Einsicht ins komplexe Thema „frühkindliche Reflexe“

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Heike Siepermann (rechts) führte die Hand-Kante-Faust-Übung den Eltern vor.

Kierspe - Läuft ein Kind lange auf Zehenspitzen, wirft es einen Ball, aber nicht zielgerichtet oder fasst es vor der Einschulung den Stift immer noch mit der ganzen Hand, statt mit drei Fingern, so kann das Kind immer noch frühkindliche Reflexe haben, die es schon lange abgelegt haben sollte. Rund um das Thema „Persistierende frühkindliche Reflexe“ informierte die Physiotherapeutin und Osteopathin Heike Siepermann eine Gruppe Eltern im Awo-Familienzentrum Rasselbande an der Höherstraße.

„Wir hatten diese frühkindlichen Reflexe alle, sie waren für uns lebensnotwendig, doch irgendwann sollten sie weg sein“, begann Siepermann in das Thema einzuführen. So sollten sich auch Greifreflexe bei Babys zurückbilden, denn auch Kleinkinder müssen bald lernen loszulassen. „Heute geht es um das Beobachten und das Erkennen, ob sich alles im normalen Rahmen bewegt“, schlug die Physiotherapeutin vor. „Ansonsten sollte ein Arzt aufgesucht werden.“

Am Beispiel der Gleichgewichtsreaktionen verändern sich ab dem sechsten Lebensmonat Halte- und Stützreaktionen und die Kinder erlernen seitliches Kippen aus der Bauchlage. Ab dem siebten Lebensmonat ist dies auch aus der Rückenlage möglich. Ab dem ersten Lebensjahr werden Halte- und Gleichgewichtsreaktionen im Sitzen und im Vierfüßler-Stand ausgelöst und ab dem zweiten Lebensjahr beginnen diese Reaktionen im Stand und ab dem dritten Lebensjahr ebenfalls im Gang. Diese Entwicklung gibt es nicht nur im Bereich Gleichgewicht, sondern auch bei den Greifreflexen, die nach dem dritten Monat nachlassen sollten.

„Zwei Reflexe machen uns die meisten Sorgen“, so Heike Siepermann. „Das sind der Saug- und Suchreflex sowie der Greifreflex.“ Doch nicht nur Theorie vermittelte die Osteopathin den Eltern. Ebenso standen praktische Übungen auf dem Plan. Ein Luftballon, eine Fliegenklatsche und ein paar Bierdeckel waren die Ausrüstung, die jeweils zwei Eltern an die Hand bekamen. Anfangs war es noch einfach, mit der Fliegenklatsche den Luftballon dem Spielpartner zuzuschlagen. Danach hieß es, einen Bierdeckel unter der linken Armachsel zu halten und nicht zu verlieren. Es folgten dann die rechte Armachsel, beide Knie und das Kinn, unter das die Bierdeckel zu klemmen waren.

Zum Schluss musste er auf dem Kopf belassen und dabei noch mit der Fliegenklatsche dem Spielpartner der Luftballon zugeschlagen werden. Eine weitere Übung für die Eltern war die Hand-Kante-Faust-Übung, mit der Eltern die Entwicklung ihres Kindes verfolgen können. Über zwei Stunden befassten sich die Eltern und Heike Siepermann mit den frühkindlichen Reflexen, um einen Einblick in das Thema zu bekommen.

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