Zwangsversteigerung

Ganzes Hotel im MK für einen Euro? Bieter sind mit 10 Cent dabei

Ein Bild aus besseren Tagen: Das ehemalige Hotel zur Leie in Rönsahl wird versteigert.
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Ein Bild aus besseren Tagen: Das ehemalige Hotel zur Leie in Rönsahl wird versteigert.

Die Zukunft des ehemaligen Hotels Zur Leie an der Hauptstraße entscheidet sich voraussichtlich am 26. August um 10.30 Uhr im Amtsgericht Meinerzhagen. Dann bittet das Gericht zur Zwangsversteigerung des baufälligen und leerstehenden Gebäudeensembles von 1902. Im besten Fall gibt es ein Bietergefecht, im schlechtesten findet sich überhaupt kein Käufer.

Rönsahl - Die Einstiegshürden für potenzielle Interessenten sind niedrig. Ein Gutachter hat den Verkehrswert auf nur einen Euro festgesetzt. Wer am 26. August mitbieten möchte, muss zehn Prozent des Verkehrswerts nachweisen. „Die sogenannte Bietsicherheit – in diesem Fall also 10 Cent – ist im Vorfeld der Versteigerung an die Justizkasse zu überweisen“, sagt Gerichtssprecher Bernhard Kuchler. Dies klinge bei einem Verkehrswert von einem Euro zwar albern, sei aber bei allen Zwangsversteigerungen Voraussetzung für die Abgabe von Geboten im Termin. Weitere Einkommens- oder Vermögensnachweise sind nicht beizubringen – auch nicht darüber, dass die erforderlichen Abrisskosten von gutachterlich geschätzten 106 000 Euro gestemmt werden könnten. Hinzukommen Kosten in Höhe von 12 500 Euro für Abfallentsorgung und Aufräumarbeiten. „Der Abriss liegt dann in der Hand desjenigen, der die Immobilie ersteigert. Die Prüfung, ob der Käufer das technisch oder finanziell leisten kann, ist nicht Bestandteil des Zwangsversteigerungsverfahrens“, sagt Kuchler.

Der Gutachter zeichnet ein fatales Bild der ehemals besten Adresse am Platz. Fotos dokumentieren eingestürzte Decken, massive Schimmelbildung und Vandalismusschäden. Einen Erhalt der Gebäude wird weitgehend ausgeschlossen. „Aufgrund des Gebäudezustandes scheidet ein Betrieb gänzlich aus“, heißt es vom beauftragten Ingenieur-Büro. Unterm Strich stehe sogar ein negativer Endwert. In solchen Fällen wird der Verkehrswert auf einen Euro festgesetzt.

Sollte es einen oder mehrere Interessenten geben, werde der Kaufpreis höher liegen, erklärt Gerichtssprecher Kuchler: „Im Termin wird das geringste Bargebot bekannt gemacht.“ Es dürfte in diesem Fall bei einigen tausend Euro liegen. Es soll die Verfahrens- und Gutachterkosten sowie mögliche offen stehende Grundbesitzangaben decken.

Die Stadt Kierspe ist derzeit im Auftrag des Landes NRW für das Gebäude zuständig, unter anderem für die Verkehrssicherungspflicht. Laut Gerichtssprecher schließt das ein eigenes Gebot der Stadt Kierspe nicht aus. Sollte aus Sicht der Gläubiger ein ungeeigneter Bieter das Höchstgebot abgeben oder überhaupt kein akzeptables Gebot fallen, kann der Gläubigervertreter auf Antrag die Zwangsversteigerung noch im Gerichtssaal abbrechen.

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