Emotionaler Abschied von Monika Hahn

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Monika Hahn wurde von Sigrid Kuck von der Bezirksregierung in den Ruhestand verabschiedet. ▪

KIERSPE ▪ 38 Jahre lang war es ihre Schule. Sie hat für sie gelebt und gekämpft. Wenn es seien musste, wie eine Löwin: Die Rede ist von Monika Hahn. Kaum jemand prägte das Gesicht der Kiersper Gesamtschule in den vergangenen Jahren so wie sie. Doch damit ist nun Schluss. Am Mittwoch verabschiedeten Schüler, Kollegen, Freunde und Wegbegleiter Monika Hahn in den Ruhestand.

Am Ende verlor sie dann doch die Fassung: Mit glasigen Augen und zitternder Stimme sprach Hahn ein letztes Mal als Schulleiterin: „Ich kann nur noch weinen. Aber eines muss hier noch einmal betont werden: Eine gute Schule macht man nicht alleine. Ohne euch wäre diese Schule nicht das, was sie jetzt ist.“ Wie hätte es anders sein können: Selbst an „ihrem“ Tag schaffte es Hahn nicht sich, sondern die Schule in den Mittelpunkt zurücken. „Monika Hahn war gradlinig und zielorientiert. Es war ihre Schule. Sie hat sich mit ihr identifiziert. Dabei zählten für sie allein die Schüler und Lehrer“, lobte Clemens Wieland, Vorsitzender des Schulausschusses. Wie recht er mit seiner Einschätzung hatte, zeigte sich in der kurzen Ansprache der scheidenden Schulleiterin: „Ich möchte euch nur eines mit auf den Weg geben: Glaubt an eure Schüler, auch wenn sie selbst nicht mehr an sich glauben. Seid nicht nur Lehrer sondern auch stets ein Stück Mutter oder Vater.“ Keine Spur von Lobesreden über das, was sie in ihren sechs Jahren als Schulleiterin geleistet hat. Und das war einiges. Vieles davon ist für die Schüler heute selbstverständlich, wie beispielsweise die Bläserklasse, doch der Weg dorthin war oftmals steinig und schwer.

„Seit 2006 waren Sie die first lady der Gesamtschule. Für Sie war die Tätigkeit als Schulleiterin kein x-beliebiger Job. Es war eine Aufgabe, die sie mit vollem Einsatz bewältigt haben“, erklärte Bürgermeister Frank Emde. Dabei habe sie nicht selten vor großen Herausforderungen gestanden. Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit habe beispielsweise über Nacht eine Sporthalle gefehlt. „Die Arbeit zwischen Schulträger und Schule habe nicht nur in diesem Fall reibungslos funktioniert“, so Emde weiter. Besonders hervorzuheben sei die Kooperation von Schule und Wirtschaft, die Hahn in den vergangenen Jahren angeregt und ausgebaut habe. Auf der kulturellen Seite habe es durch die Einrichtung der Bläserklassen einen musikalischen Quantensprung gegeben. Die Ansprüche an eine Schulleitung hätten sich stark verändert, längst ginge es nicht mehr nur um Wissensvermittlung. Emde: „Ihnen ist es gelungen – sicherlich in zuweilen intensiven Diskussionen, sicherlich meist in geduldiger und bestimmter Überzeugungsarbeit – Lösungen zu finden und zum Wohl der Gesamtschule umzusetzen.“

Für das Kollegium übernahmen Rolf Muck und Bernd Weber die Abschiedsrede. Die beiden hatten sich im Vorfeld natürlich ordentlich Gedanken gemacht, schließlich wurde dort nicht irgendwer verabschiedet. Fest stand: die Rede musste literarische Qualität haben, „schließlich hatte sie einen Deutsch-Leistungskurs“. Heraus kam eine amüsante Ansprache mit jeder Menge Tiefgang: „Sieben Jahre ist es her, dass wir mit Kapitän Hahn in See gestochen sind.“ Sicher habe sie den Pott durch den Ozean der Gesamtschulen gelenkt, „hatte zwar Feuer an Bord, eine Überflutung des Salons, erhielt ein neues Blasorchester, musste die Qualitätsinspektoren der Reederei über sich ergehen lassen, havarierte fast im Meer der Inklusion und Illusion und steuert nun in den Hafen der alternden Seeleute – jetzt geht sie von Bord, uns wird was fehlen.“

Und nicht nur den beiden wird Monika Hahn fehlen, auch den Schülern fiel der Abschied sichtlich schwer: „Wir waren Ihnen wichtig. Sie haben uns und unsere Zweifel ernst genommen“, lobte Schülersprecher Steffen Wieland.

Am Ende der zweistündigen Abschiedsfeier ließen dann alle Anwesenden ihren Emotionen freien Lauf. Während auf der Bühne Schüler und Lehrer gemeinsam eine ganz persönliche Version von „Love changes everything“ sangen, wurde im Publikum hektisch nach Taschentüchern gekramt. „Monika wir sind heut´alle da, dir zu sagen du bist ein Star“, schallte es von der Bühne. ▪ Lydia Machelett

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