Erfolgsmodell Helfer vor Ort bereits seit zehn Jahren

Jochen Reiffert, Fares Bäcker, Aloys Steppuhn und der damalige Bürgermeister und Schirmherr des Helfer vor Ort Jochen Timpe unterzeichenten am 18. Derzember 2003 die Vereinbarung.

KIERSPE - Dem Deutschen Roten Kreuz steht ein großes Jubiläum ins Haus: Am 1. Januar 2014 ist der Stichtag für das zehnjährige Jubiläum der Aktion Helfer vor Ort. Anfang Januar des Jahres 2004 meldeten sich zwei Aktive das erste Mal ehrenamtlich bei der Rettungsdienstleitstelle bereit, um bei lebensbedrohlichen Notfällen Erste Hilfe zu leisten.

„Etwa zwei Drittel der Zeit im Jahr sind wir seitdem einsatzbereit“, resümiert Fares Bäcker stolz. Vor zehn Jahren war er es, der die Initiative ins Leben gerufen hatte. Der damalige Rotkreuzleiter hatte zusammen mit dem Vorsitzenden Jochen Reiffert zuvor viele Gespräche mit Politik, anderen Hilfsorganisationen vor Ort und Verwaltungen geführt. Am 18. Dezember 2003 unterzeichneten Reiffert und der damalige Landrat Aloys Steppuhn dann die „Vereinbarung zur Verbesserung der Versorgung der Kiersper nach lebensbedrohlichen Notfällen“.

Die Idee hat sich seit dem nicht verändert: Kommt es im Kiersper Stadtgebiet zu einem Notfall, bei dem über den Notruf 112 Rettungsdienst und Notarzt alarmiert werden, klingeln bei zwei ehrenamtlichen Helfern in Kierspe die Einsatzmeldeempfänger. Gleichzeitig rücken dann nicht nur der Rettungswagen aus Meinerzhagen und der Notarzt aus Lüdenscheid aus, sondern auch die beiden DRK-Kräfte. Vor deren Haustüren steht je ein Einsatzfahrzeug, mit dem sie zur Einsatzstelle fahren. Da die Helfer in Kierspe wohnen, können sie häufig ein paar Minuten früher am Ort des Geschehens sein und kompetente Erste Hilfe leisten. Dieser Zeitvorteil kann Leben retten, zeigen sich die Aktiven sicher.

Immer zwei Helfer haben gleichzeitig Dienst. Da sie in ihrer Freizeit retten, stehen sie als Helfer vor Ort zwischen 18 und 6 Uhr und an Wochenenden rund um die Uhr zur Verfügung. Nach ihrer Bereitschaftszeit, für die sich jeder Helfer freiwillig nach den eigenen zeitlichen Möglichkeiten in den Dienstplan eintragen kann, übergeben sie das Einsatzfahrzeug, den Funkmeldeempfänger und die Notfallausrüstung an den nächsten Helfer im Plan.

„Auf 1650 Einsätze können wir in den vergangenen zehn Jahren zurückblicken“, präsentiert Bäcker die beeindruckende Statistik. Alleine im aktuellen Jahr sind wir bisher 271 Mal ausgerückt“, fasst er zusammen. Die Einsatzzahlen sind dabei seit 2004 jährlich steigend. „Während wir im ersten Jahr 70 Mal ausgerückt sind, hat sich die Zahl inzwischen fast vervierfacht“.

In den Anfangszeiten rückten die Helfer mit privaten Fahrzeugen aus, die mit einem leuchtenden Dachaufsetzer ausgerüstet waren. Als Spende von der Kiersper Feuerwehr kam schnell ein Automit Blaulicht und Martinshorn hinzu, der von den Ehrenamtlichen genutzt werden konnte. 2005 und 2006 wurden dann zwei baugleiche Skoda Fabia angeschafft, die von nun an für Einsatzfahrten genutzt wurden. Mit dem ersten der beiden Fahrzeuge ereignete sich vor einigen Wochen während einer Einsatzfahrt ein Unfall, den die Beteiligten aber unbeschadet überstanden, das Fahrzeug jedoch einen Totalschaden erlitt. Momentan nutzen die Helfer vorrübergehend ein anderes DRK-Fahrzeug für die Bereitschaften.

Im Laufe der zehn Jahre fuhren insgesamt 45 Rotkreuzler als Helfer vor Ort. „Wir haben die unterschiedlichsten Einsätze erlebt“, so Bäcker. „Es gab spektakuläre Notfälle, bei denen der Rettungshubschrauber hinzugezogen wurde, etliche Herz-Lungen-Wiederbelebungen sind durchgeführt worden, aber auch viele kleinere, aber nicht weniger wichtige Hilfeleistungen gab es“.

„Wenn unseren Aktiven durch Kierspe fahren“, stellt Vorsitzender Jochen Reiffert dar, „sehen sie nicht nur Haustüren und Wohnungen, sondern erinnern sich bei so mancher Adresse an erfolgreiche Einsätze, aber auch Schicksale.“ Die Rotkreuz-Aktiven sind sich unterdessen sicher, durch ihre Initiative mehr als nur einmal Leben gerettet zu haben.

Während sich die Helfer einstimmig einig sind, mit dem Projekt fortfahren zu wollen, sieht sich die Gruppe derzeit neuen Herausforderungen gestellt: „Momentan füllen wir mit 13 Helfern unseren Dienstplan“, stellt Bäcker da, der seit Beginn die Organisation im Hintergrund sicherstellt. „Das bedeutet für uns eine große zeitliche Belastung in der Freizeit, die wir gerne auf weiteren Schultern verteilen möchten“. Unter anderem die zunehmende Belastung durch den Beruf und zeitliche Einschränkungen dadurch machen es durchaus nicht immer einfach, den Dienstplan zu füllen.

„Wir haben gemeinsam einige Ideen entwickelt, wie wir zukünftig unser Projekt weiter stemmen möchten“, so Bäcker. Eine Säule seien neue Aktive, die die Helfer vor Ort aktiv unterstützen möchten. Dies können zum einen neue ehrenamtliche Rotkreuz-Aktive sein, die sich für das Projekt einsetzen möchten. Zum anderen können sich aber auch Freiwillige ausschließlich als Helfer vor Ort engagieren. „In unserem Jubiläumsjahr werden wir die verschiedenen Ideen umsetzen und so den Grundstein für ein weiteres Jahrzehnt Helfer vor Ort in Kierspe sichern“, kündigt Fares Bäcker an.

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