Erstwähler bekommen Politik an der GSK aus erster Hand

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Die Schüler der Oberstufe nahmen an der Podiumsdiskussion statt. Unter diesen befinden sich auch viele, die am Sonntag das erste Mahl bei einer Bundestagswahl ihre Stimme abgeben dürfen.

Kierspe - Eingeladen waren die Rechten nicht, aber am Tisch saßen sie trotzdem – wenn auch nur durch die Äußerungen der auf dem Podium des PZ sitzenden Politiker. Zwei Lokal- und ein Bundespolitiker waren der Einladung des Schülersprecherteams der Gesamtschule gefolgt und stellten sich den Fragen der Oberstufenschüler. 

Die Bundestagswahl am kommenden Wochenende ist derzeit das beherrschende Thema – nicht nur in den Medien, sondern auch an der Kiersper Gesamtschule. Dort gaben die Schüler bereits gestern ihre Stimme im Rahmen der sogenannten Juniorwahl ab. Gewertet wird diese zwar nicht, gibt den jungen Menschen aber einen guten Einblick in die tatsächliche Wahl und verstärkt so sicher auch den Wunsch, sich mit den Parteien, Politikern und Wahlprogrammen auseinanderzusetzen. 

Hermann Reyher war für die Grünen zu Gast.

Doch in der Oberstufe sind auch zahlreiche Schüler, die am Sonntag erstmals bei einer Bundestagswahl wählen dürfen. Und diese Oberstufenschüler waren es auch, die gestern der SPD-Bundestagsabgeordneten Petra Crone, Hermann Reyher von den Kiersper Grünen und dem Meinerzhagener Ratsherren Matthias Scholand (CDU) ihre Fragen stellen durften. 

Für die CDU saß Matthias Scholand auf dem Podium.

Die Schüler hatten Politiker aus allen im Bundestag vertretenden Parteien eingeladen – jedoch von der Linken keine Rückmeldung erhalten. So wurden nur drei Stühle besetzt – und zwei weitere von den Moderatoren Jonathan Schriever (Schülersprecher) und Nele Keune (Mitglied im Schülersprecherteam). 

Fühlt sich der Gesamtschule verbunden: Petra Crone (SPD).

Bildungspolitik, Protestwähler und die Arbeit im Bundestag waren unter anderem Themen in den 90 Minuten, die zur Verfügung standen, und um Fragen zu stellen. Gerade bei der Arbeit des Parlamentes hatte natürlich Petra Crone die meiste Redezeit zur Verfügung, denn letztlich war sie die einzige, die von der konkreten Arbeit in Berlin berichten konnte. Doch sie nutzte auch diese Gelegenheit, um zu betonen, wie sehr sie sich freue, ihren letzten offiziellen Auswärtstermin als Abgeordnete in der Gesamtschule zu haben, wo sie in Förderverein und Schulpflegschaft tätig war und die auch von allen ihren Kindern besucht wurde. Crone verdeutlichte den Schülern den Entstehungsprozess von Gesetzen. „Wir sind ein Arbeitsparlament. Dort wird jeder Gesetzesentwurf in Fachausschüssen beraten und letztlich auch verändert.“ Matthias Scholand betonte die Bedeutung von Erst- und Zweitstimme und forderte die Schüler auf, in ihrem Wahlkreis auf die Diskrepanz zwischen den beiden Ergebnissen zu achten. 

Den Hass deutlich kritisiert 

Schülersprecher Jonathan Schriever und Nele Keune als Mitglied des Schülersprecherteams moderierten die Veranstaltung.

Deutlich mehr Schwung brachte die Frage einer Schülerin nach Protestwählern in die Diskussion. Crone sah in diesen Menschen vor allem Bürger, die sich nicht von den etablierten Parteien verstanden fühlten. Sie kritisierte aber sehr deutlich den Hass, der gerade in den sogenannten Sozialen Netzwerken geäußert würde, nicht nur auf die Politik, sondern auch auf die Medien – und sie warf diesen Wählern vor, nicht mit den Politikern zu reden, um ihre Ängste, Gedanken und Probleme vorzutragen. „Natürlich haben Politiker eine Bringschuld, aber die Bürger haben auch eine ,Holschuld’. Sie müssen sich informieren und auch bereit sein, mitzuarbeiten.“ 

Matthias Scholand verdeutlichte am Brexit, welche Folgen eine Protestwahl haben könne: „Erst nach der Abstimmung haben die Menschen angefangen, sich damit zu beschäftigen, was diese Entscheidung nun auch bedeutet.“ 

Auch Grüne waren mal Protestpartei 

Hermann Reyher wählte da einen ganz anderen Ansatz und führte aus, dass auch die Grünen letztlich als Protestpartei entstanden seien. Er erinnerte an die Aktionen in den Anfangsjahren, die nichts mehr mit der heutigen Politik zu tun hätten und äußerte gar die Hoffnung, „dass es auch unter den zukünftigen AfD-Parlamentariern Menschen gibt, die sich ,demokratisieren’ lassen.“ Er lud die Schüler – genau wie Scholand – ein, sich die Arbeit des Rates vor Ort persönlich anzuschauen, in bestehenden Parteien mitzuarbeiten und vielleicht auch wieder ein Jugendparlament zu gründen. 

Bildungspolitik darf nicht fehlen

Natürlich durfte bei einem solchen Termin in der Schule die Bildungspolitik nicht fehlen. Hier war es an dem Grünenpolitiker und früheren Lehrer sich zu Wort zu melden: „Die Schul- und Bildungspolitik hat in den vergangenen Jahren wieder einen größeren Stellenwert bekommen, allerdings reicht es nicht aus, in Schulgebäude zu investieren, es muss auch inhaltlich etwas passieren.“

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