Änderung der Wahlbezirke sorgt in Kierspe für Wirbel: „Das ist bürgerunfreundlich“

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Neue Zuschnitte haben die Wahlbezirke in Kierspe nach der Einteilung im Oktober 2019 erhalten. Insbesondere für die ländlichen Bezirke 8 und 17 gelten durch den Wegfall von zwei Wahllokalen einige Änderungen.

Kierspe - „Ich glaube nicht, dass einer nach Kierspe fährt. Es wird sich auf die Wahlbeteiligung auswirken!“ Dieter Grafe, UWG-Ratsherr, ist immer noch die Empörung anzumerken, wenn es um das Thema „Wahlbezirkseinteilung“ und im Besonderen um die Schließung der Wahllokale Neuenhaus, Vollme und Bisitz geht.

Dabei ist die Sitzung des Wahlausschusses schon rund drei Monate, wo die Einteilung mehrheitlich verabschiedet wurde. Dabei habe der Bürgermeister zuvor versprochen, so der UWG-Ratsherr, dass alles beim Alten bleibe. Doch dies sei nicht eingehalten worden, vielmehr habe man „mit einem Federstrich die ländlichen Wahlbezirke ausgerissen“.

Elf Hoflagen müssten jetzt in Kierspe im Hotel „Unter den Linden“ wählen. Allein der bisherige 500 Meter lange Weg der 18 Familien aus Romberg zum Wahllokal in Neuenhaus verlängere sich auf sechs oder sieben Kilometer. Grafe befürchtet, dass viele diesen Weg am 13. September nicht machen werden. Und hofft gleichzeitig, dass sie dann per Brief wählen.

Nicht anders sehe es in Volme aus, dort sei wie in Neuenhaus ein barrierefreies Wahllokal gestrichen worden. Die Vollmer und umliegenden Wähler müssten nun nach Bollwerk. „Der Nachbarhof muss nun in Bollwerk wählen, wir in Kierspe“, moniert der Unabhängige, dass die Grenzen mitten durch Ortslagen gehen würden. „Das ist bürgerunfreundlich, hat mit Bürgernähe nichts zu tun“, kritisiert Dieter Grafe. Das, was man durch die nicht mehr benötigten Wahlhelfer einspare, so der Unabhängige, sei durch die beiden Verwaltungsmitarbeiter, die zwei Wochen an der Neueinteilung gearbeitet hätten, um ein Vielfaches wieder ausgegeben worden.

Dieter Grafe macht aber nicht nur darauf aufmerksam, dass beispielsweise das Wahllokal Neuenhaus so etwas wie Brauchtum sei – „Meine Eltern haben dort schon gewählt!“ – , sondern ebenfalls, dass die Interessen im ländlichen Bereich (baurechtliche Fragen, Löschwasserversorgung et cetera) anders seien als in der Stadt Kierspe.

Durch die neue Einteilung habe zudem der (gewählte) Ratsvertreter ein viel größeres Gebiet zu betreuen – dabei gehe es wirklich um Betreuung der Menschen im ländlichen Bereich. Zudem seien gerade die Wahllokale im ländlichen Bereich wie Vollme, Neuenhaus oder Bollwerk am Wahltag regelrechte Treffpunkte, zumal dort auch meist für gastronomische Angebote gesorgt wurde.

Dieter Grafe, der schon sechsmal bei Kommunalwahlen angetreten ist und mittlerweile seit 30 Jahren dem Kiersper Rat angehört, verschweigt nicht, dass er regelmäßig etwa 55 Prozent der Stimmen in Neuenhaus geholt und das Direktmandat für die UWG gewonnen hat. Auch wenn er im September im Bezirk Bollwerk antreten wird und der „Betreuungsbereich“ deutlich größer ist, so habe das „seinen Ehrgeiz nur noch mehr angestachelt“. Doch bei all seiner Empörung über und Kritik an der Wahlbezirkseinteilung: „Das Schlimme ist, dass der Wahlausschuss diesem Murks zugestimmt hat!“, schüttelt Dieter Grafe den Kopf.

Wahlbezirke Kierspe

Die neue Einteilung der Wahlbezirke für die Kommunalwahl sieht wie folgt aus:

01 Gemeindehaus Christuskirche 

02 Feuerwehrgerätehaus Wildenkuhlen 

03 Pestalozzischule 

04 Seniorenzentrum Awo 

05 Gemeindehaus Glockenweg 

06 Evangelisches Gemeindehaus Rönsahl 

07 Alte Post Rönsahl 

08 Dorfgemeinschaftshaus Bollwerk 

09 Freie Schule Erlen 

10 Rathaus, Mehrzweckraum A 

11 Schanhollenschule 

12 Gesamtschule/Mensa 

13 Vereinsheim Kleingärtner 

14 Gaststätte „Zur Post“ 

15 Lutherhaus 

16 Hotel „Unter den Linden“ I 

17 Hotel „Unter den Linden“ II

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