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Ein besonderes Hobby: Charolais-Züchter feiert großen Erfolg

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Von: Thilo Kortmann

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thomas Schrell mit seinen Charolais-Rindern. Er gehört zu den rund 30 Züchtern in NRW, die diese seltene Rasse aufzieht.
Thomas Schrell mit seinen Charolais-Rindern. Er gehört zu den rund 30 Züchtern in NRW, die diese seltene Rasse aufzieht. © Thilo Kortmann

Picador schwenkt seinen gewaltigen Bullenkopf mit den Hörnern, Anette lässt nicht ab vom Futtereimer, den ihr Thomas Schrell hinhält. Anettes Verfressenheit stört Picador, denn er ist der Chef auf der Weide, immer wieder stößt er mit seinen Hörnern leicht gegen Anettes Bauch, damit sie vom Futter ablässt – willkommen auf der Wiese der Charolais-Zucht Schrell in Kierspe-Loh.

.„Picador stößt nur ganz leicht, er will Anette ja nicht verletzen. Er will ihr ja nur zeigen, dass er der Anführer ist“, erklärt Thomas Schrell, der wiederum der Chef auf dem Hof Schrell ist. Wobei er keine Hörner hat und Ehefrau Christine mindestens genauso so viel zu sagen hat. Und Sohn Christoph hat auch noch ein Wörtchen mitzureden bei der Zucht der Charolais-Rinder, deren Fleisch als Delikatesse gilt und nur sehr selten und hochpreisig auf den Tellern in Restaurants und im Handel landet.

Die Charolais-Herde lebt fast das ganze Jahr draußen. Die Rinder kommen mit Hitze gut klar.
Die Charolais-Herde lebt fast das ganze Jahr draußen. Die Rinder kommen mit Hitze gut klar. © Thilo Kortmann

Ursprünglich stammen die Tiere aus Frankreich, ihren Namen hat die Rasse von der Umgebung von Charolles. Ihr mageres Fleisch durchziehen hauchdünne Fettäderchen, die ihm seine typische Marmorierung mit einem charakteristischen Aroma geben.

Ovation war die große Gewinnerin der Charolais-Schau in Krefeld.
Ovation war die große Gewinnerin der Charolais-Schau in Krefeld. © Heinrich Schulte Dammstrasse 53

Selten ist auch die Zucht. Familie Schrell gehört zu den rund 30 Züchtern, die in NRW diese edle Fleischrindrasse aufzieht. Und das sehr erfolgreich. Dieses Jahr stellen die Schrells das Siegerrind bei der Charolais-Rinder-Schau NRW in Krefeld, veranstaltet vom Fleischrinder-Herd-Buch (FHB). Siegerrind bedeutet, dass es sich um das schönste und beste Rind der gesamten Rinderschau handelt. Dementsprechend stolz sind die Schrells, „die Belohnung für über 30 Jahre Zuchtarbeit“, findet Thomas Schrell. Dabei setzt der Landwirt auf Mutterkuhhaltung. Mutter und Kalb bleiben möglichst lange zusammen. Im Gegensatz zur Milchkuhhaltung, bei der schon frühzeitig Mutter und Kind getrennt werden.

Wir haben uns gewundert, dass sich die Herde selbst bei Temperaturen weit über 30 Grad in der Sonne aufhält, während andere Rassen dann Schattenplätze suchen.

Charolais-Züchter Thomas Schrell

Mit ihrem weißen Fell unterscheiden sich die Tiere auch optisch von den sauerlandtypischen Rassen. Das weiße Fell habe auch den Vorteil, dass die Tiere nicht so hitzeanfällig seien, sagt Schrell. „Wir haben uns gewundert, dass sich die Herde selbst bei Temperaturen weit über 30 Grad in der Sonne aufhält, während andere Rassen dann Schattenplätze suchen“, erklärt er. Auch ihr Charakter unterscheidet sich zu den hier eher verbreiteten Rassen. „Die Charolais sind eine sehr ruhige und friedliche Rasse“, erklärt der Kiersper.

