Aus einer Bierdose wird eine Öllampe

+
Stefanie Kroppach zeigte Sandalen, die in Tansania aus alten Autoreifen angefertigt werden. ▪

KIERSPE ▪ „Ich habe lange in Kierspe gewohnt und bin auf die Pestalozzischule gegangen“, erzählte Stefanie Kroppach geborene Gaumann gestern den Schülern aus den verschiedenen Gruppen der Projektwoche an der Bismarckschule. Sie kamen nacheinander zu ihr, um sich anzuhören, was sie aus ihrer neuen Wahlheimat, Tansania in Ostafrika, berichtete. Die 35-Jährige war auf Vermittlung von Lehrerin Silvia Witulski eingeladen worden und sehr gerne gekommen.

Sie lebt mit ihrem Mann Daniel sowie ihren drei Töchtern, der siebenjährigen Marina, der fünfjährigen Hanna und der dreijährigen Nele, in Geita nur zehn Kilometer vom Südufer des Viktoriasees entfernt. „Fisch gibt es bei uns somit öfter auf der Speisekarte“, lachte die Entwicklungshelferin.

Mitgebracht hatte sie gestern neben Bildern ebenfalls verschiedene Gegenstände aus dem Leben der Menschen in Tansania wie die typischen Trommeln und andere Instrumente, aus Autoreifen gefertigte Sandalen, die auffallend schwer waren, Öllampen aus Bierdosen oder auch ein selbstgemachtes Spielzeugmotorrad aus Draht und Stoff. Auch einen Holzkamm, einen kleinen Handbesen und einen Blechkochtopf zeigte sie den Kindern, die interessiert zuhörten.

Nachdem Steffi Kroppach 1999 erstmals im Rahmen eines freien sozialen Jahrs bei der Allianz-Mission nach Uganda ging, war sie vom Afrika-Virus gefangen. So zog sie mit ihrer Familie 2006 ganz dorthin, dann allerdings nach Tansania, wo sie seitdem für das deutsche Missionsärzteteam arbeitet.

Zusammen mit ihrem Mann ist sie im Bereich von Selbsthilfegruppen-Projekten für Frauen tätig. Microfinance ist mittlerweile ein gängiges Mittel der Entwicklungspolitik: „Die Frauen versuchen Geld zu sparen und bekommen dann dabei Unterstützung, dieses zu vermehren. Sie kaufen beispielsweise größere Mengen Mais, Bohnen oder Waschmittel und verkaufen alles gewinnbringend. Teilweise handeln sie untereinander, so dass das Ganze sogar einen genossenschaftlichen Charakter bekommt“, schilderte die Missionarin. Geld schießt die Projektleitung ganz bewusst nicht zu.

Derzeit verbringt die Familie Kroppach ein Urlaubsjahr in Deutschland, das war die Gelegenheit für Marina, im hessischen Ewersbach einmal eine richtige Schule zu besuchen. In Afrika lernt sie sonst über die Deutsche Fernschule in Wetzlar.

Den Kindern erzählte sie von der Sprache der schwarzen Bevölkerung, unter anderen den Massai als einem der insgesamt 125 Stämme des Landes, sowie außerdem von der Nationalflagge Tansanias, deren Blau für das Wasser, Grün für die Landwirtschaft, von der die meisten Menschen leben, und Gelb für die Bodenschätze des Landes stehe.

„In der Gegend gibt es die größten Goldvorkommen Afrikas, sieht man einmal von Südafrika ab. Es gab in den vergangenen Jahren einen richtigen Goldrausch,“ so Stefanie Kroppach. Vielleicht habe genau das nochmals der Prostitution und damit Aids- Erkrankungen Vorschub geleistet. In einem Nachbarort seien 98 Prozent der Bevölkerung HIV-positiv. ▪ rh

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare