Erneut Suche nach Zonen für Windkraftanlagen

Von Enervie sagten Dr. Arndt Bohrer und Uwe Haring etwas zu den Möglichkeiten der Windenkraftnutzung in Kierspe. ▪

KIERSPE ▪ „Wir wollen Vorrangflächen. Es ist wichtig, dass wir das ganz klar sagen“, betonte der Fraktionsvorsitzende der SPD, Marc Voswinkel, in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung am Dienstag im Rathaus und unterstützte das in der Verwaltungsvorlage vorgesehene planerische Vorgehen bei der möglichen Nutzung der Windenergie in Kierspe.

Das von der Enervie-Gruppe, zu der auch die Mark E gehört, vorgelegte Gutachten lobte er als „sehr wertvoll“. Voswinkel forderte, die Untersuchung im Stadtgebiet weiter voranzutreiben. Konträr dagegen hielt FDP-Fraktionsvorsitzender Armin Jung, der nicht zuletzt wegen der Planungskosten in Höhe von 35000 Euro favorisierte, erst einmal noch abzuwarten, bis die neue Leitlinie Wald und außerdem die angekündigten Ergebnisse der Bezirksregierung vorliegen. Mit den zwei Gegenstimmen der Liberalen fiel trotzdem mit großer Mehrheit der Grundsatzbeschluss, im Flächennutzungsplan Vorrangzonen für die Windenergie darzustellen und dazu eine Bürgerbeteiligung durchzuführen.

Zuvor hatten Uwe Haring und Dr. Arndt Bohrer von Enervie die aktuelle Untersuchung des Energiekonzerns vorgestellt, die im Wesentlichen aber, was die geeigneten Flächen für Windkraftanlagen angeht, zu keinen anderen Ergebnissen kommt als das 2003 und 2004 zu Grund liegende Gutachten: Zum einen gibt es Bereiche an der Autobahn, die aber geringere Windstärken aufweisen, eine Fläche Richtung Halver, weitere im Süden des Stadtgebietes, damals ging es hier um Standorte im Wienhagen und bei Benninghausen, sowie außerdem noch ein Bereich in Rönsahl, wo die Stadt sogar selbst Flächen mit einbringen kann. Kritisch äußerten sich beide zu Kyrill-Flächen, da dort vielfach schon wieder mit Laubwald aufgeforstet worden sei oder sich Biotope entwickelt hätten.

Die starke Zersiedelung, der Waldreichtum, unter anderem auch an der Autobahn, sowie der Schutz seltener Vogelarten wie Schwarzstorch, Roter Milan und Kranich sowie zudem Fledermausvorkommen schränkten die Möglichkeiten bisher und ebenfalls in Zukunft weiter ein. Diese erfordern zumindest eine Auseinandersetzung und vielleicht dezitiertere Beurteilung, wie das andernorts, wussten Haring und Bohrer zu berichten, bereits passiert ist. So könnten Vogelflugbewegungen genauer beurteilt werden, als bloß rund um den Horst einen Kreis von 3,5 Kilometern zu ziehen, wie das damals passierte.

Der städtische Planer Rainer Schürmann zerstreute Zweifel daran, dass die neuerliche Beurteilung des Stadtgebietes notwendig ist, weil die alte aufgrund veränderter gesetzlicher Bestimmungen, so durch den neuen Windenergieerlass, rechtlich keinen Bestand mehr habe und daher erneut eine unkontrollierte Zerspargelung der Landschaft droht. Neben dem Interesse von Enervie, vor Ort auf dem Gebiet der Windenergienutzung aktiv zu werden, gibt es vor Ort längst genauso andere Anfragen. Allerdings gab Schürmann zu bedenken, dass weitere Faktoren in dem Verfahren abgewägt werden müssten wie stadtplanerische mit dem Tourismus oder dem Golfsport. UWG-Fraktionschef Dieter Grafe sah das Thema ganz nüchtern: „Die K.o.-Kriterien haben sich noch verstärkt. Ein Standort wird daher wohl letztlich auf Autobahnnähe hinauslaufen, wie das im Windenergieerlass auch empfohlen wird.“

Marli Fricke von der CDU appellierte, die Windkraft vor Ort wirksam zu stützen: „Sicher ist mit Riesenstress seitens der Bürger zu rechnen. Aber wenn man Windkraft will, dann muss man sie jetzt durchsetzen.“ ▪ Rolf Haase

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare