Gefahr für Kinderfeuerwehr von Rot-Grün in Düsseldorf

Die Gründung der ersten Kinderfeuerwehr im Märkischen Kreis fand 2012 auch überregional ein sehr positives Echo. Jetzt droht dem Erfolgsmodell Gefahr von der rot-grünen Landesregierung. ▪ Archivfotos: Haase

KIERSPE ▪ Die Kinderfeuerwehr in Kierspe stellt ein Erfolgsmodell dar, das immer mehr Schule macht. Doch jetzt könnte die Fortführung dieser Arbeit gefährdet sein, da sich die Regierungskoalition in Düsseldorf gegen Kinderfeuerwehren in Nordrhein-Westfalen ausgesprochen hat.

Gegründet wurde die Kinderfeuerwehr im Januar des vergangenen Jahres als erste dieser Art im Märkischen Kreis, der Lüdenscheid dann aber schnell folgte. Schon da konnten nicht alle Mädchen und Jungen aufgenommen werden, sondern es wurde eine Warteliste angelegt, so groß war der Ansturm. Nachdem von den rund 35 Kindern die ersten drei vor einigen Monaten in die Jugendfeuerwehr gewechselt sind und weitere vier demnächst folgen, sind wieder Aufnahmen möglich. Die Kiersper bekommen immer wieder Besuch von Feuerwehren aus ganz Nordrhein-Westfalen, die sich über die Möglichkeiten, den Aufbau, die Organisation und die konkrete Arbeit der Kinderfeuerwehr informieren wollen, weil es selbst Überlegungen in diese Richtung gibt.

Doch aktuell sorgte die Meldung, dass SPD und Grüne nach einem CDU-Vorstoß im Innenausschuss gegen die gesetzliche Verankerung der Kinderfeuerwehren im Feuerschutz- und Hilfeleistungsgesetz votiert haben, für große Verunsicherung: Stadtbrandmeister Georg Würth musste bereits zahlreiche Bürger und vor allem die Eltern der Kinder beruhigen, dass die Arbeit erst einmal ganz normal weiterlaufe, da es sich bislang nur um eine Vorentscheidung handele und nicht um eine endgültige Entscheidung des Landtages. Der Meinungsbildungsprozess sei noch nicht abgeschlossen.

Er hofft, dass es hier letztlich noch eine Änderung geben wird und die Initiative des Landesfeuerwehrverbandes, der sich stark für die Gründung von Kinderfeuerwehren einsetzt, um die Nachwuchsprobleme der freiwilligen Brandschützer nachhaltig in den Griff zu bekommen. So zeigten Ergebnisse aus anderen Bundesländern, dass im ländlichen Raum ein Drittel der Kinder und in den Städten sogar zwei Drittel später in den aktiven Dienst wechseln. Die Jugendfeuerwehr setze altersmäßig zu spät ein, weil viele Mädchen und Jungen hinsichtlich ihrer Freizeitbeschäftigung und Hobbys dann schon festgelegt seien.

Würth will auf dem politischen Wege versuchen zu intervenieren, ist aber auch entschlossen notfalls sogar bis zum zivilen Ungehorsam zu gehen. Zu gut sind die Erfahrungen, die es mit Kinderfeuerwehren bislang gebe: So seien diese in Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz genauso schon gesetzlich verankert wie in den neuen Bundesländern und auch andere Länder würden verstärkt darüber nachdenken. Die Absicherung werde auch deshalb vom Feuerwehrverband vorangetrieben, weil Kinderfeuerwehren gegenwärtig nicht über den Gemeindeunfallverband versichert sind, sondern alternativ private Versicherungen abgeschlossen werden müssten, was in Kierspe von der Provinzial gesponsert werde. Auch andernorts wird mit Sponsoren kooperiert.

Über die Gründe, warum sich die Ausschussmitglieder von Rot-Grün gegen Kinderfeuerwehren ausgesprochen haben, kann der Kiersper Stadtbrandmeister letztlich nur spekulieren: Eine entscheidende Rolle mögen aus seiner Sicht so die befürchteten Kosten spielen, obwohl die Arbeit in Kierspe zeige, dass eben die bei der praktischen Arbeit so gut wie gar nicht anfallen. Allgemeine Jugendarbeit, wie sie bei den Treffen überwiege, sei preiswert und die Ausbildung der Leitungspersonen laufe genau wie bei anderen Vereinen über den Jugendgruppenleiterschein, der beim Märkischen Kreis erworben werden kann. Schade fände der Feuerwehrchef der Volmestadt es, wenn eine so sinnvolle Einrichtung nur gekippt werde, weil die Initiative in dem Fall vom politischen Gegner kommt.

Unverständnis zeigt Georg Würth, der ebenfalls Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes ist, besonders auch deshalb, weil sein Verband sich vor der Landtagswahl im vergangenen Jahr extra an die politischen Parteien gewandt und ihre Position zu verschiedenen Feuerwehrthemen abgefragt hat. Unter anderem sei es da auch um die Kinderfeuerwehren gegangen und alle Parteien hätten sich zu dem Zeitpunkt klar positiv ausgesprochen, auch SPD und Grüne.

Im April fand eine Anhörung im Landtag mit den kommunalen Spitzenverbänden, aber auch dem Feuerwehrverband teil, an dem Würth und außerdem Sabine Voss von der Berufsfeuerwehr Dormhagen teilnahmen und über die Kinderfeuerwehren berichteten und für diese warben. Unter anderem wurde von den Landespolitikern gefragt, wie ihre Etablierung realisiert und vor allem finanziert werden solle. Der Kiersper Stadtbrandmeister erinnerte an dieser Stelle daran, dass, als Anfang der 90er Jahre damit begonnen wurde, Frauen in der Feuerwehr aufzunehmen, auch niemand gefragt habe, wie das umgesetzt werden solle: „Bis heute existieren in Kierspe, wo es einen im Vergleich sehr hohen Frauenanteil in den Löschzügen gibt, zwar separate sanitäre Anlagen, aber keine getrennten Umkleiden, woran sich jedoch bislang niemand stört.“ ▪ Rolf Haase

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