Ereignisreiches Jahr liegt hinter der Kiersper Wehr

Feuerwehr bleibt auch in der Pandemie einsatzbereit

Christian Brüning fotografiert das neue Gerätehaus mit einer 3D-Kamera. Mike Budde (rechts) will die Aufnahmen an der Akademie für Brandschutz in Dülmen als Arbeitsmaterial einsetzen.
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Christian Brüning fotografiert das neue Gerätehaus mit einer 3D-Kamera. Mike Budde (rechts) will die Aufnahmen an der Akademie für Brandschutz in Dülmen als Arbeitsmaterial einsetzen.

Ein neues Gebäude, ein neues Fahrzeug und ein neuer Zug – bei der Feuerwehr hat sich im vergangenen Jahr viel getan und auch in den kommenden Jahren haben die Ehrenamtlichen noch einiges vor sich.

Kierspe - „Vieles von dem, was wir für 2020 geplant hatten, konnte nicht oder nicht so, wie wir es geplant hatten, über die Bühne gehen“, sagt Wehrleiter Mike Budde rückblickend. Zwar sei es gelungen, die beiden Innenstadtzüge zu einer neuen Einheit zu fusionieren – „was wir aber auch schon seit Jahren vorbereitet haben“. Auch sei man aus den beiden alten Gerätehäusern in das neue umgezogen und habe die Alarm- und Ausrückeordnung an die neuen Verhältnisse angepasst, aber alles ganz anders als geplant. „Wir konnten den Einzug in das neue Gerätehaus nicht feiern. An ein gemeinsames Üben des neuen Zuges war und ist nicht zu denken. Wir sind nach wie vor in einem Notbetrieb, der aber keinen Einfluss auf unsere Einsatzfähigkeit hat“, sagt Budde. Derzeit treffe man sich nur zu den Anlässen, die zwingend erforderlich seien, um die Einsatzbereitschaft aufrecht zu erhalten.

Abstand halten

Dass die Wehr derzeit unter ganz anderen Voraussetzungen funktionieren muss als in den Vorjahren, wird auch in den Gerätehäusern deutlich. In dem neuen Gebäude an der Dr.-Hans-Wernscheid-Straße sind die neuen Whiteboards noch nicht montiert. Auch in allen anderen Gerätehäusern fehlen noch die Monitore, die Bestandteil des neuen Alarmierungssystems Alamos sind. Bei allen notwendigen Diensten in den Gerätehäusern und bei den Fahrten zum Einsatz tragen die Wehrleute FFP2-Masken und in den Fahrzeugen sitzen weniger Einsatzkräfte als in Vor-Coronazeiten. „Überall dort, wo es geht, halten wir den Mindestabstand ein“, sagt Budde. Und auch, als die Übungsdienste im Sommer des vergangenen Jahres für ein paar Monate möglich waren, hielten sich die Wehrleute zurück und an ihr eigenes Hygienekonzept. Budde: „Dabei kamen höchstens fünf Leute zusammen – und dann auch immer die gleichen. Doch es war gut, dass wir die Zeit hatten, denn dadurch konnten wir mit dem neuen Fahrzeug üben.“ Ab Oktober sei dann aber auch mit diesen sehr eingeschränkten Diensten wieder Schluss gewesen.

Personalsituation

Auf die Personalsituation hat die Corona-Pandemie noch keinen Einfluss. So hat die Einsatzabteilung derzeit 135 Mitglieder, im Jahr 2019 waren es „nur“ 126. „Da hat das neue Gerätehaus sicher auch seinen Anteil dran“, vermutet Budde. Allerdings hätten die neuen Mitglieder, da es sich um Quereinsteiger handele, noch keine Grundausbildung absolviert. Diese soll in naher Zukunft online starten, in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Schalksmühle, mit der man auch sonst in Ausbildungsfragen gemeinsam agiere. Zu den genannten Neuaufnahmen werden, so sagt Budde, im kommenden Jahr auch noch einige Wehrleute aus der Jugendfeuerwehr stoßen.

Ausbildungsobjekt

Das neue Gerätehaus wird Ausbildungsobjekt an der Akademie für Brandschutz, Umweltschutz und Hygiene in Dülmen, an der Mike Budde als Dozent tätig ist. Ein anderer Dozent, Christian Brüning, hat es übernommen, das Gerätehaus mit einer 3D-Kamera zu fotografieren, damit die Akademie-Besucher das Gebäude virtuell betreten können.

