Für jeden ein paar Stunden Deutsch in der Woche

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Helga Bothe ging mit einer Liste von Flüchtling zu Flüchtling, um die Sprachkenntnisse zu erfassen.

Kierspe - Die Begrüßung im Gemeindehaus Vollme gelingt schon in Deutsch, doch die vorherrschenden Sprachen an diesem Nachmittag sind Englisch und Französisch. Das soll sich ändern. Der Arbeitskreis Flüchtlinge bietet in Zukunft Deutschkurse an, damit die Integration leichter fällt, die Flüchtlinge Ablenkung haben und ein Leben in dem neuen Land überhaupt möglich wird.

Von Johannes Becker

Manchmal können sich die jungen Männer, die in der Flüchtlingsunterkunft am Herlinghauser Weg wohnen, nicht einmal untereinander verständigen. Denn entweder beherrschen sie Englisch oder Französisch als Fremdsprache. Manchen fehlt aber auch jede Sprachkenntnis außerhalb der Muttersprache. Einige haben Abitur, andere bereits ein Studium, doch es gibt auch einige wenige Flüchtlinge, die weder Lesen noch Schreiben können – in keiner Sprache.

In Zukunft sollen die jungen Männer Unterricht in Deutsch erhalten, das ist das Ziel des Arbeitskreises Flüchtlinge, der ins Gemeindehaus Vollme eingeladen hatte, um zu erfassen, wer welche Vorkenntnisse besitzt und um zu klären, wer in welcher Gruppe am Besten aufgehoben ist. „Der Unterricht für die Bewohner des Heims am Herlinghauser Weg werden im Gemeindehaus Vollme unterrichtet. Dieses wird uns von der Gemeinde zu diesem Zweck an mehreren Tagen in der Woche zur Verfügung gestellt. Dann müssen die Schüler nicht mit dem Bus fahren und können Geld sparen“, freut sich Karin Schmid-Essing. Gemeinsam mit etlichen anderen Ehrenamtlichen ist sie nach Vollme gekommen, um im Gespräch mit den Flüchtlingen zu klären, wie der Unterricht in Zukunft stattfinden soll. Regelmäßig werden sich in Zukunft Bernd Strangfeld, Monika Hahn, Helga Bothe und Karin Schmid-Essing nach Vollme begeben, um dort zu unterrichten. „Jeder so wie er kann, ein bis viermal die Woche“, plant Schmid-Essing.

Doch auch in anderen Stadtteilen soll es den kostenlosen Unterricht durch ehrenamtlich Tätige geben. So unterrichtet Fritz Schmid vier junge Flüchtlinge, die aufgrund ihres Alters der Schulpflicht unterliegen und in die Gesamtschule gehen. „Für diese muss das Training intensiver sein, damit sie möglichst schnell dem Unterricht folgen können“, so Schmid-Essing.

Außerdem geht regelmäßig eine Betreuerin zum Deutschunterricht in eine Wohnung an der Kölner Straße, die komplett mit Spenden von Kierspern ausgestattet wurde und in der nun zehn Menschen Zuflucht gefunden haben. Die einzige Frau, die Kierspe zugewiesen wurde, wird im Einzelunterricht von Annelie Beul betreut.

Damit ist ein wichtiges Ziel des Runden Tisches bereits erreicht. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, die Menschen, die von der Bezirksregierung nach Kierspe geschickt wurden, zu empfangen und ihnen den Start zu erleichtern. Neben dem Unterricht sollen die Flüchtlinge von Paten betreut werden, die ihnen bei der Bewältigung des Alltags helfen, sie bei Behördengängen begleiten oder gemeinsam zum Einkaufen gehen. Natürlich sind auch Einladungen möglich oder gemeinsame Spaziergänge.

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