Kiersper Löschzwerge im Gespräch mit Innenminister

Landesinnenminister Ralf Jäger suchte gleich zu Beginn der Veranstaltung das Gespräch mit den Kiersper Löschzwergen. Ohne jede Scheu stand unter anderem Christine Bluschies Rede und Antwort. - Fotos: Becker

Kierspe - Sie waren mit Abstand die jüngsten Teilnehmer beim Jahrestreffen der Projektgruppe „Feuerwehrensache“ in der Fortbildungsakademie des Landes in Herne: die Löschzwerge aus Kierspe. Die jungen Kiersper Wehrleute waren aber auch die ersten, die mit Landesinnenminister Ralf Jäger ins Gespräch kamen.

Von Johannes Becker

Offiziell gibt es im Land noch gar keine Kinderfeuerwehren, doch in einigen Kommunen sind sie längst Realität – so auch in Kierspe. Das wurde auch gestern bei dem Treffen der Mitglieder des Projektes „Feuerwehrensache“ in Herne deutlich. Neben dem Innenminister, Vertretern des Landtages, Vertretern der Städte und den Feuererwehrchefs aus vielen Kommunen des Landes fielen die Löschzwerge aus Kierspe nicht nur wegen ihrer bunten Kleidung auf.

„Ein Beispiel, wie gute Nachwuchsarbeit aussieht, kann man gleich hier vorne im Raum sehen“, ging der Innenminister auch auf die Anwesenheit der jüngsten Kiersper Einheit ein. Gleich nachdem er den Raum betreten hatte, suchte Jäger das Gespräch mit den Mitgliedern der Kinderfeuerwehr. Und von der zehnjährigen Christine Bluschies erfuhr der Minister auch gleich, dass so ein Tag mit Brezeln und Apfelsaft cooler sei als Schule, und dass das Aufrollen von Schläuchen keinen Spaß mache. Es sprach wohl für die Spontaneität des Politikers, dass er dieses Gespräch in seine Rede einbrachte.

Doch sicher auch passend, geht es doch in dem Projekt darum, die „Feuerwehren leistungs- und zukunftsfähig zu halten“. Jäger weiter: „Der Sturm, der auch das Münsterland heimsuchte, hat gezeigt, wie gut die überörtliche Hilfe funktioniert, aber auch, wie wichtig die Freiwillige Feuerwehr ist. Der Staat wäre ohne dieses Engagement überfordert.“

Bilder vom Besuch der Kiersper Löschzwerge beim Jahrestreffen „Feuerwehrensache“

Kiersper Löschzwerge im Gespräch mit dem Innenminister

Er versprach den anwesenden Wehrleuten die Unterstützung des Landes und bat sie, daran zu arbeiten, die Feuerwehr interkulturell zu öffnen, sie allen Generationen zugänglich zu machen und auch Menschen mit Behinderung in die Arbeit einzubeziehen. Wichtig sei aber auch, die jungen Menschen für die Feuerwehr zu begeistern und die Wehr stärker in die Schulen zu bringen.

Wie wichtig solche Initiativen sind, machten auch die Zahlen von Jan Heinisch, dem Vorsitzenden des Verbandes der Feuerwehren in NRW, deutlich. Er zeigte auf, dass die Freiwilligen Feuerwehren in 21 Jahren in ganz Deutschland rund 120 000 Mitglieder verloren hätten. „Das ist glücklicherweise in NRW anders, doch auch in unserem Land gibt es viel zu wenige Frauen (fünf Prozent) bei der Wehr. Die Einheiten des Landes bilden keinen Bevölkerungsquerschnitt ab. Aufgrund der demografischen Entwicklung stehen immer weniger junge Menschen zur Verfügung. Doch diese sind es, die ins Feuer gehen – beispielsweise als Atemschutzträger“, führte Heinisch aus.

Da hörten sicher alle gerne, was der Kiersper Wehrleiter Georg Würth zu berichten hatte: „Wir haben bei der Kinderfeuerwehr keine Probleme bei der Rekrutierung. Im Gegenteil, wir haben eine lange Warteliste.“ Seine weitere Redezeit nutzte der Kiersper Wehrchef, der auch Bürgermeister Frank Emde, den Grundschulleiter Thomas Block, die Lehrerin Steffi Lüning und die Betreuer der Löschzwerge mit nach Herne gebracht hatte, um über die Arbeit mit den Nachwuchswehrleuten zu berichten und so für eine landesweite Einführung dieser Einheit zu werben. Er forderte die anderen Wehrleiter auf, sich in der anschließenden Pause mit den Kinderfeuerwehr-Mitgliedern zu unterhalten. Dass das geht, hatte der Innenminister ja schon unter Beweis gestellt.

Während es nach der Mittagspause für die meisten Tagungsteilnehmer in die Arbeitsgruppen ging, um darüber zu beraten, wie die erarbeiteten Ziele praktisch umgesetzt werden können, ging es für die Löschzwerge weiter nach Gelsenkirchen, zum Besuch der Zoom-Erlebniswelt.

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