Erneuerbare Energie im Einklang mit Landschaft

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Zum Stadtgespräch mit dem Thema „Wiedereinstig in den Atomausstieg“ lud der SPD-Ortsverein ein. Es referierten Dr. Arndt Bohrer, Wolfgang Ewald, Petra Crone und Klaus Brunsmeier. ▪

KIERSPE ▪ Der SPD-Ortsverein lud am Mittwoch zum Stadtgespräch ins Rathaus ein. Es war auch gleichzeitig das Werkstattgespräch der SPD Märkischer Kreis.

Gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Petra Crone und dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden des BUND und Vertreter der Umweltverbände im Regionalrat des Regierungsbezirks Arnsberg, Klaus Brunsmeier, außerdem Dr. Arndt Bohrer, Abteilungsleiter Erzeugungsstrategie und Entwicklung der Enervie Gruppe, zu der auch die Mark-E und die Stadtwerke Lüdenscheid gehören, und Wolfgang Ewald, Fraktionsvorsitzender des Regionalrats Arnsberg wurde das Thema „Wiedereinstieg in den Atomausstieg. Sicher, sauber, bezahlbar – auch vor Ort?“diskutiert. Dazu begrüßte die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Monika Baukloh, zahlreich erschienene Gäste aus Politik und Wirtschaft.

Die Moderation des Abends hatte Petra Crone übernommen. Sie gab zu Beginn der Veranstaltung den Anwesenden eine kleine Sicht auf die Bundespolitik: „Nach der schrecklichen Katastrophe von Tschernobyl gingen die Menschen auf die Straße, um gegen Atomkraft zu demonstrieren. Aber es wurde einfach so weiter gemacht. Vor zehn Jahren hat die Bundesregierung den Atomausstieg beschlossen. Der Atomausstieg stand im Gesetz. Die Energiewende wurde eingeläutet. Schwarz-Gelb hat diesen Konsens aufgelöst. Die Katastrophe von Fukushima hat wieder einmal bewiesen, dass Atomenergie nicht beherrschbar ist. Bis 2022 muss nun Schluss ein. Wichtig ist ein ganz breiter Konsens für diese Entscheidung, führte Petra Crone weiter aus. „Allein mit dem Beschluss über den Atomausstieg ist es nicht getan“, führte die Bundestagsabgeordnete weiter aus. Dabei sei Energieeinsparung das oberste Gebot. „Der Ausstieg muss mit Augenmaß passieren. Die Firmen müssen weiter wettbewerbsfähig und Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben“, so Crone weiter.

Klaus Brunsmeier vom BUND stellte die Machbarkeitsstudie vor, die für NRW in Auftrag gebeten wurde und nun vorliegt. Darin wird festgestellt, dass rund 30 Prozent der in NRW verbrauchten Energie auch in NRW erzeugt werden kann. Diese Machbarkeitsstudie solle nun auch umgesetzt werden. Es komme jetzt auf alle Menschen vor Ort an, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen, sagte Brunsmeier. Der BUND sei aber nicht damit einverstanden, erst 2022 aus der Atomkraft auszusteigen. „Der Ausstieg kann schneller erfolgen“, so Brunsmeier. Der BUND ist der Meinung, dass die Energieumstellung regional, dezentral und erneuerbar stattfinden muss. Dazu werde auch die Bewegung von unten gebraucht. Das Gutachten beinhalte eine klare Aussage, so Brunsmeier weiter: „Weniger Energie, mehr Effizienz, Ausbau erneuerbarer Energien.“

„Die Energiewende ist kommunal und muss vor Ort mit den Menschen und mit den Stadtwerken gemacht werden“, führte er aus. Dazu sei die Vernetzung in der Region dringend erforderlich. Auch von den Menschen in der Region müsse das Konzept getragen werden. Ein wesentlicher Eckpunkt der Studie sei, dass zwei Prozent der Fläche für Windenergie bereitgestellt werden müsse. „Damit können die vorgegebenen Ziele erreicht werden. Wir brauchen die erneuerbare Energie im Einklang mit der Landschaft“, so Brunsmeier. Sein Fazit: „Wir können im Regierungsbezirk Arnsberg 100 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien abdecken“. Nur wenn das passiere, könne man aus Atom und Kohle raus.

Als Vorbild, was man vor Ort machen kann, führte Petra Crone die Windkraftanlage in Hilchenbach an. Die Lage aus Sicht der Stadtwerke legte Dr. Arndt Bohrer dar: „Wir haben ganz klar beschlossen, dass wir uns auf erneuerbare Energien konzentrieren“, so Bohrer. Allerdings müssen Windkraftstandorte ausgewiesen werden. Im Märkischen Kreis gebe es kaum genügend Standorte dafür, gab Dr. Bohrer zu bedenken. „Man kann nicht alles haben, da muss die Landschaft auch verspargelt werden“. Die Stadtwerke Kierspe haben beschlossen, in Photovoltaikanlagen zu investieren und das auch in Kierspe an verschiedenen Standorten bereits umgesetzt.

In der Diskussion wies Hermann Reyher auf das Engagement der Grünen hin, die lange vor Tschernobyl ihre Position in Sachen Atomausstieg klar definiert haben. „Es müssen Kompromisse geschlossen werden, was den Naturschutz angeht“, sagte er.

Brunsmeier hoffte, dass der hohe gesellschaftliche Druck zum Ausstieg aus der Atomkraft bestehen bleibe. So sei der BUND durchaus bereit, Windenergieanalgen auch in den Wald zu setzten, wo es anders nicht möglich ist. Dieter Grafe zeigte sich verwundert darüber, wie viel Scheinheiligkeit in der Politik herrsche. Der Bürger wolle zwar alles, aber es solle ihn nicht belästigen. „Das wird ein schwieriges Feld werden“, prognostizierte Grafe. Man müsse den Bürgern auch sagen, was an Kosten dafür auf sie zukommt. „Die großen Firmen werden Atomstrom aus dem Ausland dazugekauft und wir sind die Gelackmeierten“, befürchtete Grafe. Marc Voswinkel gab zum Thema Gesetzgebung zu bedenken, dass die Kommunen die Zeit haben müssten, Planungssicherheit zu schaffen. „In die Entscheidungs- und die Planungsprozesse müssen die Bürgern miteinbezogen werden, denn nur mit Zustimmung der Bevölkerung kann die Energiewende stattfinden,“ so Voswinkel. „In der Bevölkerung ist ein enormes Umweltbewusstsein zu erkennen und das wird nicht mehr umkehrbar sein“, befand Wolfgang Ewald zum Schluss der zweieinhalbstündigen Veranstaltung. ▪ bel

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