Eine Reise durch die Zeit im Stöberladen

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Weihnachtlich Dekorationen und Geschenke mit dem Charme früherer Tage sind zur Zeit im Stöberladen erhältlich. Rund 13 ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen Karl-Heinz Klitscher (zweiter von rechts) im Einsatz für den guten Zweck. J

KIERSPE ▪ An diesem Wochenende wird die erste Adventskerze entzündet. Weihnachten steht vor der Tür, und viele denken über Geschenke für ihre Lieben nach oder darüber, wie man gerade jetzt anderen eine Freude machen oder Menschen unterstützen kann, die Hilfe benötigen. All das kann man im Kiersper Stöberladen an der Kölner Straße „in einem Aufwasch“ erledigen.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter um Karl-Heinz Klitscher halten zurzeit nicht nur preiswerte Weihnachtsdekorationen bereit, vom selbstgefertigten Gesteck über Kugeln, Schwippbögen und weiterem Nippes bis zur Christbaumspitze, sondern auch Geschenke. Die sind zwar in der Regel nicht brandneu, verfügen dafür aber über den besonderen Charme früherer Tage und häufig auch über eine eigene Geschichte.

Da gibt es, um nur einige Stücke zu nennen, das Chippendale-Sideboard. Ein Hochzeitsgeschenk, das seine Besitzer durch 50 Ehejahre begleitete. Die Esszimmergarnitur mit Stühlen mit Petit-Point-Stickerei. Eine Serie von „Maria Weiss“, dem Porzellan-Klassiker der Firma Rosenthal, das Firmengründer Geheimrat Philipp Rosenthal sen. nach englischen Vorlagen für seine Frau Maria entwarf. Außerdem einen ganzen Satz hochwertiger Nachtmann-Kristall-Gläser oder aber zwei handgearbeitete Gläser, die um 1870 in der Kristallmanufaktur Theresienthal entstanden.

Es braucht Zeit, die ganzen Schätze zu sichten. Mehrere vollständige Services´, unzählige Gläser, eine alte fußgetriebene Adler-Nähmaschine oder eine Waage, die in einem Kiersper Kolonialwarengeschäft lange Zeit für das rechte Maß sorgte, und sogar ein Harmonium sind ebenso erhältlich wie die unterschiedlichsten Langspielplatten oder Bücher, die es hier um rund 50 Prozent preiswerter gibt als im Antiquariat. Kurzum: Für wenig Geld kann der ganze Hausrat aufgefrischt oder ergänz werden.

Doch auch wer sich von alten Schätzchen trennen möchte, findet in den 13 Mitarbeitern des Stöberladens einen fachkundigen Ansprechpartner.

Donnerstagsmorgens können Interessierte außerdem gegen eine Spende von fünf Euro eine fachkundige Auskunft zu ihren Stücken einholen. Gerne nehmen die Mitarbeiter auch Schmuck oder Edelmetalle entgegen, denn letztlich dient der ganze Verkauf einem guten Zweck. Der Erlös fließt in Projekte von „people international“, einer überkonfessionellen christlichen Organisation. 25 Prozent des jährlichen Erlöses von etwa 13000 bis 15000 Euro kommen dabei der Familienkommunität „Siloah“ in der Nähe von Eisenach zugute. 75 Prozent einem der humanitären Projekte in Zentralasien, einem bildungsorientiertem in der aserbaidschanischen Stadt Ganza. In Deutschland wird die Missionsgemeinschaft vom Kiersper Dietmar Schwarze als Geschäftsführer vertreten, der das Projekt im Sommer besuchte und dort auch mitarbeitete.

Das Projekt CARD bietet etwa 30 bis 50 Kindern und Jugendlichen aus Familien mit niedrigem Einkommen, von alleinerziehenden Eltern oder Waisenkindern neben dem Schulunterricht zusätzliche Bildungsmöglichkeiten. Es werden Englisch-, Computer-, Teppichknüpf-, Schreiner- und Kochkurse angeboten, wobei für die beiden letztgenannten auch Lehrer gesucht werden. Arbeitsplätze sind in Aserbaidschan Mangelware, und die zusätzlichen Qualifikationen und die damit verbundene Flexibilität ermöglichen den Teenagern einen besseren Einstieg ins Arbeitsleben.

Besonders beeindruckt zeigte sich Schwarze von der Entschlossenheit der Projektteilnehmer, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Messbar wird der Erfolg am Beispiel zweier Mädchen, denen es auf der Grundlage dieser Ausbildung gelang, einen Studienplatz und ein Stipendium zu bekommen, und zwar nur aufgrund ihrer guten Leistungen und ohne die üblichen „Schmiergelder“ zahlen zu müssen.

Von Luitgard Müller

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