Eine Schule, aber weiterhin zwei Standorte

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Gleich zu Anfang der Sitzung des Ausschusses für Schule und Kultur ging es in die neue Lehrküche der Gesamtschule, die bereits im Rahmen der Projektwoche eingeweiht wurde. ▪

KIERSPE ▪ Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre explodierte die Zahl der Grundschüler geradezu, so wurden zu Spitzenzeiten 1122 Schüler gezählt, die die Klassen eins bis vier besuchten. Damals führte diese Entwicklung zum Bau der Schanhollenschule.

Doch mittlerweile sind solche Zahlen nur noch Geschichte. Die Statistiker rechnen für das Jahr 2013 noch mit 640 Schülern, drei Jahre später mit 653.

Da die Stadt Kierspe als Schulträger dazu verpflichtet ist, durch schulorganisatorische Maßnahmen angemessene Klassen- und Schulgrößen zu gewährleisten, würden sechs Züge ausreichen – und damit zwei Standorte in Kierspe. Rönsahl spielt aufgrund der Zusage einer Standortsicherung für das kommende Schuljahr keine Rolle bei diesen Überlegungen. Die Verwaltung möchte aber auf jeden Fall die Infrastruktur und damit auch die Bismarck-, Pestalozzi- und Schanhollenschule erhalten. Das wurde auch am Dienstag bei der Sitzung des Ausschusses für Schule und Kultur deutlich.

Begründet wurde dies nicht nur damit, dass die vorhandenen Schulen ein wichtiger Bestandteil der Sozialstruktur des jeweiligen Einzugsbereiches darstellten, sondern auch damit, dass für einzelne Jahrgänge sechs Züge wahrscheinlich nicht ausreichen würden. Doch weder Bismarck- noch Pestalozzischule hätten die baulichen Möglichkeiten, dann eine weitere Klasse einzurichten.

Eine Möglichkeit, die sich aus dem Schulgesetz ergeben würde, wäre die Weiterführung der Schanhollenschule als sogenannter Teilstandort im Grundschulverbund mit der Pestalozzischule. In einer Vorlage der Verwaltung für die Ausschussmitglieder heißt es: „Der Teilstandort wäre zwar keine eigenständige Schule mehr; die Maßnahme hätte aber den Erhalt des Standortes als Schulraum und wichtigen Bezugspunkt im Einzugsbereich zum Vorteil. Die Bildung eines Grundschulverbundes stellt also damit eine wichtige Entscheidung für den Erhalt des Schulstandortes dar.“

Das sahen die Mitglieder des Ausschusses gestern ähnlich. Vor allem, nachdem sie von den Vorsitzenden der Elternpflegschaft durchaus positive Signale bekamen. Michael Massier, der dieses Amt an der Pestalozzischule innehat, berichtete von einer Sitzung der Elternvertreter, die sich grundsätzlich positiv zu dem Grundschulverbund geäußert hätten: „Wir denken, dass die Vorteile überwiegen.“ Massier kündigte für den Mai eine Informationsveranstaltung für die Eltern der Pestalozzischüler an, um diese über die Pläne zu informieren.

Ralf Ullrich, der für die Eltern der Schanhollenschule sprach, betonte, dass vor allem erfreulich sei, dass es nicht darum gehe, die Schanhollenschule zu schließen. „Wir haben keine Veränderungsängste, aber es herrscht viel Unsicherheit“, brachte er die Meinung der Eltern auf den Punkt. Bedenken hatte Ullrich, dass das pädagogische Konzept der Schule untergehen könnte. Außerdem sprach er sich für eine längere Vorbereitungszeit aus. Während die Verwaltung von einem Zusammenschluss im kommenden Jahr ausgeht, wünschte sich Ullrich die Fusion erst zum Schuljahr 2013/2014. Massier hatte in seinem Statement auch die vakante Schulleitung angesprochen: „Wir glauben, dass die Umsetzung solcher Planungen nur gelingen kann, wenn es auch wieder eine Schulleitung gibt.“

Damit sprach er einen Punkt an, in dem die Verwaltung eine weitere Chance des Grundschulverbundes sieht. So fehlt bereits seit Jahren ein Direktor an der Pestalozzischule und auch die Schanhollenschule wird das neue Schuljahr ohne Schulleiter beginnen, da Marlene Umlauf in den Ruhestand geht.

Bislang wurde die Leiterstelle an der Pestalozzischule neun Mal ausgeschrieben, ohne dass sich ein geeigneter Bewerber gefunden habe.

Nun setzt die Verwaltung darauf, dass die deutlich größere Schule, die sich aus dem Verbund ergeben würde, für einen Bewerber interessanter sei. Vielleicht sei es gar möglich, aufgrund der neuen Größe eine höher dotierte Stelle anbieten zu können.

Letztlich schlossen sich nahezu alle Mitglieder der Empfehlung der Verwaltung an und legen somit dem Rat der Stadt nahe, einen Grundschulverbund für das Schuljahr 2012/2013 anzuvisieren. Lediglich Hermann Reyher sah noch Beratungsbedarf mit den Mitgliedern der Grünen-Fraktion und enthielt sich. Eine endgültige Entscheidung über den Verbund soll dann im Herbst von den Ratsmitgliedern getroffen werden.

Bevor sich die Mitglieder des Schul- und Kulturausschuss am Dienstag mit solch weitreichenden Fragen, wie der nach der Zukunft von Schulen beschäftigen mussten, standen Besichtigungen in der Gesamtschule auf dem Programm.

So ging es gleich zu Anfang der Sitzung aus dem Blauen Salon, wo die Ausschussmitglieder tagten, in die neue Lehrküche der Gesamtschule. Hartwig Benne vom Gebäudemanagement der Stadt erläuterte dann vor Ort die umfangreichen Arbeiten. So musste auch der Boden des Raumes komplett aufgestemmt werden, um die Anschlüsse für die vier Spülen, die frei im Raum stehen, zu verlegen. Außerdem musste ein Fluchtweg geschaffen werden, den die Schüler und Lehrer nun aber auch nutzen können, um in die bisherige Lehrküche zu gelangen. Ihre Feuerprobe haben die neuen Geräte bereits in der Projektwoche bestanden. Und so zeigte sich Schulleiterin Monika Hahn auch mehr als zufrieden mit der neuen Küche. Sie wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass für das Inventar zahlreiche Sponsoren Geld gegeben hätten.

Die nächste Station des Rundgangs war ein Raum, der für den naturwissenschaftlichen Unterricht komplett umgebaut wurde. Einer von drei Räumen ist nach mehrmonatiger Bauphase bereits fertiggestellt, an den beiden anderen wird noch gearbeitet. Insgesamt wurden in die Räume rund 196 000 Euro investiert, wobei die neuen Fenster aus Mitteln des Konjunkturpaketes II bezahlt wurden. Benne nutzte die Gelegenheit, sich noch einmal bei der Schulleitung zu bedanken, weil ein großer Teil der Arbeiten während der Unterrichtszeit erledigt werden musste, um den Zeitplan einzuhalten. ▪ Johannes Becker

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