Kiersper wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt

Kierspe - Mit einem weitgehenden Geständnis begann im Landgericht der Prozess gegen einen 47-jährigen Mann aus Kierspe, dem die Staatsanwaltschaft sexuellen Missbrauch eines Schutzbefohlenen vorwirft.

Zwischen Januar und August 2015 soll der Mann seinen damals 17 Jahre alten Sohn 68 Mal zu intensiven Sexspielen veranlasst haben. „Das ist so passiert, wie es in der Anklage steht – allerdings waren es nur halb so viele Fälle“, erklärte Anwalt Friedhelm Wolf im Namen seines Mandanten.

Der Angeklagte meldete sich ebenfalls zu Wort, brachte den gemeinsam genossenen Alkohol als Treibmittel ins Spiel und zeigte sich willig, eine Entzugstherapie zu machen. Das wiederum veranlasste die 1. Große Strafkammer, über die Bestellung eines psychiatrischen Gutachters nachzudenken. Letztlich verwarfen die Richter aber diese Überlegung, weil sie im Hang des Angeklagten zu exzessivem Alkoholgenuss nicht die Hauptursache der Straftaten, sondern eher eine Beigabe sahen.

Die Familiengeschichte hinter dem Missbrauch war eine recht traurige: Die Eltern des heute 20-Jährigen hatten sich schon vor dessen Geburt getrennt. Eines Tages erwachte bei dem Heranwachsenden die Neugier auf seinen Erzeuger: „Dein Sohn möchte dich gerne kennenlernen“, zitierte der Angeklagte die daraus resultierende Anfrage der Kindsmutter.

In der Folgezeit war der 17-Jährige häufig bei seinem Vater in Kierspe zu Gast, wo die beiden angeblich einvernehmlich ihre Langeweile mit manuellen und oralen Sexspielen dämpften. „Ich habe ihn zu nichts gezwungen“, versicherte der Angeklagte. „Kam Ihnen das nicht komisch vor?“, forschte der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz nach vorhandenen Schamgrenzen beim Angeklagten. „Ich habe gar nicht darüber nachgedacht“, lautete die Antwort.

Die Mutter des Geschädigten stellte die Geschehnisse in ihrer Aussage anders dar. Ihrer Auffassung nach hatte der Angeklagte den gemeinsamen Sohn bedrängt und dadurch zu sexuellen Handlungen genötigt. Sie bestätigte allerdings, dass er immer wieder freiwillig zu seinem Vater gegangen war. Nach den Vorkommnissen habe er den Kontakt aber abgebrochen. Die Zeugin deutete auch an, dass ihr Sohn an einer geistigen Behinderung und häufigen Wutausbrüchen leide. Über die Vorkommnisse mit seinem Vater habe er mit ihr nicht reden wollen. Es sei ihm peinlich gewesen.

Der Angeklagte muss nach einer zweijährigen Bewährungsstrafe, die das Amtsgericht Lüdenscheid im Juli 2016 gegen ihn verhängte, erstmals mit einer vollstreckbaren Haftstrafe rechnen. Bei Einbeziehung der Strafe des Amtsgerichts werde die Strafe voraussichtlich nicht unter drei Jahren und sechs Monaten und nicht über vier Jahren und drei Monaten liegen, erklärte der Vorsitzende. Das gelte aber nur, wenn das Geständnis des Angeklagten dem 20-Jährigen die Aussage vor Gericht erspare. Die Verhandlung vor dem Landgericht Hagen soll Donnerstag fortgesetzt werden.

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