen Werkstätten wären unnötig. Doch davon sind Politik und Gesellschaft weiter entfernt als sich manche wünschen – und so durfte Freitagvormittag durchaus gefeiert werden, als Architekt Mario Schurbohm dem Vorstandsmitglied des Johanneswerks Dr. Ingo Habenicht, Regional-Geschäftsführer Christoph Pasch, Werksleiter Wolfgang Lill und dem Werkstattratsvertreter Gerald Knieriem den symbolischen Schlüssel zur neuen Produktionsstätte übergab.

Das etwa eineinhalbstündige Programm zur Eröffnung der neuen Halle, zu dem Bereichsleiter Richard Raatz die Anwesenden begrüßte, war geprägt von Worten des Dankes und Lobes für die Mitarbeiter des Johanneswerks, die lange auf diesen Tag haben warten müssen. Und so kam die Rede immer wieder auf Rudolf Lemmerz, den ehemaligen Werkstattleiter, der trotz der erschwerten Bedingungen am alten Standort in Rönsahl das Beste aus der Situation gemacht habe. Vorstandsvertreter Dr. Ingo Habenicht wirkte umso erleichterter, als er in seiner Ansprache die Entwicklung des Märkischen Werks in Kierspe aufzeigte.

Lange Suche nach geeignetem Standort

Was 1970 in der einstigen Waldheimat in Rönsahl begann, führte über die Nutzung der einstigen Sonderschule ab 1980 zu einer Nachfolgesuche, die sich schwerer gestaltete als erhofft – neue Räume waren jedoch zwingend notwendig. Wie mehrfach berichtet, gab es im Johanneswerk als Träger der Werkstätten seit 1998 (!) Überlegungen, einen Neubau zu errichten. In der Folge war der Bau zunächst am Hammerkamp geplant und auch im Gewerbegebiet Kiersperhagen an anderer Stelle: zwischen den Firmen SuK und Goletz. Aus den teils schwierigen Gesprächen mit der Stadt in den vergangenen Jahren machte Habenicht keinen Hehl. Doch überwog gestern die Freude über die positiven Effekte, die der neue Produktionsstandort für die Beschäftigten und Mitarbeiter der Märkischen Werkstätten mit sich bringt: Diese können nun in einem großzügigen, hellen Gebäude arbeiten (siehe Info-Kasten), das in allen Belangen barrierefrei und außerdem entwicklungsfähig ist – etwa im Bereich des Lagers. „Arbeit kann Spaß machen“, betonte Habenicht. Und dass man damit Geld verdient, sei nicht unanständig, sondern gehöre zum Leben dazu. Die Beschäftigten der Märkischen Werkstätten würden „ordentlich verdienen“, da sie qualitativ hochwertige und pünktliche Arbeit leisteten. „Auch das soll gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen“, betonte er.

Die Bedeutung der Märkischen Werkstätten als Instrument der Inklusion hob hingegen Bürgermeister Frank Emde hervor. Wie zuvor Dr. Klaus Hillringhaus forderte auch er, Menschen mit Behinderungen nicht auszugrenzen, sondern einzubeziehen. „In diesem Haus wird nicht diskutiert, sondern praktiziert“, sagte Emde mit Blick auf die Debatten um die Inklusion, die am Ende mit Leben gefüllt werden müsse. „Das müssen viele noch lernen“, so der Bürgermeister, der ebenso betonte, dass Arbeit nicht nur dem Lebensunterhalt nutze, sondern auch Anerkennung verschaffe.

Und auch jene, die im Mittelpunkt der Einweihung stehen sollten, äußerten sich gestern erleichtert über ihre neue Arbeitsstätte: die Vertreter des Werkstattrates und der Mitarbeiter. Grußworte sprachen außerdem Monika Schwanz von der Angehörigenvertretung und Hermann Reyher als Presbyter der Evangelischen Kirchengemeinde Kierspe. Für die musikalische Untermalung sorgten Mitarbeiter Max Jalaly mit Band und Nikolai Kröcker (Oboe).

Für Samstag lädt das Johanneswerk alle interessierten Bürger von 12 bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür in den Märkischen Werkstätten, Am Funkenhof 1, ein.

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