Eisheilige ärgern Kiersper Gärtner und Landwirte

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Jeden Tag schaut Melitta Küsel nach ihren Setzlingen. Ohne den Petroleumofen und die Kerzen, wäre es nämlich sogar in der Laube zu kalt für die jungen Pflanzen. ▪

KIERSPE ▪ Kalt, nass, grau: Der Mai präsentiert sich nicht unbedingt von seiner besten Seite. Und zu allem Überfluss treiben zurzeit auch noch Mamertus, Servatius und Co. ihr Unwesen.

Vor den Eisheiligen haben sie alle Respekt. Kleingärtner, Landschaftsbauer und Landwirte hoffen nun aufs Wochenende. Denn mit dem Besuch der kalten Sophie am Samstag, sollten die kalten Tage und Nächte endgültig vorbei sein. „Na hoffen wir’s mal“, sagt Melitta Küsel, Vorsitzende vom Kleingärtnerverein Thingslinde. Warm eingepackt steht sie in ihrer Laube und wirft einen traurigen Blick auf die kleinen Zöglinge. Tomaten-, Gurken-, und Kohlrabipflanzen. Teilweise in zweiter Generation.

Die ersten Pflanzen sind schon kaputt gefroren

Denn die ersten Exemplare sind den Hobbygärtnern kaputt gefroren. „Das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. „Wir können zur Zeit nicht viel tun.“ Außer die vorgezogenen Pflanzen, die’s geschafft haben, möglichst warm zu halten.

Und da kämpfen die Gärtner mit allen Mitteln: Sie stellen Petroleumöfen auf. Und Kerzen. Kerzen? „Ja. Wir stellen drei Grablichter unter einen Tontopf mit Loch. Das funktioniert dann praktisch wie ein kleiner Ofen“, erklärt Melitta Küsel. Ansonsten nutzen sie und die anderen Gärtner die Zeit, die Anlage in Schuss zu halten.

Auch die Grabpflege muss noch warten

Abwarten heißt’s auch für den Garten- und Landschaftsbauer Bernd Hebebrand. Besonders in Sachen Grabpflege. „Wir können noch nicht so richtig loslegen. Die vielen empfindlichen Sommerpflanzen überstehen das kühle Wetter nicht“, sagt er. Deshalb wartet auch der Kiersper erst die Eisheiligen ab – zu groß ist das finanzielle Risiko. In der kommenden Woche, so hofft er, sollte es dann aber doch vorangehen. Hebebrand: „Ich denke, dass wir vor oder nach Pfingsten so richtig loslegen und die Gräber mit bunten Blumen bepflanzen können.“

Niederschlag tut der Vegetation richtig gut

Der Landwirt Heinz Wennekamp sieht die Sache mit den Eisheiligen etwas gelassener: „Wir können das Wetter ja eh nicht beeinflussen. Es kommt, wie’s kommt.“ Er freue sich aber, dass es nach dem ziemlich trockenem April nun endlich mal wieder Niederschlag gibt – das tue der Vegetation sehr gut. Dennoch: Wegen der kalten Tage stagniert auch seine Arbeit. „Ja, die Wiese, die wächst natürlich nur sehr langsam“, sagt Wennekamp und fährt mit den Händen über die nassen Halme. Hinzu komme der harte Winter. Die Schneemassen und der Frost hätten erhebliche Fehlstellen verursacht. Im April habe er deshalb einiges nachgesät.

Normalerweise sollte die Wiese bereits rund 30 Zentimeter hoch gewachsen sein. Jetzt seien es aber gerade mal knappe 15 Zentimeter, schätzt er. Zu wenig, um die erste Ladung abzumähen. Deshalb freut er sich natürlich auch, dass die Eisheiligen mit der kalten Sophie am Samstag beendet sind. „Ich denke, dass dann alles recht schnell geht. Ich hoffe, dass wir in acht bis 14 Tagen das erste Mal mähen können.“

Die Verzögerung bedeutet für Heinz Wennekamp nicht nur eine Stagnation des Wachstums, sondern auch deutlich mehr Arbeit im Sommer. „Erfahrungsgemäß holt die Natur das wieder auf. Und dann müssen wir eben noch mehr ran“, meint er und lacht. Als Landwirt arrangiere man sich eben mit der Natur. Die Kleingärtner vom Thingslinde hoffen dennoch, dass aus dem „kalt, nass, grau“ ganz schnell ein „warm, trocken, bunt“ wird. ▪ Lisa-Marie Weber

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