Frühjahr bis Spätherbst verbringen die Tiere auf den Weiden. 80 Hektar bewirtschaftet Schrell. 73 Hektar sind Grünflächen und Weideland, sieben Hektar sind Ackerfläche. Insgesamt 90 Tiere hat er zu versorgen. Dieses Jahr, so der Züchter, habe man verstärkt zufüttern müssen, wegen der extremen Trockenheit, die ja auch weniger Grassilage zufolge hatte. Zudem seien die Kraftfutter-Preise derzeit so hoch, dass man diesmal zu einer kostengünstigeren Anbau-Alternative gegriffen haben.

Picador heißt der Bulle und Chef der Charolais-Herde in Kierspe Loh.
Picador heißt der Bulle und Chef der Charolais-Herde in Kierspe Loh. © Thilo Kortmann

„Wir haben in diesem Jahr zum ersten Mal Futtererbsen angebaut. Und wir hatten einen sehr guten Ernteertrag.“ Futtererbsen kämen mit Dürre sehr gut zurecht, zudem seien sie qualitativ gute Eiweißträger. „Futtererbsen sind eine gute Alternative. Und qualitativ besser als das aus Getreidenebenprodukten hergestellte Kraftfutter.“ Auch die Familie versorgt sich selbst. Mit Gemüse und dem Fleisch ihrer Rinder. Christine macht aus den Nebenerzeugnissen Salami, die zum Lufttrocknen an der Decke in der Küche hängen.

Für den Verkauf des Fleisches, das er nicht selber auf dem Hof schlachten lässt, an einen Händler bekommt er nicht viel mehr als für das Fleisch anderer Rassen. Davon, dass Restaurants das Fleisch zu hohen Preisen anbieten, hat Schrell rein gar nichts. „Das ist das Leid der Erzeuger. Das ist in Deutschland auch nicht anders“, erklärt er, der die Zucht im Nebenerwerb betreibt. Hauptberuflich ist er Werkzeugmechaniker. 35 Stunden die Woche.

Wir haben in diesem Jahr zum ersten Mal Futtererbsen angebaut. Und wir hatten einen sehr guten Ernteertrag.

Thomas Schrell, Landwirt im Nebenerwerb

Den Rest der Wochenzeit verbringt er mit der Zucht. „Ich habe eine Sieben-Tage-Woche“, erklärt Schrell. Die Zucht sieht er allerdings nicht als stressigen Job, sondern als Entspannung, als eine Art „Workout“ an. Andere machen Yoga, er geht in den Stall. „Die Zeit mit den Kühen auf der Weide, im Stall oder wenn Kälber geboren werden, ihnen beim Laufen lernen zuschauen, das ist für mich Urlaub“, sagt er beim Füttern, während Picador ausreißen möchte, weil der Elektro-Zaun geöffnet ist, und seine Versuche, Anette vom Futtereimer wegzustoßen, vergeblich waren. Anettes beharrliche Verfressenheit hat gesiegt. Da muss ja jeder Bulle resignieren.

Ein gemaltes  Charolais-Bild auf der Hausfassade verdeutlicht die große Verehrung der Familie Schrell zu der seltenen Rinderrasse, die aus den französischen Charolles stammt.
Ein gemaltes Charolais-Bild auf der Hausfassade verdeutlicht die große Verehrung der Familie Schrell zu der seltenen Rinderrasse, die aus den französischen Charolles stammt. © Thilo Kortmann

Man versteht nun Thomas Schrell, was er mit der Zeit bei den Rindern als Ersatz für den Urlaub meint. Und trotzdem: „Ich freue mich schon auf die Rente. Dann kümmere ich mich nur noch um die Tiere.“ Und Sohn Christoph, der auch noch einen anderen Job hat, und Ehefrau Christine freuen sich dann auch.

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