Einsatz bei Busunfall realitätsnah geübt

KIERSPE ▪ Bei der Großübung von Feuerwehr, DRK und Rettungsdienst waren mehr als 150 Personen beteiligt, um möglichst realistisch den Einsatz nach einem schweren Busunfall mit einer großen Anzahl von Verletzten zu simulieren. Dafür hatte der Kiersper Reisedienst Wohlgemuth ein Fahrzeug, das zum Verschrotten bestimmt ist, bereitgestellt. Auf dem Gelände des Unternehmens an der Waldheimstraße fand das Geschehen am Mittwochabend auch statt. Es war die größte Übung in Kierspe seit rund 20 Jahren.

Die angenommene Lage war ein Linienbus, dessen Fahrer auf der Strecke zwischen Kierspe und Rönsahl versucht, einem die Fahrbahn wechselnden Radfahrer auszuweichen. Dabei stürzt das Fahrzeug eine drei Meter tiefe Böschung hinunter und kippt um. Insgesamt werden 51 Personen verletzt, der Radfahrer, der vorne unter den Bus gerät, sogar tödlich, zehn schwer und die anderen leicht. Die Alarmierungszeit war auf 18.55 Uhr festgelegt worden. Schon wenig später trafen die verschiedenen Einheiten – natürlich anders als beim richtigen Einsatz ohne Blaulicht und Martinshorn – vor Ort ein.

Schon Stunden vorher war damit begonnen worden, die Verletztendarsteller einzuweisen und zu schminken, so dass sich den Helfern in dem auf der Seite liegenden alten Fahrzeug ein wirklichkeitsnahes Bild bot: Die Verletzten wurden von Mitgliedern der Jugendfeuerwehr, des Jugend-DRK und weiteren Privatpersonen gemimt, die laut klagten und schrieen, so dass sich die Helfer wie bei einem echten Unfall mit absolut chaotischen Verhältnissen konfrontiert sahen. Teilweise hatten sie offene Wunden und einige sahen im Gesicht und an den Gliedmaßen blutüberströmt aus, wobei Schminke und Theaterblut Verwendung fanden. Die Aufgabe hatte das Team der realistischen Unfalldarstellung des DRK, fachkundig unterstützt von zwei Kosmetikerinnen aus Hückeswagen, übernommen.

„Wir freuen uns, dass die Wipperfürther Firma Trend Design uns Theaterblut und anderes Verletzungsmaterial zur Verfügung gestellt hat und danken ganz besonders dem Reisedienst Wohlgemuth für den Bus“, betonte Reinhard Pfeiffer vom Löschzug Rönsahl der Feuerwehr Kierspe, der die Organisation übernommen hatte. Er war es auch, der den stillgelegten Bus ohne Kennzeichen auf dem Hof des Betriebs entdeckt und bei dem Unternehmen nachgefragt hatte, ob damit eine Übung möglich sei. Dann musste, so erzählt Pfeiffer weiter, alles ganz schnell gehen, denn der Schrotthändler hatte sich bereits angekündigt. Die ursprünglich für September geplante Übung zusammen mit dem Löschzug Marienheide wurde um einen Monat vorverlegt und zudem ihre Dimensionen deutlich vergrößert.

Neben den drei Fahrzeugen aus Rönsahl war die Kiersper Feuerwehr noch mit vier Fahrzeugen des Löschzuges Wehestraße zugegen, dazu die Feuerwehr aus Marienheide ebenfalls mit vier Autos, unter anderem dem Katastrophenschutzspezialfahrzeug Dekon ABV mit zwei großen Zelten und einer kompletten Anlage zum Dekontaminieren nach Chemie- und Atomunfällen. Beteiligt mit zahlreichen Autos waren weiterhin der Rettungsdienst Meinerzhagen, der Rettungsdienst und die Notärzte aus Lüdenscheid mit dem Ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes MK, Dr. Dirk Wierich, an der Spitze, das DRK Kierspe und das DRK Wipperfürth, unter anderem mit seiner Versorgungseinheit. Wegen der großen Zahl und der Schwere der Verletzungen mussten imaginär zudem noch zwei Rettungshubschrauber angefordert werden.

Nachdem die Feuerwehr mit der hydraulischen Rettungsschere einen Zugang zum Innenraum des Busses geschaffen hatte, gingen die Sanitäter und Mediziner ans Werk. Dr. Wierich betonte, dass das Wichtigste, zugleich aber auch schwierigste zu Beginn eines solchen Einsatzes nicht die Versorgung der Patienten ist, sondern erst einmal die genaue Sichtung. So dürfe nicht gleich beim ersten oder dem, der am lautesten schreit, mit der Behandlung begonnen werden, denn womöglich gebe es noch viel schwerer Verletzte. Genau da haperte es dann unter anderem auch an der Umsetzung. Außerdem stand zuwenig Rettungsmaterial wie Tragen bereit.

Wierich betonte, dass solchen Übungen mit einem Massenanfall von Verletzten eine große Bedeutung zukomme, weil die Einsatzkräfte eben doch nicht oft mit solchen Lagen konfrontiert seien. In seiner Funktion habe er etwas ähnliches nur 2009 beim Schützenfest in Menden erlebt, als ein Auto in den Umzug gerast war. Er war am Mittwochabend in Kierspe mit insgesamt drei Notärzten vertreten, wobei klar sei, dass bei einem echten Einsatz weitaus mehr alarmiert werden müssten. Beim Märkischen Kreis wird zurzeit ein Konzept gezielt für den Umgang mit solchen großen Unfällen aufgestellt.

Der Rettungsdienstleiter zog wie auch Kierspes Stadtbrandmeister Georg Würth und der Marienheider Wehrführer Frank Hartkopf ein positives Fazit nach der Übung. Alle drei hatten aber auch Schwachstellen ausgemacht, die nun optimiert werden müssten. Als Beobachter dabei waren außerdem Kreisbrandmeister Dieter Grefe und sein oberbergischer Amtskollege Frank-Peter Twilling.

Stadtbrandmeister Georg Würth interessierte sich bei der Übung vor allem für das Zusammenspiel der verschiedenen Feuerwehren miteinander sowie ebenfalls der Feuerwehr mit dem DRK und dem Rettungsdienst. ▪ Rolf Haase

Rubriklistenbild: © Haase

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