Zehn Monate nach verheerendem Brand: Alles auf Anfang bei Familie Herfurth

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Im Februar stand das Ehepaar hier noch in Schutt und Asche. Jetzt stehen Gertrud und Eberhard Herfurth vor dem neu gebauten Carport und dem neuen Wohnwagen. Der Brand hätte fast ihr Haus zerstört – jetzt danken sie allen Helfern.

Kierspe - Mitten in der Nacht wird Getrud Herfurth von einem lauten Knall aus dem Bett geschreckt. Als sie aus dem Fenster sieht, brennt der Carport lichterloh. Sie und ihr Mann versuchen, sich in Sicherheit zu bringen, doch vor der Haustür warten die Flammen. Come-on.de berichtete über den Brand im Raiffeisenweg im Februar.

Die Nacht wird Familie Herfurth nie vergessen. „Ich schrecke heute noch auf, wenn ich einen Knall höre“, sagt Gertrud Herfurth. „Und das wird wahrscheinlich auch immer so bleiben.“ Eine Flucht durch die Haustür war nicht möglich, also gingen Getrud und Eberhard durch den Garten. „Draußen standen schon Nachbarn und die Feuerwehr war schon alarmiert“, erinnert sich Eberhard Herfurth. 

Nur ein Kochtopf bleibt übrig

Viel zu retten gab es nicht mehr. Der Carport, in dem der Wohnwagen des Ehepaares stand, brannte vollständig ab. „Wir fanden nur einen Kochtopf.“ Zudem waren alle Fenster der Hausseite, die zum Brand gerichtet waren, zerstört. 

Feuer an der Friedrich-Ebert-Straße in Kierspe

Die Scheiben platzten, die Türgriffe schmolzen, selbst die Hausfassade löste sich unter dem Putz auf. „15 Minuten später und unser Haus wäre nicht mehr zu retten gewesen“, sagt der 81-Jährige. Der Griff der Garagentür tropfte und alle Blumenkübel aus Plastik lösten sich auf. 

Der Hof der Herfurths glich einem Trümmerhaufen. Wie in Trance ging der 81-Jährige in der Nacht in seine Garage und wollte das Feuer selbst löschen. Als er einsah, dass es nichts bringen würde, fing er an zu fegen. Die Gefühle, die in solch einer Situation aufkommen, könne man nicht beschreiben. 

Aufräumarbeiten dauerten bis vergangene Woche

Auch, wenn von Glück schwer zu reden ist, sei das Ehepaar froh, dass nichts Schlimmeres passierte. Alles, was zerstört wurde, konnte ersetzt oder repariert werden. Die Aufräumarbeiten dauerten bis zur vergangene Woche an. 

Dem alten Wohnwagen folgte im April ein neuer Gebrauchter, die Fenster wurden ausgetauscht, Wände neu verputzt, Wege neu gepflastert, alles wurde gereinigt und in der vergangenen Woche kam endlich die neue Haustür. Vor allem der Wohnwagen ist das Ein und Alles der beiden. Regelmäßig fahren sie gemeinsam in den Urlaub und nehmen auch an Rallyes teil.

Dankbarkeit für die Nachbarschaft

„Solange es warm ist, sind wir unterwegs.“ Der Wohnwagen das Ein und Alles Gemeinsam waren sie mit dem Wohnwagen schon in Schweden, Norwegen, Finnland, Italien, Kroatien und vielen weitern Ländern. Der Wohnwagen, der in der Nacht im vergangenen Februar in Brand geriet, war bereits für die nächste Tour gepackt. Kleidung, Bargeld, Lebensmittel und Geschirr verbrannten also mit. 

Brandstifter wurden nie gefunden

Der Gesamtschaden belief sich auf insgesamt 102 000 Euro. „Aber die Versicherung hat ohne Probleme alles bezahlt, worüber wir sehr dankbar sind“, sagt Eberhard Herfurth. „Das Geld war bereits Ende März da“. Noch dankbarer ist das Ehepaar den hilfsbereiten Nachbarn, die ihnen in der Nacht Jacken brachten und sich in der folgenden Zeit um sie kümmerten. „Wir können uns so glücklich schätzen, so eine tolle Nachbarschaft zu haben.“ 

In Brand geraten war der Carport, weil offensichtlich Papiertonnen des Nachbargebäudes angesteckt wurden. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, die Täter wurden jedoch bis heute nicht gefunden. Die Nacht werden die Herfurths nie vergessen.

Rückblick: Der Brand

In der Nacht auf Samstag, 3. Februar, heulten in Kierspe die Sirenen, es wurde Stadtalarm ausgerufen – der Grund: Ein Carport und darin abgestellter Wohnwagen am Raiffeisenweg standen in Flammen und drohten, auf das benachbarte Wohn- und Geschäftshaus überzugreifen. Mithilfe der in Meinerzhagen angeforderten Drehleiter konnte eine Frau von einem Balkon gerettet werden.

Die Ursache für das Feuer, so sollte sich durch die Ermittlungen eines von der Polizei hinzugezogenen Sachverständigen herausstellen, war Brandstiftung. Die traurige Bilanz: Zwei verletzte Personen (Rauchgasvergiftung), ein völlig zerstörter Wohnwagen, der schon für eine Reise gepackt war, ein zerstörter Carport, zersprungene Fensterscheiben und beschädigte Fassden an den Nachbargebäuden. 

Im Rahmen dieses Einsatzes mit insgesamt 90 Hilfskräften war die Stimmung sehr aufgebracht: Feuerwehrmänner wurden aus dem Fahrzeug gezerrt und dabei einer verletzt; es gab in aggressiver Weise geäußerte „nützliche“ Tipps von Schaulustigen und ein Pressevertreter angegangen, sodass die Polizei eingreifen musste.

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