Maßnahmen sollen bald greifen

Viele Anwohner und Ratsmitglieder nahmen an der Einwohnerversammlung teil. Nach einer teils hitzig geführten Diskussion konnte eine Einigung erreicht werden.

KIERSPE ▪ Etwa 60 Anwohner der Ortslagen Vor den Eicken und Padberg sowie mehrere Ratsmitglieder nahmen am Mittwochabend an einer Einwohnerversammlung im Rathaus teil, bei der die Verkehrssituation an der Straße Vor den Eicken thematisiert wurde. In einer zeitweise auch hitzig geführten Debatte wurde das Thema zwei Stunden lang diskutiert. Zuletzt konnte jedoch eine einvernehmliche Lösung gefunden werden.

Das Bachbett des Kerspebachs, der unmittelbar neben der schmalen Straße Vor den Eicken verläuft, ist in den vergangenen Jahren durch Ablagerungen immer flacher geworden, so dass das Wasser jetzt regelmäßig nach starken Regenfällen über die Ufer tritt. Das hatte zur Folge, dass der befestigte Randstreifen der Fahrbahn, der dem Begegnungsverkehr eine Ausweichmöglichkeit bot, mehr und mehr weggespült wurde. Wie die MZ bereits im Frühjahr in dem Bericht „Gefahr für Mensch und Gewässer“ berichtete, ist dadurch eine sehr gefährliche Situation entstanden. Die Gefahr, dass ein Autofahrer an der teils kaum noch befestigten Straßenkante abrutscht und im Bach „landet“ stieg ebenso, wie die Bedrohung der Wasserqualität der Kerspetalsperre, die vom Wupperverband betrieben wird und unter anderem Wuppertal mit Trinkwasser versorgt. Da der Kerspebach in das Gewässer mündet, würden Gefahrstoffe, die in Folge eines Unfalls in den Bach gelangen, auch in die Talsperre gespült.

Neben mehreren Anwohnern reagierten auch die Ratsmitglieder Clemens Wieland (UWG) und Martin Schlüchting (Pro Kierspe) mit Ärger und Unverständnis darauf, dass an diesem Abend kein Vertreter des Wupperverbands Rede und Antwort stand. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Verantwortlichen im Wupperverband mit Arroganz und Desinteresse auf die Situation hier vor Ort reagieren“, bemerkte Schlüchting. Schließlich liege der Gewässerschutz in der Verantwortung des Verbands. Auch die Anwohner beklagten unisono, dass der Wupperverband sich nicht ausreichend um die Pflege des Baches kümmere. „Er ist zum Teil in katastrophalem Zustand,“ schimpfte eine Anwohnerin. Das trifft bei vielen dort lebenden Kierspern vor allem deshalb auf Unverständnis, weil sie selber Jahrzehnte lang und über mehrere Generationen hinweg in privatem Engagement das Bachbett reinigten. „Das wurde uns aber aus Gründen des Wasserschutzes untersagt“, beklagte ein Anlieger.

Für einige Aufregung sorgte schließlich ein Beschlussvorschlag, den die Verwaltung in den Ausschuss für Umwelt und Bauen einbrachte, da dieser die Abbindung der Straße Vor den Eicken vorsah. Das löste bei vielen Ausschussmitgliedern, vor allem aber bei den Bürgern großen Widerstand aus, so dass der Termin für die Einwohnerversammlung vereinbart wurde.

Gegen Ende der Veranstaltung einigten sich Bürgermeister Emde, Karsten Seil vom Tiefbauamt, Axel Boshamer vom Ordnungsamt und die beiden Vertreter der WSW Energie- und Wasser AG (ehemals Wuppertaler Stadtwerke) mit den Anwohnern auf einen Sechs-Punkte-Plan. Emde berichtete, dass der Wupperverband telefonisch zugesagt habe, in Kürze mit dem Auskoffern des Bachbetts zu beginnen. „Abgestimmt auf diese Arbeiten wird die Stadt den Uferbereich punktuell mit Wasserbausteinen absichern“, versprach er. Da die „Zone 30“ in dem Bereich kaum eingehalten wird und schon Geschwindigkeiten von über 80 Stundekilometern gemessen wurden, will die Stadt die Polizei bitten, verstärkt Kontrollen durchzuführen. Zudem soll mit dem Straßenverkehrsamt des Kreises über die Anlage von Bodenschwellen zur Verkehrsberuhigung gesprochen werden. Ein weiterer Gefahrenpunkt – LKW, die dort passieren – könnte durch ein Durchfahrtverbot für Schwerlastverkehr beseitigt werden. „Auch das müssen wir mit dem Kreis besprechen“, so Emde.

Mit Freude nahmen die Anwohner die spontane Zusage von Friedrike Mürkens (WSW Energie- und Wasser AG) auf, dass das Unternehmen die Kosten für die Anschaffung von Leuchttafeln übernimmt, die den Autofahrern anzeigen, wenn sie zu schell fahren. „Ich werde mich zudem bei der Unteren Wasserbehörde informieren, ob die Anwohner bei Interesse eine Patenschaft für den Bach übernehmen können“, so Emde. So könnte die gute alte Tradition der Bachpflege möglicherweise wieder neu belebt werden. ▪ Petra Schüller

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