Starker Gegensatz

Reichweite entscheidend: Mehr SUV als E-Autos in Kierpse verkauft

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Autohausbesitzer Karl-Friedrich Bengelsträter mit dem Leaf, dem meistverkauften Elektroauto der Welt. Allerdings ist die Nachfrage noch immer nicht allzu hoch.

Kierspe - Hier treffen Welten aufeinander, auf der einen Seite steht da der vollgeländegängige Navara,  ein paar Meter weiter steht die bereits zweite Generation des erfolgreichsten Elektroautos der Welt - der Leaf. In Sachen Verkauf hat der SUV die Nase vorne. 

Karl-Friedrich Bengelsträter, Inhaber des gleichnamigen Nissan-Autohauses, ist sich des Widerspruchs bewusst, sieht aber letztlich nur einen Spiegel seiner Kundschaft, denn die sei genauso unterschiedlich wie die Modellpalette. „Es gibt nicht den typischen SUV-Käufer, genauso wenig, wie es den typischen Elektroauto-Käufer gibt“, sagt er.

Der Autohausbesitzer kann aber auch wenig mit der Diskussion um die SUV anfangen. „Wenn man sich den Qashqai oder den X-Trail anschaut, erkennt man, dass die Wagen letztlich gar nicht größer als eine Limousine sind, allerdings sind sie ein bisschen höher.“

Bei den Zulassungszahlen kann er aber schon sehen, wo die Prioritäten seiner Kunden liegen. 28 neue Qashqai hat er in diesem Jahr schon verkauft, dagegen stehen zehn Elektrofahrzeuge, darunter drei Gebrauchte. Bengelsträter: „Die Kunden sind auf der Suche nach gebrauchten E-Autos, da vielen die neuen zu teuer sind.“

Daran ändere auch die Prämie nicht viel, die für Elektroautos gezahlt werde. Die Batterie habe nun einmal ihren Preis. Und je größer diese ist, desto teurer wird das Auto. Deshalb freut er sich sehr, dass er gerade erst einen Leaf mit großer Batterie an einen Kunden verkauft hat. Rund 500 Kilometer kommt der Neuwagenbesitzer nun mit seinem neuen Auto und der 60-KW-Batterie. „Nächste Woche will er mit dem Wagen nach Kiel, mal sehen, wie das mit dem Laden unterwegs funktioniert“, so Bengelsträter.

Die Reichweite spielt nach seiner Erfahrung eine große Rolle beim Kauf der Elektroautos. „Kaum jemand fährt 300 Kilometer oder mehr am Tag, aber alle wollen die Sicherheit, dass sie es könnten, wenn sie es wollen. Deshalb wird das E-Auto wohl auch noch einige Zeit eher der Zweitwagen bleiben“, da ist sich der Nissan-Händler sicher.

So verwundert es auch nicht, dass er die drei in diesem Jahr verkauften Transporter an Kunden geliefert hat, die ihre Kilometerleistung recht genau kennen. Einer der drei ENV200 ging an einen Handwerker, einer an ein Taxiunternehmen und der letzte an die Meinerzhagener Stadtverwaltung. Eine Verwaltung war es auch, die einen der neuen Leaf gekauft hat, in diesem Fall der Oberbergische Kreis.

Zwei weitere der neun Leaf gingen an Kunden, die bereits elektrisch unterwegs waren und nun einen Ersatz für ihr bisheriges Auto suchten.

Für die kommenden Jahre erwartet Bengelsträter einen weiter wachsenden Absatz der E-Autos, vor allem, weil in naher Zukunft die Ladeinfrastruktur deutlich verbessert werden soll.

Diese verbesserte Infrastruktur dürfte zukünftig auch für die Kunden eine Rolle spielen, die gerne weiter zu Qashqai und Co. greifen würden. Denn ab 2021 wird es auch die neuen SUV bei Nissan nicht mehr mit Diesel-Motoren geben, statt dessen sollen diese als Benziner mit Hybridtechnik ausgerüstet werden – und da reicht die Batterie nur für rund 50 rein elektrisch gefahrene Kilometer.

Die Kunden für reinrassige Geländewagen wie den beschriebenen Navara müssen aber auch in den kommenden Jahren bei dem asiatischen Hersteller nicht auf den Selbstzünder verzichten. Damit wird die Welt der Gegensätze wohl noch länger erhalten bleiben, als sich das mancher gedacht hat.

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