Einbruch ungeklärt:

Freispruch für 39-jährigen Kiersper

Symbolbild Urteil Gericht Justiz
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Das Amtsgericht Lüdenscheid hat sein Urteil gesprochen.

Vorläufig ungeklärt blieb im Amtsgericht Lüdenscheid der Einbruch in ein Wohnhaus in Kierspe am 26. September 2019: Ein Schöffengericht sprach den 39-jährigen Angeklagten frei, der als möglicher Täter ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten war.

Kierspe/Lüdenscheid - Das ältere Ehepaar, in dessen Haus am Springerweg ein Unbekannter eingebrochen war, konnte nur von den Folgen des Einbruchs berichten, da die beiden zu diesem Zeitpunkt einkauften. Der 70-jährige Rentner berichtete von einer zertrümmerten Glasscheibe in der Terrassentür, von durchwühlten Schränken in diversen Räumen und der Beute: Etwa 10 bis 12 Euro, eine Kassette mit Modeschmuck (100 Euro) und vergoldete Taschenuhren und Manschettenknöpfe im Gesamtwert von 120 Euro.

Materielle Schaden größer als die Beute

Der materielle Schaden war erheblich größer als die Beute. Immerhin ersetzte eine Versicherung den Schaden. Richter Andreas Lyra zielte mit einer Nachfrage auf die psychischen Folgen: „Wie war das denn?“ – „Schlimm!“, antwortete der 70-Jährige. Er selbst habe nach dem Einbruch zwar keine Angst verspürt. Seine Frau habe jedoch an Schlafstörungen gelitten. Der Blick zum Angeklagten war nicht als Beweismittel gedacht: „Den habe ich noch nie gesehen.“

Eine Friseurmeisterin hatte den Täter an jenem Tag aber möglicherweise gesehen. Sie beobachtete einen Mann mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze, Jeans und Sweatshirt, der in den Garten der Einbruchsopfer ging. Als die Polizei ihr eine lange Reihe von Fotos vorlegte, identifizierte sie den Angeklagten als einen solchen „möglichen“ Täter. Sie sei sich aber nicht sicher. Im Gerichtssaal machte sie deutlich, auf welch tönernen Füßen schon diese Wahl-Lichtbild-Vorlage stand: „Ich habe nur ein bisschen die Augen gesehen.“

„So sehen alle jungen Leute zurzeit aus“

Sie fügte einen Satz an, der eine konkrete Identifizierung der Person vollends unglaubwürdig machte: „So sehen alle jungen Leute zurzeit aus.“ Der Angeklagte konnte zu dem Vorwurf „nicht viel“ sagen. Immerhin hatte er eine Idee, wer sich an jenem Tag als Einbrecher betätigt haben könnte. „Ich habe den Verdacht, dass mir das angehängt werden sollte.“ Und er zeigte in seinem letzten Wort Mitgefühl mit dem Ehepaar: „Es tut mir leid für die Geschädigten, aber ich war es halt nicht.“

Und so waren sich Staatsanwältin Beatriz Föhring, Verteidiger Frank-Peter Rüggeberg und das Schöffengericht einig, dass nur ein Freispruch das Ergebnis der Beweisaufnahme angemessen wiedergeben würde. Richter Andreas Lyra machte deutlich, dass selbst ein zuverlässiges Wiedererkennen des Angeklagten durch die Zeugin wohl nicht ausgereicht hätte, um den 39-Jährigen zu verurteilen. Denn ihre Zeitangaben hinsichtlich der Verweildauer der beobachteten Person im Garten schwankten zwischen fünf und 20 Minuten. Wären es nur fünf Minuten gewesen, hätte die Zeit allenfalls für ein ganz anderes „Geschäft“ ausgereicht.

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