Drogenmissbrauch im Fokus

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Aufmerksam folgten die Zuhörer dem Vortrag zur Entwicklungspsychologie von Kindern und Jugendlichen. ▪

KIERSPE ▪ „Kiffen, saufen – Was ist da schiefgelaufen?“ So nannte das Sozialwerk St. Georg die Infoveranstaltung, zu der es am Donnerstagabend in den Pluspunkt an der Kölner Straße eingeladen hatte.

„Wieso schiefgelaufen?“, fragte Referent Matthias Nowak etwas provokant zurück. Der Sozialarbeiter und Kinder- und Jugendtherapeut war jahrzehntelang in der Drogenberatung tätig und ist damit ausgewiesener Fachmann für ein Thema, zu dem das Sozialwerk schon mehrere Diskussionsveranstaltungen durchgeführt hat.

„Entwicklungsaufgaben im Jugendalter vor dem Hintergrund der emotionalen Entwicklung des Kindes“ – so hatte er selbst seinen Vortrag überschrieben. Denn wenn Jugendliche Drogen konsumierten, habe das Gründe. Und diese Gründe gelte es zu verstehen.

Dazu holte er weit aus – sein Vortrag begann quasi mit der Geburt. Die emotionale Entwicklung des Kindes, Bindungstheorie und motivationale Systeme wurden mit Hilfe vieler Folien und weitgehend theoretisch abgehandelt. Eine sichere Bindung sei die Grundlage jeder gelungenen Entwicklung und stabilen Persönlichkeit. Frühe Trennungserfahrungen, Vereinsamung und Missbrauch hinterließen Spuren, die sich später in einer Drogenkarriere niederschlagen könnten.

Aber auch die „normale“ Entwicklung des Jugendlichen sei krisenbehaftet. Freundschaft und Liebe, die Positionsfindung in der eigenen Gruppe und die Entwicklung der Identität sind bei jedem Jugendlichen in der Pubertät wichtige Themen. Manchmal führe das zu bewussten Normverletzungen. „Kiffen ist cool“, brachte Nowak es auf den Punkt.

Er wolle Drogenkonsum nicht schönreden, stellte er klar. Komasaufen sei kein Kavaliersdelikt, der Jugendliche benötige Hilfe. Trotzdem mache ein einmaliger Exzess noch keinen Alkoholiker. Schätzungsweise nur drei bis fünf Prozent aller auffälligen Jugendlichen würden weitertrinken.

Alkohol sei vor allem als sozial akzeptierte „Alltagsdroge“ gefährlich, ebenso wie Nikotin und Tabletten. Den Umgang damit lernen die Jugendlichen vor allem im eigenen Elternhaus. Diese Alltagsdrogen „machen mehr Probleme als Cannabis und Heroin“, rückte Nowak die Relationen zurecht.

Eltern, die sich von Geburt an fürsorglich um ihre Kinder gekümmert haben, brauchen deshalb nicht sofort in Panik zu verfallen, wenn bei ihnen der Verdacht auf Drogenmissbrauch aufkommt.

Diskussionsbeiträge des Publikums waren vom Veranstalter zwar ausdrücklich gewünscht, hielten sich aber in Grenzen. Kritische Anmerkungen kamen zur U3-Betreuung, die eine Bindung an die Eltern stören könne. Auch die Bedingungen der modernen, häufig großstädtischen Umgebung seien nicht förderlich. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die unzureichende Motorik vieler Kinder angesprochen.

Von Birgitta Negel-Täuber

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