Um Menschen, die an der Arbeit der Wehr Interesse haben, aber sich nicht in den aktiven Einsatzdienst einbringen wollen, eine Möglichkeit zur Mitarbeit zu geben, hat die Kiersper Wehr eine Unterstützungsabteilung gegründet. Die ersten vier Mitglieder der neuen Truppe habe man schon. So überprüft ein ehemaliges Wehrmitglied weiterhin die tragbaren Leitern, ein anderer Unterstützer hilft beim Unfallschutz, ein Dritter lehrt im Ausbildungsbereich und der Vierte wird in der Wartung des Fuhrparks eingesetzt. „Wir sind froh, dass wir in dieser schwierigen Zeit wachsen konnten und kein Mitglied verloren haben, auch nicht in der Jugendfeuerwehr“, sagt Budde.

Tagesbereitschaft

Dass die Wehrleute dringend benötigt werden, zeigt auch ein Blick in die Einsatzstatistik (» Infokasten). Zwar gab es im vergangenen Jahr weniger Einsätze als in den Vorjahren, aber mit 198 Einsätzen immer noch mehr als genug. Vor allem während des Tages ist die Wehrleitung über jeden Ehrenamtlichen froh, der zum Einsatz kommen kann.

In Rönsahl beispielsweise ist das schon seit Längerem nicht mehr der Fall, deshalb wird im Einsatzfall immer die Wehr in Marienheide und Teile des Löschzugs Stadtmitte alarmiert.

Anbau in Vollme

Für die nahe Zukunft kündigt Budde einige Neuerungen bei der Wehr an. So wird es einen neuen Gerätewagen Logistik geben, der den Gerätewagen Gefahrgut ablöst. Mit der Auslieferung des neuen Wagens, der seinen Standort im neuen Gerätehaus haben wird, rechnet der Wehrleiter im Mai 2022.

In Vollme soll es einen Anbau ans Gerätehaus geben, bei dem Budde lieber von einem Neubau spricht. Dieser ist wohl auch dringend erforderlich, da moderne Fahrzeuge nicht mehr ins alte Gebäude passen. Auch ein neues Fahrzeug könnte sich Budde für diese Löschgruppe gut vorstellen, entweder ein neues Hilfeleistungs-Löschfahrzeug (HLF) oder ein Katastrophenschutz-Löschfahrzeug (Kat-LF). Letzterer hätte den Vorteil, dass er vom Bund zum großen Teil bezahlt würde.

Bedarfsplan

Letztlich wird aber nicht der Wunsch des Wehrleiters oder der Löschgruppe darüber entscheiden, sondern der Brandschutzbedarfsplan. Dieser wird derzeit erstellt und soll im späten Frühjahr vorliegen. Der neue Bedarfsplan wird erstmals nicht von der Wehr selbst geschrieben, sondern von einer außenstehenden Agentur, in diesem Fall von der Kommunalagentur.

Einsätze und Stärke der Kiersper Feuerwehr

Derzeit gehören der Einsatzabteilung der Kiersper Wehr 135 Mitglieder an – 109 Männer und 26 Frauen. Zur Ehrenabteilung gehören 56 Wehrleute, der Spielmannszug hat 22 Mitglieder, die Jugendfeuerwehr 53 und die Kinderfeuerwehr hat 28 Mitglieder. Im vergangenen Jahr hatte die Wehr 147 Einsätze zu bewältigen, die sich folgendermaßen aufschlüsseln: 41 Brandeinsätze, 76 Technische Hilfeleistungen und 30 Fehlalarme. Hinter den Fehlalarmen stecken neun sogenannte Blinde Alarme, sechs Fehlalarmierungen durch Rauchmelder und zwölf durch Brandmeldeanlagen. Außerdem gab es drei sogenannte Böswillige Alarmierungen. Diese Zählweise entspricht der der Leitstelle. In Kierspe werden die Einsätze nach Alarmierungen der Züge gezählt, deshalb kommt man dort auf 198 Einsätze, da bei vielen Einsätzen mehrere Züge rausfahren.

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